Google-Rechenzentrum in Kronstorf:

Google frisst unseren Strom – ist das so?

von Laura Peichl
von Thomas Buchbauer – Recherche, Konzept und Kuration Foto: © www.i-magazin.at | KI-generiert

Das geplante Google-Rechenzentrum in Kronstorf könnte im Endausbau eine Anschlussleistung von 500 Megawatt erreichen. Der WWF warnt vor einem möglichen Stromverbrauch von 4,4 Terawattstunden und fordert eine umfassende Umweltprüfung. Die Dimension ist gewaltig. Doch rechtfertigt eine rechnerische Obergrenze bereits die Aufregung, die das Projekt ausgelöst hat?

4,4 Terawattstunden Aufregung

4,4 Terawattstunden. Eine Zahl, groß genug, um jeden Oberösterreicher aus Protest die Kühlschranktür offen stehen zu lassen. Fast ein Drittel des Stromverbrauchs eines ganzen Bundeslandes soll künftig in einem einzigen Rechenzentrum verschwinden. Da fehlt eigentlich nur noch die Schlagzeile: Google schaltet Oberösterreich das Licht aus.

Aber stimmt dieses Bild?

Die Zahl stammt nicht aus einer Verbrauchsabrechnung. Sie ist auch keine von Google veröffentlichte Prognose über den tatsächlich zu erwartenden Strombezug. Sie ergibt sich zunächst aus einer einfachen Rechnung: 500 Megawatt mögliche Anschlussleistung, multipliziert mit 8.760 Stunden eines Jahres, ergeben 4,38 Terawattstunden.

Das wäre der Verbrauch, wenn der mögliche Vollausbau während jeder einzelnen Stunde des Jahres die gesamte Anschlussleistung beanspruchen würde.

Möglich? Ja.

Bereits gebaut und tatsächlich verbraucht? Nein.

Für das geplante Rechenzentrum ist von Ausbaustufen mit 150 beziehungsweise bis zu 500 Megawatt Anschlussleistung die Rede. Würden 150 Megawatt ganzjährig vollständig beansprucht, ergäbe sich ein rechnerischer Maximalverbrauch von rund 1,31 Terawattstunden. Bei 500 Megawatt wären es die vielzitierten 4,38 beziehungsweise gerundet 4,4 Terawattstunden.

Auch 150 Megawatt sind keine Kleinigkeit. Aber Anschlussleistung und tatsächlicher Verbrauch sind eben nicht dasselbe. Genauso wenig, wie der 300-km/h-Tacho eines Autos beweist, dass sein Besitzer an 365 Tagen im Jahr mit 300 km/h über die Autobahn fährt.

Die Fragen des WWF sind berechtigt

Der WWF fordert einen eigenen UVP-Tatbestand für große Rechenzentren und eine gemeinsame Beurteilung aller geplanten Ausbaustufen. Geprüft werden sollen Strom- und Wasserbedarf, Bodenversiegelung, Abwärme, Verkehr, Lärm und Netzbelastung. Außerdem müsse geklärt werden, welche zusätzliche Infrastruktur benötigt wird und welche Folgen das Projekt für Natur und Allgemeinheit hat.

Was an der Forderung nach einer vollständigen Prüfung überzogen sein soll, erschließt sich mir nicht.

Eine Umweltverträglichkeitsprüfung ist schließlich kein Berufsverbot für Server. Sie ist auch kein automatisches Nein zu einem Projekt. Sie zwingt Projektwerber und Behörden dazu, die Auswirkungen eines Vorhabens gemeinsam zu betrachten, offenzulegen und unter Beteiligung der Öffentlichkeit zu bewerten.

Es wirkt zumindest erklärungsbedürftig, wenn Kraftwerke, Industrieanlagen oder andere Infrastrukturprojekte umfangreiche Prüfungen durchlaufen, ein Rechenzentrum mit der möglichen Anschlussleistung mehrerer großer Industriebetriebe aber nicht als eigene Vorhabenskategorie im UVP-Gesetz vorkommt.

Hier darf und soll der Gesetzgeber nachschärfen.

Haber bleibt gelassen

Umso bemerkenswerter ist die Reaktion von Dr. Alfons Haber, Vorstand der E-Control vor dem i-Magazin-Mikro. Er sieht die Stromversorgung durch das Rechenzentrum auch bei einem Endausbau auf 500 Megawatt nicht grundsätzlich gefährdet.

