Forschung, Fachkräfte und Technologiesouveränität im Fokus:

Elektrotechnik-Branche warnt vor Kürzungen bei Universitäten

von David Lodahl
Foto: © www.i-magazin.at | KI-generiert

Der OVE Österreichischer Verband für Elektrotechnik warnt vor langfristigen Folgen möglicher Kürzungen beim österreichischen Universitätsbudget. Aus Sicht des Branchenverbands könnten Einsparungen in Lehre und Forschung zentrale Bereiche der Elektrotechnik schwächen – von Energietechnik und Mikroelektronik über Cybersecurity bis zur industriellen Automatisierung.

Im Mittelpunkt steht dabei weniger die kurzfristige Budgetfrage als die Rolle technischer Universitäten und Fakultäten für den Wirtschafts- und Innovationsstandort. Sie bilden Fachkräfte aus, betreiben anwendungsnahe Forschung und liefern Grundlagen für Technologien, die für Industrie, Energieversorgung und kritische Infrastruktur relevant sind.

Forschungskompetenz als Standortfaktor

Elektrotechnik gilt als Basis zahlreicher Schlüsseltechnologien. Der Verband verweist darauf, dass Österreich und Europa gerade in einem geopolitisch angespannten Umfeld eigene Forschungs- und Entwicklungskompetenzen benötigen, um technologische Abhängigkeiten zu reduzieren und Technologiesouveränität aufzubauen.

Kürzungen könnten laut OVE unter anderem zu weniger Personal, eingeschränkter Laborinfrastruktur und reduzierten Forschungsaktivitäten führen. Damit würde nicht nur die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit leiden. Auch die Verfügbarkeit qualifizierter Absolvent:innen für Industrie, Energiewirtschaft, Planung, Automatisierung und Gebäudetechnik könnte langfristig unter Druck geraten.

Gefährdete Wirkung bereits getätigter Investitionen

Technische Universitäten und Fakultäten sind für viele Unternehmen wichtige Innovationspartner. Sie unterstützen Wissenstransfer, Forschungskooperationen und technologieorientierte Unternehmensgründungen. Eine Verschlechterung der Rahmenbedingungen könnte Österreich zudem für internationale Forscher:innen weniger attraktiv machen.

Bernhard Jakoby, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats im OVE, verweist auf bereits laufende Verpflichtungen der Universitäten: „Die Universitäten haben sich mit den letzten Budgets zu verschiedenen herausfordernden Projekten verpflichtet. Deren Weiterführung wäre durch ein Sparbudget massiv gefährdet, was einen denkbar schlechten Einsatz bereits investierter Mittel bedeuten würde.“

Relevanz für Energiewende und Sicherheitstechnologien

Besonders deutlich sieht der Verband mögliche Auswirkungen im Energiesektor. Konzepte für ein leistungsfähiges, resilientes Energiesystem entstünden zu einem wesentlichen Teil im universitären Umfeld, heißt es vom OVE. Damit berühren Einsparungen nicht nur die Hochschulpolitik, sondern auch energie- und klimapolitische Ziele.

OVE-Vorstandsmitglied Bernd Klöckl formuliert es so: „Die Konzepte für ein leistungsfähiges und resilientes Energiesystem der Zukunft kommen zu einem erheblichen Teil aus dem universitären Bereich. Einsparungen bei Lehre und Forschung können somit sogar die Umsetzung der Energiewende verzögern.“

Auch sicherheitspolitische Aspekte spielen aus Sicht des Verbands eine Rolle. OVE-Vizepräsident Wolfgang Bösch betont: „Elektrotechnik ist essenziell für Sicherheitstechnologien, die dem Schutz von Personen, Objekten, Daten und kritischen Infrastrukturen dienen. Österreich darf hier nicht aufgrund von Sparmaßnahmen ins Hintertreffen geraten.“

Appell an politische Entscheidungsträger

Der OVE fordert die Politik daher auf, die strategische Bedeutung der Elektrotechnik bei künftigen Budgetentscheidungen zu berücksichtigen. Kurzfristige Einsparungen könnten aus Sicht des Verbands langfristig höhere volkswirtschaftliche Kosten verursachen, wenn Forschungsprojekte, Ausbildungskapazitäten oder Innovationsnetzwerke geschwächt werden.

OVE-Präsident Gerhard Fida sieht Investitionen in technische Ausbildung und Forschung als Grundlage für Wertschöpfung und Zukunftsfähigkeit: „Wer in technische Ausbildung und Forschung investiert, gestaltet eine wirtschaftlich erfolgreiche, nachhaltige und sichere Zukunft des Landes. Einsparungen in diesen Bereichen schaden unserem Wirtschaftsstandort und der damit verbundenen Wertschöpfung.“

Der OVE ist Branchenplattform für Elektrotechnik und Informationstechnik in Österreich. Zu seinen Aufgaben zählen unter anderem Normung, Zertifizierung, Blitzforschung, Weiterbildung sowie die Vernetzung von Industrie, Gewerbe, Energiewirtschaft, Wissenschaft und Anwender:innen.

Weitere Informationen auf: www.ove.at 

Quelle: OVE

Ähnliche Artikel

Hinterlassen Sie einen Kommentar

* Zur Speicherung Ihres Namens und Ihrer E-Mailadresse klicken Sie bitte oben. Durch Absenden Ihres Kommentars stimmen Sie der möglichen Veröffentlichung zu.

Unseren Newsletter abonnieren - jetzt!

Neueste Nachrichten aus der Licht- und Elektrotechnik bestellen.