Krisen führen zu Verschärfung der Lieferprobleme:

Eine Krise kommt selten allein

von David Lodahl
Foto: © Pixabay

Die Klimakrise werden wir so schnell nicht los. Doch damit nicht genug … Kaum, dass wir die Finanz- und die Bankenkrise hinter uns gelassen hatten, wurde die Menschheit von einer Gesundheitskrise gegeißelt. Ihr folgte eine Rohstoff- und schließlich die Lieferkettenkrise. Jetzt wird die Weltwirtschaft mit einer neuen, völlig unerwarteten Situation konfrontiert: China hat nun auch noch mit einer Energiekrise zu kämpfen. Genauer gesagt: Dem Reich der Mitte geht der Strom aus. Die Folgen zeichnen sich bereits ab: Wie Brancheninsider dem i-Magazin berichteten, machen erste Schreiben von Herstellern die Runde, die ihre Ware aus China beziehen, in denen Kunden darauf hingewiesen werden, dass es in Q1 des nächsten Jahres zu einer weiteren Verschärfung der Lieferprobleme kommen wird. Viele Fertigungen stehen einfach still. Betroffen vom Herunterfahren der Produktionslinien sind auch namhafte Anbieter von Photovoltaikmodulen – womit sich der Kreis schließt. Denn ohne Photovoltaik werden wir die Klimakrise nicht meistern, selbst wenn der Fördertopf für PV im nächsten Jahr dann doch irgendwann geöffnet wird.

Anders als bei der Rohstoff- und der Lieferkettenthematik, bei der niemand die tatsächliche Ursache nennen kann, weshalb wir in einem derartigen Schlammassel stecken, ist der Grund für die kritische Strom-Versorgungslage in China aber letztlich doch kein Geheimnis. Laut ZDF-Börsenexperte Frank Bethmann in der Sendung vom 13.10.2021 muss China den Stromverbrauch um 3 % reduzieren, um die Klimaziele zu erreichen – immerhin will die Großmacht bis zum Jahr 2060 klimaneutral werden. Erschwerend kommt der stark gestiegene Gas- und Kohlepreis hinzu. Laut ZDF sollen die Kraftwerksbetreiber Chinas verlautbart haben, dass es sich unter diesen Bedingungen nicht mehr rechne, Strom zu produzieren. Schließlich sind die Strompreise staatlich gedeckelt. Also nicht nur, dass es derzeit zu einem heillosen Stau der Containerschiffe in den größten Häfen der Welt kommt, jetzt haben wir es auch noch mit der größten Wirtschaftsmacht zu tun, die bei Vollgas die Handbremse zieht.

„Was kümmert es uns, wenn in China ein Sack Reis umfällt“ – wer diesen Satz heute noch zitiert, liegt mittlerweile völlig daneben. Denn speziell die jüngste Vergangenheit hat gezeigt, dass es uns kümmern muss, wenn der sprichwörtliche Sack Reis in China nur zu wackeln beginnt.

Ich würde Sie gerne über Positiveres als über eine weitere Krise informieren – zu viele negative Schlagzeilen mussten wir in den letzten Jahren über uns ergehen lassen. Trotzdem ist es wichtiger denn je, am Laufenden zu bleiben. Schließlich wollen wir in der Lage sein, die Situation abzuwägen zu können, um die Grundlage für eigene Entscheidungen treffen zu können. Aber vielleicht versöhnt Sie ja folgendes Zitat einer Person, die immer häufiger im Mittelpunkt der Berichterstattungen steht. Sie rief Länder auf der ganzen Welt dazu auf, sich zusammenzuschließen und eine neue Phase der Entwicklung der Menschheit auf hohem Niveau zu beginnen. Die Entwicklung der sogenannten »ökologischen Zivilisation« sollte als Leitfaden für die Koordinierung der Beziehungen zwischen Mensch und Natur dienen. Die Aktivitäten der Menschen müssen die Grenzen von Ökologie und Umwelt respektieren. Sie rief auch dazu auf, die Bemühungen der Menschen um eine globale nachhaltige Entwicklung durch einen ökologischen Wandel zu fördern, die internationale Zusammenarbeit in Sachen Umweltschutz zu verstärken, damit alle Länder Zugang zu den Vorteilen einer grünen Entwicklung haben.

Es war nicht Greta Thunberg, die sich der Weiterentwicklung der Menschheit verschrieben hat – es war vielmehr der chinesische Präsident Xi Jinping, der per Videolink beim Gipfel der Staats- und Regierungschefs der COP15 derart Revolutionäres sprach. In Anbetracht dieser Worte aus dem Mund des mächtigsten Mannes der Welt, auf deren Motivation ich in meinem Beitrag »Klimaschutz ist ein Menschenrecht …« auf Seite X näher eingehe, möchte ich doch noch abschließend eines mutmaßen: Vielleicht haben wir ja doch noch eine Chance, der Klimakrise zu entkommen …

Thomas Buchbauer

Bild: www.i-magazin.com

Thomas Buchbauer ist
Chefredakteur und Herausgeber von
i-Magazin und ecarandbike.com.

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