GridPulse-Pilotprojekt im österreichischen Übertragungsnetz:

Witterungsabhängiger Freileitungsbetrieb: APG testet neue Sensoren

von Julia Petz
Foto: © APG /Siemens Energy

Austrian Power Grid (APG) will im Oktober 2026 neue GridPulse-Sensoren von Siemens Energy an Freileitungen installieren. Mit dem Pilotprojekt im österreichischen Übertragungsnetz soll die verfügbare Übertragungskapazität genauer bestimmt werden. APG erwartet erste Ergebnisse 2027. Der Versuch baut auf dem witterungsabhängigen Freileitungsbetrieb auf, den der Netzbetreiber bereits seit 2013 einsetzt. Er ist kein Starttermin für dessen regulären Einsatz.

Begleitbild zum GridPulse-Pilotprojekt von APG

Sensor von Siemens Energy. (Bild: APG / Siemens Energy)

Wetter und Leitungszustand bestimmen die Kapazität

Beim witterungsabhängigen Freileitungsbetrieb (WAFB) wird die Übertragungskapazität von Freileitungen anhand aktueller Wetterdaten und Messwerte von Sensoren laufend ermittelt und an die jeweiligen Bedingungen angepasst. Sensoren liefern dafür Daten vom Betrieb der Leitung und ihrer Umgebung. Aus diesen Informationen lässt sich berechnen, wie viel Übertragungskapazität aktuell verfügbar ist.

Entscheidend sind die Temperatur und der Durchhang der Leiterseile. APG-Vorstandssprecher Gerhard Christiner beschreibt die technische Grenze so: „Der begrenzende Faktor für die maximale Übertragungsleistung über eine Hochspannungsleitung ist die Seiltemperatur und der Durchhang der Leiterseile.“ Niedrige Lufttemperaturen und starker Wind kühlen die Seile. Unter solchen Bedingungen kann mehr Strom über eine Leitung fließen als bei sommerlicher Windstille. Die mögliche Auslastung ist damit nicht unter allen Wetterbedingungen gleich.

APG nutzt das Verfahren bereits auf einem Teil seiner Leitungen

Rund 25 Prozent der APG-Leitungen werden nach Angaben des Netzbetreibers bereits im WAFB betrieben. APG setzt das Verfahren vor allem auf stark ausgelasteten Leitungen ein, bei denen wiederholt hohe Kosten für das Engpassmanagement entstehen. Die Angabe bezieht sich auf den bestehenden Betrieb, nicht auf das geplante GridPulse-Pilotprojekt.

Nach Angaben von Christiner kann die Momentanauslastung der Übertragungskapazität durch den bisherigen Einsatz des Verfahrens um bis zu 50 Prozent steigen. APG beziffert die bislang erzielten Einsparungen auf einen Betrag im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Auch diese Zahlen beschreiben den bisherigen WAFB-Einsatz; Ergebnisse der neuen Sensoren liegen noch nicht vor.

Der Handlungsdruck reicht über einzelne Leitungen hinaus: Bei APG liegen Netzzugangsanfragen in einer Größenordnung von 40.000 MW vor. Der Netzbetreiber sieht deshalb neben der besseren Nutzung vorhandener Leitungen weiterhin Bedarf für einen gezielten Netzausbau. Seine Vorgehensweise bezeichnet APG als NOVA-Prinzip – Netzoptimierung vor Ausbau.

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GridPulse soll ein genaueres Bild der Leitung liefern

Im Pilotprojekt erprobt APG eine neue Generation von GridPulse-Sensoren von Siemens Energy. Die Sensoren sollen Wetter-, Umgebungs- und Betriebsdaten in Echtzeit erfassen. Zusammen mit digitalen Analysen soll das ein genaueres Bild des Leitungszustands ermöglichen. Ob und in welchem Umfang sich daraus zusätzliche nutzbare Kapazität ergibt, ist Gegenstand des Versuchs.

Aleš Prešern, Managing Director Austria and Slovenia von Siemens Energy, verweist auf die präzisere Bestimmung der tatsächlich verfügbaren Übertragungskapazität als Ziel der Technik. Für den Netzbetrieb ist dabei nicht allein ein höherer möglicher Stromtransport relevant: Die laufende Ermittlung muss auch abbilden, wie sich die Bedingungen an der Freileitung verändern. Konkrete Messergebnisse für die GridPulse-Sensoren nennt APG bislang nicht.

Drohnenmontage soll Abschaltungen vermeiden
Begleitbild zur geplanten Installation von Freileitungssensoren

Aleš Prešern, Managing Director Austria and Slovenia von Siemens Energy und APG-Vorstandssprecher Gerhard Christiner.(Bild: APG / Martina Kukulka)

Die neue Sensorgeneration ist laut APG leichter und kann per Drohne am Leiterseil angebracht werden. Eine Abschaltung der Leitung soll für die Montage nicht erforderlich sein. Das ist für den Netzbetreiber ein organisatorischer Vorteil: Abschaltungen müssen nach Angaben von Christiner international und mit erheblichem zeitlichem Vorlauf koordiniert werden.

Christiner begründet das auch mit den knappen Reserven im überregionalen Stromsystem. Kapazitäten, die früher für solche Maßnahmen verfügbar waren, seien heute nahezu vollständig ausgeschöpft. Die Montage ohne Abschaltung betrifft zunächst die Installation der Sensoren; über deren Beitrag zur Kapazitätsbestimmung sollen erst die Daten aus dem Pilotbetrieb Aufschluss geben.

Gesetzliche Regeln betreffen die Optimierung bestehender Netze

Das ElWG verankert den witterungsabhängigen Freileitungsbetrieb erstmals als Betriebszustand zur Steigerung der Strombelastbarkeit einer Leitungsanlage. Für Maßnahmen zur Optimierung bestehender Netze soll das EABG nach Darstellung von Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner die Umsetzung beschleunigen. Sie beschreibt den vorgesehenen Wechsel bei Genehmigungen so: „Wo heute noch langwierige Genehmigungsverfahren notwendig sind, reicht künftig in vielen Fällen eine Anzeige.“

Zehetner verweist außerdem auf die Reformpartnerschaft: Die regulatorischen Rahmenbedingungen sollen Investitionen in die bessere Nutzung bestehender Netze stärker berücksichtigen. APG betont zugleich, dass Netzoptimierung den weiteren Ausbau nicht ersetzt. Für das GridPulse-Pilotprojekt sind die nächsten konkreten Schritte die Installation im Oktober 2026 und die Auswertung erster Ergebnisse im Jahr 2027.

Häufig gestellte Fragen

Wie wird die Übertragungskapazität beim witterungsabhängigen Freileitungsbetrieb bestimmt?

Sie wird anhand aktueller Wetterdaten und Messwerte von Sensoren laufend ermittelt und an die jeweiligen Bedingungen angepasst. Entscheidend sind insbesondere die Temperatur und der Durchhang der Leiterseile.

Ist das GridPulse-Pilotprojekt der Beginn des regulären witterungsabhängigen Freileitungsbetriebs bei APG?

Nein. APG setzt den witterungsabhängigen Freileitungsbetrieb bereits seit 2013 ein. Nach Angaben des Netzbetreibers werden rund 25 Prozent seiner Leitungen auf diese Weise betrieben.

Wann werden Ergebnisse des GridPulse-Pilotprojekts erwartet?

APG will die Sensoren im Oktober 2026 installieren und erwartet erste Ergebnisse im Jahr 2027.

Weitere Informationen finden Sie unter www.apg.at.

Quelle: OTS| APG

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