Auch im »goldenen Zeitalter der Elektrotechnik« stellt sich die Frage:

Fachkräftemangel – was tun?

von Sandra Eisner
von Thomas Buchbauer, Chefredakteur Foto: © pixabay

„Bis zum Jahr 2080 wird die österreichische Bevölkerung vor allem durch Zuwanderung wachsen“, las ich kürzlich in einem APA-Bericht auf der Onlineplattform der Tageszeitung »Die Presse«. Und zwar just, nachdem ich aus einem Round Table-Gespräch mit Vertretern aus Industrie, Großhandel und Gewerbe kam, das auf Initiative von BIM Andi Wirth und dem i-Magazin stattfand (siehe Seite 26 der i-Magazin-Ausgabe 12/2021).

Darin wurde unter anderem ein Umstand ganz besonders betont: (Nicht nur) Das Elektrohandwerk leidet unter einem Fachkräftemangel. Die Lösung, so die Protagonisten des Round Tables, sei es, einerseits den Beruf der Elektrotechniker unter den Jugendlichen interessanter zu machen bzw. das Image zu heben und andererseits »Quereinsteiger aus anderen Berufen« für das Elektrohandwerk zu gewinnen.

Darüber hinaus gibt es auch Bemühungen, den Anteil an weiblichen Fachkräften in technischen Berufen zu heben. All diese Lösungsansätze können zu einem Erfolg führen. Aber ob sie ausreichend sein werden, wage ich zu bezweifeln. Vor allem deswegen, weil der APA-Bericht, der sich auf die kürzlich erschienene Bevölkerungsprognose der Statistik Austria bezog, auch verriet, dass die Anzahl der Erwerbspersonen in der Altersgruppe der über 55-Jährigen von 792.000 im Jahr 2020 auf 923.000 im Jahr 2080 steigen, aber jene der 15- bis 34-jährigen von 1,57 Mio. (2020) auf 1,48 Mio. (2080) schrumpfen wird. Mit anderen Worten: Jene Gruppe an jungen Menschen, die es für den Beruf des Elektrotechnikers künftig zu gewinnen gilt, wird in den nächsten 60 Jahren immer kleiner. Nicht zuletzt auch deswegen wird es aus meiner Sicht nötig sein, alle Bevölkerungsgruppen anzusprechen – auch jene der Zuwanderer.

Dass die österreichische Wirtschaft im Laufe der letzten 70 Jahre gute Erfahrungen mit derartigen Initiativen vorzuweisen hat, zeigt das Beispiel der sogenannten Gastarbeiter aus dem damaligen »Jugoslawien« und später auch aus der Türkei, deren Zuzug und Integration mit einer gewissen Zeitverzögerung ab etwa Mitte der 1960er-Jahre begann und aus heutiger Sicht von vielen Experten als Erfolgsstory bezeichnet wird. Das »goldene Zeitalter der Elektrotechnik« mag zwar angebrochen sein, es bedarf allerdings auch großer Anstrengungen, ihr nicht nur technologisch Herr zu werden, sondern vor allem auch jene »Human Ressources« zu schaffen, mit denen man auch tatsächlich in der Lage sein wird, die Energiewende zu bewerkstelligen, um damit letztendlich auch die Klimakrise in die Schranken zu weisen.

Apropos Energiewende: Dass die Elektrobranche es tatsächlich in der Hand hat, Themen wie die klimaschonende Energiegewinnung und die Mobilität der Zukunft mitzugestalten, zeigt sich anhand der uns von mehreren Seiten zugetragenen Zahlen über die Umsatzentwicklung des deutschen Elektrogroßhandels. Speziell die Warengruppen der »Regenerativen Energieerzeugung« und der »Elektromobilität« weisen von Jänner bis Oktober 2021 über 50 % bzw. über 350 % (!) Steigerung auf, wodurch die These des »goldenen Zeitalters der Elektrotechnik« speziell in den genannten Bereichen eindrucksvoll bestätigt wird.

Wir haben in der letzten Ausgabe des heurigen Jahres auf diese Entwicklung reagiert und beschäftigen uns im Rahmen einer Schwerpunktberichterstattung mit den AC-Wallbox-Angeboten der Elektrohersteller. Aber nicht nur in der Printausgabe vom i-Magazin widmen wir uns der Elektromobilität – in unserem YouTube-Channel lassen wir die Experten der Industrie vermehrt zum »Wallbox-ABC« Stellung nehmen. Schauen Sie sich die Videos an und abonnieren Sie den i-Magazin-Kanal! Auch wenn es sich bei den Aussagen über den Ausstieg Österreichs aus der »Verbrenner-Technologie« bisher nur um politische Willensbekundungen einzelner Personen handelte – wie Staatssekretär Magnus Brunner in einer Veranstaltung kürzlich betonte – gehört der Elektromobilität ohne Zweifel die Zukunft. Ich gehe sogar weiter: Ihr gehört die Gegenwart. Denn nach meiner mittlerweile dreijährigen Erfahrung mit einem batterieelektrisch betriebenen Firmenwagen kann ich es Ihnen mit Brief und Siegel geben: Die Elektromobilität ist keine Lösung alleine für die kurzen Strecken – so wie manch selbst ernannte Experten es immer wieder betonen – sondern eine für alle Distanzen! Probieren Sie es selbst aus, bevor Sie kruden Vorurteilen und Stammtischmeinungen über die Praxistauglichkeit von Elektroautos Glauben schenken – denn nur wer selbst schon mal für ein paar Tage ein Elektroauto gefahren hat, kann Gewissheit über Sinn oder Unsinn haben. Und noch eine zusätzliche Motivation für Unternehmer und Angestellte, die einen Firmenwagen fahren dürfen: Mein Mittelklasse-EV schlägt sich einerseits mit rund 50 % geringeren Kosten für unseren Verlag im Vergleich zu jenen des dieselgetriebenen Vorgängermodells zu Buche und lässt mich andererseits – und zwar durch den kompletten Entfall des Sachbezuges – Monat für Monat mit ein paar hundert Euro mehr auf meinem privaten Konto profitieren. Und wenn Sie selbst diese Argumente nicht überzeugen, dann lassen Sie mich noch eines festhalten: Das Fahren eines Elektroautos macht definitiv mehr Spaß als mit allen anderen (leistbaren) PKWs mit Verbrennungsmotoren – denn die Eigenschaft von Elektromotoren, das maximale Drehmoment stets zur Verfügung zu stellen, trägt ihren Teil zu meiner täglich gelebten Freude am Fahren konsequent und nachhaltig bei.

Ich wünsche Ihnen, liebe Leser, ein besinnliches Weihnachtsfest (hoffentlich) im Kreis Ihrer Familien, Gesundheit und vor allem auch die Erkenntnis, dass die Gemeinschaft in Zeiten der Epidemie über dem Individuum zu stehen hat!

Thomas Buchbauer

(Bild: www.i-magazin.com)

Thomas Buchbauer ist
Chefredakteur und Herausgeber von
i-Magazin und ecarandbike.com

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