Geothermiekonferenz in Bochum zeigt Projekte, Förderung und offene Risiken:

NRW treibt Geothermie für die Wärmeversorgung voran

von David Lodahl
Foto: © www.i-magazin.at | KI-generiert

Nordrhein-Westfalen baut die Geothermie als Baustein für die künftige Wärmeversorgung aus. Auf der 21. Geothermiekonferenz in Bochum stellten die Landesgesellschaft NRW.Energy4Climate und die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastruktur und Geothermie IEG aktuelle Projekte, Förderinstrumente und laufende Erkundungen vor.

Im Fokus steht der Übergang von der Forschung in die Anwendung. Neben oberflächennaher Geothermie für Gebäude, Quartiere und kommunale Projekte rücken auch tiefe geothermische Reservoire stärker in den Blick. Für Stadtwerke, Energieversorger, Kommunen und Planungsbüros sind dabei belastbare geologische Daten entscheidend, da Bohrungen in mehreren tausend Metern Tiefe mit erheblichen Investitions- und Fündigkeitsrisiken verbunden sind.

Datenbasis für Wärmenetze und Industrie

Eine wichtige Rolle spielt das seit Anfang 2025 laufende Reallabor Geothermie Rheinland im Rheinischen Revier. Das Forschungsprojekt soll durch geophysikalische Messungen und Erkundungsbohrungen Daten für Projekte in bis zu 4.000 Metern Tiefe liefern. Damit sollen Kommunen und Unternehmen fundiertere Entscheidungen für die Wärmeversorgung treffen können.

Prof. Dr. Rolf Bracke, Leiter des Fraunhofer IEG, sieht darin eine Grundlage für Investitionsentscheidungen: „Auf Basis dieser Daten können Kommunen und Wirtschaft Entscheidungen für ihre Wärmeversorgung treffen. Das senkt die Investitionsrisiken, schafft Planungssicherheit für alle Akteure, ermöglicht regionale Wertschöpfung und soll so den Strukturwandel im Rheinischen Revier voranbringen.“ Zugleich sollen die Methoden aus dem Reallabor auch für Gemeinden und energieintensive Industrie in anderen Regionen Nordrhein-Westfalens nutzbar werden.

Ziel: 15 bis 20 Prozent des Wärmebedarfs bis 2045

Nach Angaben von NRW.Energy4Climate soll Geothermie bis 2045 rund 15 bis 20 Prozent des nordrhein-westfälischen Wärmebedarfs decken. Besonders relevant ist das Thema für die kommunale Wärmeplanung, den Ausbau und Umbau von Wärmenetzen sowie die Dekarbonisierung bestehender Fernwärmesysteme.

Christian Mildenberger, Geschäftsführer von NRW.Energy4Climate, verweist auf Untersuchungen des Geologischen Dienstes in mehreren Regionen des Bundeslandes. Messungen und Bohrungen von Ostwestfalen-Lippe über das Münsterland, das Ruhrgebiet und das Rheinland bis nach Aachen hätten aus seiner Sicht „erfolgsversprechende Ergebnisse“ geliefert, auf denen Unternehmen aufbauen könnten.

Stadtwerke Duisburg planen Erkundungsbohrung

Wie Energieversorger die nächsten Schritte vorbereiten, zeigten auf der Konferenz Beispiele aus Aachen, Düsseldorf und Duisburg. Die Stadtwerke Duisburg planen demnach im ersten Halbjahr 2028 eine Erkundungsbohrung auf ihrem Gelände. Sie soll genauere Informationen über Gesteinsschichten und Wasservorkommen in bis zu 4.000 Metern Tiefe liefern.

Nach ersten Erkenntnissen des Geologischen Dienstes werden dort Reservoire mit 80 bis 130 Grad heißem Wasser vermutet. Duisburg will seine Fernwärme idealerweise bis 2035 klimaneutral aufstellen. Das Land Nordrhein-Westfalen unterstützt das Vorhaben finanziell.

Förderung soll Projektrisiken reduzieren

Ein zentrales Thema der Konferenz war die finanzielle Absicherung geothermischer Projekte. Nordrhein-Westfalen fördert Vor- und Machbarkeitsstudien laut Presseaussendung mit Quoten von rund 60 Prozent. Darauf aufbauend gibt es Unterstützung für 2-D- und 3-D-seismische Messungen sowie für Erkundungsbohrungen.

Besonders relevant für Energieversorger und Kommunen ist die Absicherung des Fündigkeitsrisikos. Nordrhein-Westfalen übernimmt nach Angaben der Veranstalter als erstes deutsches Bundesland bis zu 60 Prozent der Bohrkosten, falls im Untergrund kein oder zu wenig nutzbares warmes Wasser gefunden wird.

Zusätzlich soll das Kompetenzzentrum Wärmewende NRW Unternehmen und Kommunen als zentrale Anlaufstelle unterstützen. Genannt werden Daten zu geologischen Gegebenheiten, Informationen zu Fördermöglichkeiten, Vernetzung sowie Hilfestellungen für die kommunale Wärmeplanung, darunter Leitfäden und Musterleistungsverzeichnisse für Vor- und Machbarkeitsstudien.

Relevanz über Nordrhein-Westfalen hinaus

Für die Energie- und Gebäudetechnikbranche ist die Entwicklung in Nordrhein-Westfalen auch über den deutschen Markt hinaus interessant. Tiefe Geothermie kann dort, wo geeignete geologische Bedingungen vorliegen, eine grundlastfähige Wärmequelle für Fernwärme, Quartiere und industrielle Anwendungen sein. Die in NRW gewählte Kombination aus öffentlicher Datenerhebung, Förderprogrammen und Risikoteilung zeigt, wie Länder und Regionen Investitionen in geothermische Wärmeprojekte erleichtern können.

Weitere Informationen auf: www.ieg.fraunhofer.de

Quelle Fraunhofer IEG

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