Die Anschlussmöglichkeiten seien in Oberösterreich vorhanden. Auch Verbraucher mit einem Jahresbedarf von mehr als einer Terawattstunde seien in den Versorgungssicherheitsszenarien berücksichtigt. Energetisch seien solche Mengen ebenso darstellbar wie der Netzanschluss leistungsmäßig.

Haber sagt damit nicht, dass Wasserverbrauch, Bodenversiegelung oder Abwärme bedeutungslos wären. Er sagt: Das Stromsystem kann einen solchen Verbraucher grundsätzlich anschließen und versorgen.

Das ist ein Unterschied.

Der WWF spricht über Umweltrecht, Transparenz und Naturbelastung. Haber spricht über Netzanschluss, Erzeugung und Versorgungssicherheit. Beide können gleichzeitig recht haben.

Ein Projekt kann technisch machbar sein und trotzdem strengere Umweltauflagen benötigen. Eine UVP wäre daher auch keine Widerlegung Habers, sondern die Ergänzung seiner netztechnischen Einschätzung um ökologische, gesellschaftliche und räumliche Fragen.

Genau diese Differenzierung fehlt in der derzeitigen Debatte erstaunlich oft.

Server verschwinden nicht, wenn wir sie nicht sehen

Nun kann man natürlich fordern, Google solle sein Rechenzentrum eben woanders bauen. Dann wäre zumindest die österreichische Stromstatistik wieder hübscher.

Nur: Unsere Suchanfragen, Videos, Cloud-Anwendungen und KI-Werkzeuge verschwinden dadurch nicht. Die dazu notwendigen Berechnungen finden dann schlicht in einem anderen Land statt. Digitalisierung benötigt Infrastruktur. Und je stärker künstliche Intelligenz in Wirtschaft, Verwaltung und Alltag Einzug hält, desto größer wird der Bedarf an Rechenleistung.

Die Frage lautet deshalb nicht nur, ob solche Rechenzentren entstehen. Die Frage lautet auch, wo, unter welchen Regeln und mit welchem Nutzen für den Standort.

Google kündigt im Press Corner für Kronstorf rund 100 direkte Arbeitsplätze nach Fertigstellung der Anlage an. Während der Bauphase sowie bei Lieferanten und regionalen Unternehmen sollen nach Darstellung des Konzerns weitere Beschäftigungseffekte entstehen. Dabei handelt es sich allerdings zunächst um Unternehmensangaben und noch nicht um eine überprüfbare regionalwirtschaftliche Bilanz.

Das Land Oberösterreich erwartet sich vom Projekt eine Stärkung der digitalen Infrastruktur sowie zusätzliche Impulse für seine KI- und Innovationsstrategie.

Das sind mögliche reale Vorteile. Ein international relevanter Digitalstandort kann Fachkräfte anziehen, technisches Know-how aufbauen, regionale Unternehmen einbinden und Österreich stärker in die europäische Infrastruktur für Cloud- und KI-Dienste integrieren.

Garantiert ist davon allerdings noch wenig. Denn zwischen einer angekündigten Wirkung und einer tatsächlich in der Region ankommenden Wertschöpfung liegt bekanntlich ein ziemlich breiter Datenstrom.

Die Energieeffizienz gehört ebenfalls zur Wahrheit

Zur vollständigen Einordnung gehört auch, wie Google seine Rechenzentren betreibt.

Das Unternehmen sagt dazu:

Google betreibt die energieeffizientesten Rechenzentren der Welt, mit dem Ziel, jede Stunde jeden Tag mit 24/7 CO₂-freier Energie – Carbon-Free Energy, kurz CFE – in jedem Netz zu laufen, in dem es tätig ist.

Google verfolgt damit nach eigenen Angaben das Ziel, den Strombedarf seiner Aktivitäten nicht nur über das Jahr bilanziell mit CO₂-freier Energie auszugleichen. Die benötigte Energiemenge soll möglichst in jeder Stunde und in jedem Netzgebiet durch CO₂-freie Erzeugung gedeckt werden.

Das geht weiter als der klassische Einkauf von Herkunftsnachweisen. Es macht schließlich einen Unterschied, ob ein Rechenzentrum seinen Verbrauch über zwölf Monate rechnerisch grün einfärbt oder ob auch in einer windstillen Winternacht ausreichend CO₂-freie Energie im jeweiligen Netz verfügbar ist.

