Bei den Technology Talks Austria 2026 stand die Frage im Mittelpunkt, wie Europa seine wissenschaftliche Stärke rascher in technologische Führungsfähigkeit, industrielle Wertschöpfung und strategische Handlungsfähigkeit übersetzen kann. Die Konferenz fand am 10. und 11. September im direkten Anschluss an das Ffg-Forum statt und brachte laut Veranstaltern mehr als 1.000 Teilnehmende sowie 140 Speaker:innen zusammen.
Unter dem Titel „Empowering Europe: Technological Leadership for a Resilient Future“ wurden zentrale Herausforderungen für Forschung, Industrie und öffentliche Hand diskutiert. Dazu zählen beschleunigte Innovationsprozesse, resilientere Lieferketten, kritische Technologien, Dual-Use-Anwendungen sowie der Zugang zu Kapital, Energie, Rohstoffen und Vorprodukten.
Technologische Souveränität ohne Autarkie

Technology Talks Austria 2026: Mehr als 1.000 Teilnehmende erarbeiten Impulse für Europas technologische Führungsrolle. (Bild: Katharina Schiffl)
Ein wiederkehrender Punkt der Debatten war die Einordnung technologischer Souveränität. Gemeint sei nicht eine vollständige Abschottung Europas, sondern die Fähigkeit, bei kritischen Technologien selbstbestimmt entscheiden und handeln zu können. Dafür braucht es nach Einschätzung der Konferenzteilnehmenden Kompetenzen, industrielle Kapazitäten, Forschungsinfrastrukturen und belastbare internationale Partnerschaften.
Für technologieorientierte Branchen ist diese Diskussion unmittelbar relevant. Ob Halbleiter, Energietechnik, Automatisierung, digitale Infrastrukturen oder industrielle Schlüsseltechnologien: Viele Wertschöpfungsketten hängen von globalen Liefernetzwerken, Verfügbarkeit kritischer Komponenten und regulatorischen Rahmenbedingungen ab. Resilienz wurde daher nicht als nachträgliche Absicherung, sondern als Gestaltungsprinzip für technologische Systeme beschrieben.
Mehr Tempo bei Transfer und Skalierung
Ein zentrales Ergebnis der Konferenz war der Ruf nach mehr Geschwindigkeit. Europa verfüge über starke Forschung, innovative Start-ups und industrielle Kompetenz. Der Engpass liege jedoch häufig im Transfer in marktfähige Technologien, in der Skalierung erfolgreicher Lösungen und in langwierigen Entscheidungs- und Genehmigungsprozessen.
Die diskutierten Ansätze reichen von durchgängigen Transferpfaden zwischen Universitäten, außeruniversitärer Forschung, Start-ups und Industrie bis zu besseren Möglichkeiten für Demonstration, Erprobung und Skalierung. Auch Wachstumskapital wurde als kritischer Faktor genannt. Ein stärker integrierter europäischer Kapitalmarkt, mehr privates Wachstumskapital und attraktivere Exit-Möglichkeiten sollen dazu beitragen, dass technologieorientierte Unternehmen in Europa wachsen können.
Europa als gemeinsamer Technologiemarkt
Mehrere Beiträge betonten die Bedeutung eines europäischen Heimatmarkts für junge und etablierte Technologieunternehmen. Nationale Fragmentierung und regulatorische Hürden erschweren nach dieser Einschätzung eine rasche Skalierung. Strategische Investitionen müssten stärker europäisch koordiniert werden, insbesondere dort, wo wissenschaftliche Exzellenz, industrielle Stärke und strategische Relevanz zusammenkommen.
Damit verbunden ist auch die Frage, auf welche Technologiefelder Europa seine Ressourcen konzentrieren sollte. Die Konferenz setzte hier auf Fokussierung statt Breite: Europa müsse nicht in jeder Technologie weltweit führend sein, solle aber dort kritische Masse aufbauen, wo ein belastbarer industrieller und wissenschaftlicher Unterbau vorhanden ist.
Resiliente Infrastrukturen und Dual-Use-Technologien
Auf der Bühne diskutierten unter anderem Christian Ehler vom Eu-Parlament, Jo De Boeck von Imec, Marie-Agnes Strack-Zimmermann vom Eu-Parlament, Dominique Foray von Epfl Lausanne, Sabine Herlitschka von Infineon und der Industriellenvereinigung, Lars Reger von Nxp Semiconductors sowie Natalie Guichard von Eda. Themen waren resiliente Infrastrukturen, Innovationsökosysteme, industrielle Führungsfähigkeit, Dual-Use-Technologien und technologische Souveränität.
Besonders hervorgehoben wurde, dass kritische Infrastrukturen und technologische Systeme von Beginn an robust, anpassungsfähig und sicher konzipiert werden müssen. Dazu zählen diversifizierte Lieferketten ebenso wie ein verlässlicher Zugang zu kritischen Technologien. Bei Schlüsseltechnologien mit ziviler und sicherheitsrelevanter Nutzung soll Sicherheit im Sinne von „Security by Design“ frühzeitig mitgedacht werden.
FTI-Community als Träger der Konferenz
Veranstaltet werden die Technology Talks Austria vom AIT Austrian Institute of Technology in enger Kooperation mit dem Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, dem Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung, dem Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus, der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft und der Industriellenvereinigung.
Insgesamt waren nach Angaben der Veranstalter 48 Partner:innen aus der österreichischen Forschungs-, Technologie- und Innovationscommunity eingebunden. Das Programm umfasste zwei Keynotes, sechs Plenary Sessions, drei Jungforschenden-Events, zwölf Workshops und fünf Side Events. Ergänzt wurde es durch ein Get-together und eine Ausstellung mit zehn Ausstellenden.
Brigitte Bach, Sprecherin der Geschäftsführung des AIT Austrian Institute of Technology und Vorsitzende des Veranstaltungskuratoriums, betonte die Bedeutung der Zusammenarbeit entlang der Innovationskette: „Gemeinsam entwickeln wir hier konkrete Perspektiven für Europas technologische Zukunft.“ Andreas Kugi, Vorsitzender des Programm-Komitees und Scientific Director des AIT, verwies auf die Diskussion zentraler technologischer Entwicklungen und Zukunftsfragen.
Nächster Termin im September 2027
Die nächsten Technology Talks Austria sind für den 9. und 10. September 2027 angekündigt. Sie sollen erneut unmittelbar an das Ffg-Forum anschließen und im Wiener MuseumsQuartier stattfinden. Rückblicke, Fotos und sukzessive Workshop-Resümees stellt die Konferenz auf ihrer Website bereit.
Weitere Informationen finden Sie unter https://technologytalks.ait.ac.at/.
Quelle: AIT Austrian Institute of Technology