Stillste Zeit anno 2021 …

#Lockdown4

von Moritz Hell
von Rudolfine Zachbauer-Zick Foto: © Pixabay

Jedes Jahr zum ersten Schneefall bekommt meine Freundin Renate (sie liebt Schnee und Winter über alles) von mir ein altes Kinderlied [T & M: Josef Karl] vorgesungen und gespielt:

Heut schneiberlts schon den ganzen Tag, i bleib heit net im Haus,

wann i nur an mein Schlitten denk, dann halt i´s neama aus.

Dann suach i glei im Keller um, da Schlitten, der muaß her!

Der geht so schnö ois wia da wöll, an bessern gibts koan mehr!

Dann steh i aufn Bergal ob´n und schrei glei: Aus der bahn!

An juchiza, dann spring i auf, ganz narrisch kimm i an!

Oft hängan ma de Schlitten z´samm, i lieg am erschtn drauf –

und bei da untan hoipern dann, da schmeißts uns alle auf!

Wia schad, dass so schnell finster wird, die Häuser ham scho Liacht!

Hiaz muaß i aber schleinigst hoam, damit ma nixi gschiacht.

Heuer ist mir – #Lockdown4 und Reminiszenz ans vergangene Jahr geschuldet – aufgefallen, wie viele aktuelle Bezüge dieses einfache alte Kinderlied zu unserem aktuellen #CORONA-Leben hat. Das Hochgefühl, wenn die Inzidenzen sinken, weil dann Lockerungen in Handel, Gastronomie, Clubszene, Kulturbetrieben, Dorffestln und nicht zuletzt bei privaten gemütlichen Zusammenkünften Hand in Hand gehen. Diese Vorfreude auf den ersten Großen Braunen, die Mélange, Espresso oder Café Latte im Schanigartl unseres Lieblingscafés. Das erste Essengehen mit unseren Liebsten, mit lange nicht gesehenen Freunden – wie übermütige kleine Kinder freuen wir uns drauf und nutzen die erstbeste Möglichkeit auch zum Turbo-Shoppen.

Wir sind 3G. Genesen. Geimpft. Getestet. Optimal auch noch: G’schneuzt. G’kampelt. G‘waschen. G’sund obendrein! QR-Codes kennen mittlerweile alle zwischen 9 und 99.

Wir gehen demonstrieren. Ja, wir. Weil bei den lautstarken Märschen durch unsere Städte wider Impfen, ja gar gegen jegliche Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie nicht nur rechtsrechter Narrensaum hervorgekrochen kommt, sondern viele unserer bislang vernünftigen Nachbarn, Freunde, Verwandte. Zum Teil erkennen wir sie nicht wieder. Sie vertrauen den bisherigen Informationsquellen wie dem österreichischen Rundfunk, der zur objektiven Berichterstattung sogar gesetzlich verpflichtet ist, nicht mehr und boykottieren dessen Informationsformate geradezu. Seriöse Wissenschaftler*innen werden ignoriert. Dafür holen sie sich nachweislich krude Theorien und Therapien auf freien Kanälen, Messenger-Plattformen und -gruppen, wo sich Berichte über „den Mann der Nichte der Friseurin der Nachbarin am Zweitwohnsitz“, der sich impfen ließ und 4 Wochen später mit COVID verstarb, zuhauf finden. Über die wahren Hintergründe einer entsprechenden Vorerkrankung des Mannes (oder anderer Beispielpersonen) wird dabei natürlich nicht mehr informiert. Trotz höchsten Werbebudgets hat es unsere Bundesregierung vergeigt, diese Menschen adäquat und von Anfang an umfassend aufzuklären, zu informieren, zu motivieren und mitzunehmen.

Als wäre diese so schmerzhafte Spaltung unserer Gesellschaft in »Geimpfte« versus »Ungeimpfte« noch nicht krass genug, tragen zwischenzeitlich eingestellte oder noch immer verzögerte Hilfszahlungen der eigens eingerichteten COFAG mit bis zu neun Monaten später noch immer nicht angewiesenen Fixkostenzuschüssen für Betriebe wie EPUs und KMUs das Ihre dazu bei. Die Großen haben es, wie meist, fein. Sie bekommen üppige Unterstützungen. So üppig, dass es transparent nirgends aufscheint und die Firmen in die Lage versetzt, in Pandemiezeit auch noch üppige Dividenden an ihre Stakeholder auszuzahlen, während Arbeitslosen bei 50 % Netto-Arbeitslosengeld noch die geringfügige Zuverdienstmöglichkeit in Höhe von € 460,66 monatlich geneidet wird. Die Kleinen bleiben wieder einmal über. Dagegen sollte einmal geschlossen demonstriert werden!

Die Teilmengen der diversen quer und tief durch alle Schichten laufenden Spaltungen sind bereits unübersichtlich. Wie wir aus diesem schlimmsten Bruch unseres Zusammenhaltes je wieder ohne bleibende Narben herauskommen können, nein – müssen! – entzieht sich meiner momentanen Vorstellungskraft.

Angesichts immer wieder neu auftretender Mutanten – jüngst B1.1.529 »OMIKRON« zieht sich die Pandemie von neuem hoch in die nächste Spiralschleife an Gefährdung, Anstieg der Inzidenzen, Belegung der Spitäler und gar ICU (Intensive Care Unit, Intensivstationen), Rückschrauben des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Alltages, Home Schooling, Distance Learning, Home Offices, #Lockdown5 bis ∞.

Mögen es die Familien schaffen, ohne Zwist und Spaltung unterm Christbaum friedlich und gesund miteinander Weihnachten zu feiern. Der symbolhafte Knabe ist uns ja bereits geboren, Mutter und Kind gesund. Das ist fein. Jetzt heißt es nur mehr, den Weisen aus dem Morgenlande – all unseren Fachärzt*innen, Virolog*innen und Epidemiolog*innen zu vertrauen und uns inklusive unserer Bundesregierung strikt an deren Erkenntnisse und Empfehlungen zu halten.

Dann, und nur dann, kann das Weihnachtswunder geschehen und wir dürfen mittels hoher Durchimpfungsrate und vernünftiger Kontaktgestaltung einen Abklang der Pandemie für 2022 erhoffen. Frohe Weihnachten, xund bleiben!

Herzlich, Ihre

Rudolfine Zachbauer-Zick
techART e.U.
Hetzendorfer Straße 103/2/19, 1120  Wien
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