Googles Effizienz und sein 24/7-CFE-Anspruch sind daher ernst zu nehmen. Sie sind aber kein Freibrief. Auch das effizienteste Rechenzentrum benötigt bei entsprechend großer Rechenleistung sehr viel Strom.

Effizienz beantwortet die Frage, wie sparsam eine bestimmte Rechenleistung erbracht wird. Sie beantwortet nicht automatisch, wie groß diese Rechenleistung insgesamt sein soll, woher der zusätzliche Strom kommt und welche Auswirkungen der Verbrauch auf das regionale Energiesystem hat.

Bereit ist noch lange nicht genutzt

Besonders deutlich wird das bei der Abwärme. Google erklärt, das Rechenzentrum werde technisch für eine externe Wärmenutzung vorbereitet. Sobald ein geeigneter Abnehmer gefunden sei, könne die Wärme geeigneten Partnern kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Die Anlage soll zudem ein begrüntes Dach mit Photovoltaikmodulen erhalten.

Das klingt vernünftig. Aber „für Abwärmenutzung vorbereitet“ bedeutet noch nicht, dass ein einziges Haus damit beheizt wird.

Dazu braucht es einen Abnehmer, Leitungen, Wärmepumpen, Investoren, Verträge und ein wirtschaftlich tragfähiges Wärmekonzept. Es muss geklärt werden, welche Temperaturen und Wärmemengen ganzjährig zur Verfügung stehen, wer die Infrastruktur errichtet und wer sie finanziert.

Erst dann wird aus einer technischen Möglichkeit ein Nutzen für die Region.

Ähnliches gilt für die Photovoltaikanlagen. Sie sind sinnvoll. Angesichts eines möglichen Strombedarfs im Terawattstundenbereich wird ihr Anteil am Gesamtbedarf aber zwangsläufig begrenzt bleiben. Ein begrüntes Dach ist gut. Es ersetzt nur keine Energiepolitik.

Auch die Flexibilität des Rechenzentrums gehört auf den Tisch. Können Rechenprozesse in Zeiten mit einem hohen Angebot an erneuerbarem Strom verlagert werden? Kann das Rechenzentrum seine Last bei Netzengpässen vorübergehend reduzieren? Werden Batteriespeicher oder andere Reservekapazitäten netzdienlich eingesetzt?

Ein großer Stromverbraucher muss nicht zwangsläufig nur Belastung sein. Er kann bei entsprechender Steuerbarkeit auch Teil der Lösung werden. Voraussetzung ist, dass Flexibilität nicht bloß in einer Nachhaltigkeitsbroschüre vorkommt, sondern dem Stromsystem tatsächlich zur Verfügung steht.

Ein Fonds für die Enns

Google kündigt für Kronstorf außerdem eine direkte Umweltmaßnahme außerhalb des Rechenzentrums an. Gemeinsam mit dem Oberösterreichischen Fischereiverband richtet das Unternehmen einen Fonds ein, mit dem das Wasserökosystem der lokalen Enns verbessert werden soll.

Nach Angaben des Unternehmens sollen damit Maßnahmen unterstützt werden, die den Lebensraum der Fische in der Enns nachhaltig gestalten und verbessern. Google stellt den Fonds in den Zusammenhang mit seinem weltweiten Ziel, bis 2030 mehr Süßwasser zurückzuführen beziehungsweise wiederaufzufüllen, als das Unternehmen verbraucht.

Das ist mehr als ein begrüntes Dach. Es kann für die Region tatsächlich ökologische Wirkung entfalten.

Aber auch hier muss die journalistische Nachfrage erlaubt sein: Wie hoch ist der Fonds dotiert? Über welchen Zeitraum läuft er? Welche konkreten Projekte werden finanziert? Wer entscheidet über die Mittel? Wie werden die Ergebnisse gemessen und veröffentlicht?

Ein Fonds ist dann besonders glaubwürdig, wenn nicht nur seine Einrichtung, sondern auch seine Wirkung transparent wird.

Und er darf nicht mit dem Wasserverbrauch des Rechenzentrums verrechnet werden. Die Verbesserung eines Flussökosystems ist wertvoll. Sie ersetzt aber nicht die Notwendigkeit, Wasserentnahme, Kühltechnik, Verbrauch und Rückleitung der Anlage selbst offenzulegen.

