Der Dachverband Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) hat bei einem jüngsten Fachdialog zum Heizungstausch in Österreich zusätzliche politische Instrumente gefordert. Die bisherige Konzentration der Regierung auf Förderungen reiche nach Ansicht des Verbands nicht aus, um den Umstieg von Öl- und Gasheizungen zu beschleunigen. Fachleute aus Wissenschaft, Politik und Praxis diskutierten, wie Haushalte und die Heizungsbranche mehr Planungssicherheit erhalten können.
Warum reichen Förderungen laut EEÖ nicht aus?
Mit Wärmewende ist im österreichischen Gebäudesektor die Umstellung der Wärmeversorgung weg von fossilen Heizsystemen gemeint. Nach Angaben des EEÖ setzt die Regierung bislang ausschließlich auf Förderungen, um den Austausch von 1,3 Millionen fossilen Heizungen anzureizen. Wiederholte Unterbrechungen bei Förderungen hätten in der Vergangenheit jedoch Unsicherheit für Haushalte und die Heizungsbranche geschaffen. Der Verband verweist zudem darauf, dass jährlich weiterhin 30.000 neue Gasheizungen installiert werden. Deren technische Lebensdauer reicht weit über 2040 hinaus. Auch die Installation von Ölheizungen habe trotz einer akuten Preiskrise zugenommen.
Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin des EEÖ, begründet die Forderung nach zusätzlichen Maßnahmen mit den Erfahrungen der vergangenen Jahre: „Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt: Förderungen allein führen nicht zum Ziel“ Politische Instrumente müssten aus ihrer Sicht Transparenz und Planungssicherheit schaffen und Haushalte vor Fehlentscheidungen bei Investitionen schützen.
Welche Instrumente wurden neben Förderungen diskutiert?
Beim Fachdialog standen langfristig ausgerichtete Förderungen, ein klarer Ausstiegspfad, Mindeststandards, Informations- und Beratungsangebote sowie Maßnahmen zur sozialen Abfederung zur Debatte. Der EEÖ fordert damit keinen Verzicht auf finanzielle Unterstützung, sondern einen breiteren Rahmen für den Heizungstausch. Ein Ausstiegspfad soll nach Vorstellung des Verbands Klarheit für Verbraucherinnen und Verbraucher schaffen; verlässliche Bedingungen sind auch für Investitionsentscheidungen in der Heizungsbranche relevant.
Fabian Muralter vom Schweizer Wirtschaftsforschungsinstitut Prognos verwies auf Ansätze in Schweden, Finnland und Frankreich. Sein Schluss aus den internationalen Beispielen: „Internationale Erfahrungen zeigen, dass Förderungen eine wichtige Voraussetzung für die Wärmewende sind, langfristige Transformationen jedoch meist auf einem breiteren Instrumentenmix beruhen.“ Welche Maßnahmen sich für Österreich eignen, war Gegenstand der Diskussion.
Wie lässt sich der Heizungstausch finanzieren?
Wohnbauforscherin Eva Bauer ordnete die Kosten der Umstellung im Wohnbereich ein. Sanierung und Modernisierung von Heizsystemen seien grundsätzlich keine ungewöhnlichen Ausgaben; ein wesentlicher Teil der Kosten falle unabhängig vom Wechsel zu klimafreundlichem Heizen an. Bestehende Fördermöglichkeiten von Bund und Ländern könnten mit Anpassungen helfen, finanzielle Hürden zu überwinden. Entscheidend sei dabei, die Instrumente mittel- bis langfristig verlässlich auszurichten.
„Die Wärmewende im Wohnbereich ist in finanzieller Hinsicht bewältigbar.“ Mit dieser Einschätzung verbindet Bauer keinen Verzicht auf Unterstützung: Bewährte Finanzierungs- und Förderungsinstrumente stünden zur Verfügung, müssten aber gegebenenfalls angepasst werden.
Ein Zeitplan soll Maßnahmen und Wirkung verbinden
Michael Aumer vom Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus sprach sich dafür aus, die Rahmenbedingungen als kohärentes Gesamtpaket an den bestehenden Zielsetzungen auszurichten. Aus Sicht der Verwaltung brauche es eine zeitliche Perspektive und Klarheit darüber, bis wann welche Maßnahme welche Wirkung erzielen soll. Ein solcher Rahmen würde nach Aumers Einschätzung auch dem Markt ein deutliches Signal geben.
Häufig gestellte Fragen
Warum hält der EEÖ Förderungen allein für unzureichend?
Nach Ansicht des EEÖ haben wiederholte Unterbrechungen bei Förderungen Unsicherheit für Haushalte und die Heizungsbranche geschaffen. Der Verband verweist außerdem darauf, dass weiterhin jährlich 30.000 neue Gasheizungen installiert werden.
Welche Instrumente wurden beim Fachdialog zusätzlich zu Förderungen diskutiert?
Diskutiert wurden ein klarer Ausstiegspfad, Mindeststandards, Informations- und Beratungsangebote sowie Maßnahmen zur sozialen Abfederung. Auch langfristig ausgerichtete Förderungen waren Thema.
Wie ordnet der Artikel die Finanzierung des Heizungstauschs ein?
Wohnbauforscherin Eva Bauer hält die Wärmewende im Wohnbereich finanziell für bewältigbar. Bestehende Fördermöglichkeiten von Bund und Ländern könnten mit Anpassungen helfen, finanzielle Hürden zu überwinden.
Weitere Informationen finden Sie unter www.erneuerbare-energie.at.
Quelle: Erneuerbare Energie Österreich | OTS