Ein Informationszentrum für die Region

Google hat offenbar erkannt, dass ein Rechenzentrum dieser Größenordnung nicht nur Stromleitungen, sondern auch Gesprächsleitungen braucht.

Derzeit entwickelt das Unternehmen in Kronstorf ein Informationszentrum. Dort sollen die Bevölkerung und die Menschen aus der weiteren Region über digitale Infrastruktur, deren Beitrag zur österreichischen Gesellschaft und Wirtschaft sowie über Googles Nachhaltigkeitsmaßnahmen diskutieren und mehr darüber erfahren können.

Grundsätzlich ist das zu begrüßen.

Ein solches Zentrum kann sichtbar machen, was sich hinter den weitgehend fensterlosen Gebäuden eines Rechenzentrums eigentlich abspielt. Es kann erklären, wofür die Rechenleistung benötigt wird, welche Berufe dort entstehen, wie Kühlung und Stromversorgung funktionieren und welche Maßnahmen zur Nutzung von Abwärme oder zum Schutz der Enns gesetzt werden.

Entscheidend wird allerdings sein, was Google unter „diskutieren“ versteht.

Wird das Informationszentrum ein Ausstellungsraum mit freundlichen Schautafeln und einem Bildschirm, auf dem grüne Datenströme durch Oberösterreich fließen? Oder entsteht dort tatsächlich ein Ort, an dem auch kritische Fragen gestellt und beantwortet werden können?

Die Menschen wollen nicht nur erfahren, welchen Beitrag das Rechenzentrum nach Ansicht von Google zur Gesellschaft leistet. Sie wollen auch wissen, wie hoch sein realer Strom- und Wasserbedarf ist, wer den Netzausbau bezahlt, was bei Engpässen geschieht und wie viel Wertschöpfung tatsächlich in der Region bleibt.

Ein Informationszentrum kann Vertrauen schaffen. Aber nur dann, wenn Information nicht mit Präsentation verwechselt wird.

Was wir wissen sollten

Bevor wir uns entscheiden, ob Kronstorf ein Zukunftsprojekt oder ein überdimensionierter Ressourcenfresser ist, fehlen noch einige Antworten.

Wie viel Strom wird jede Ausbaustufe realistisch verbrauchen? Wie hoch ist die erwartete Auslastung? Welcher Effizienzwert wird für den österreichischen Standort angestrebt? Wie soll das 24/7-CFE-Ziel in Österreich konkret umgesetzt werden? Werden dafür neue erneuerbare Erzeugungsanlagen errichtet oder bereits vorhandene Strommengen bilanziell zugeordnet?

Wer bezahlt den Netzanschluss und allfällige Netzverstärkungen? Wie viel Wasser wird entnommen, verbraucht und zurückgeleitet? Mit welcher Temperatur? Wer nutzt die Abwärme? Kann Google bei Netzengpässen seine Leistung reduzieren? Wie hoch ist der Fonds für die Enns dotiert? Und welche regionale Wertschöpfung bleibt nach der Bauphase tatsächlich übrig?

Das sind keine technikfeindlichen Fragen. Es sind jene Fragen, die man bei einem Infrastrukturprojekt dieser Größenordnung stellen muss.

Die Europäische Union verpflichtet Rechenzentren mit einem Leistungsbedarf von mehr als 500 Kilowatt bereits zur Meldung von Energie- und Nachhaltigkeitsdaten. Erfasst werden sollen unter anderem Energieeffizienz, Wasserfußabdruck, saubere Energie, Abwärmenutzung und künftig auch Flexibilität.

Damit ist klar: Die Zeit, in der Rechenzentren lediglich als große Hallen mit besonders vielen Steckdosen betrachtet werden konnten, ist vorbei.

Warum also diese Aufregung?

Weil 4,4 Terawattstunden nach sehr viel klingen.

Weil sie sehr viel sind.

Weil Google bisher keinen realistisch erwarteten Jahresverbrauch für den möglichen Endausbau veröffentlicht hat. Weil mehrere Ausbaustufen im Raum stehen. Und weil bei Großprojekten häufig das Gefühl entsteht, die Bevölkerung werde erst dann umfassend informiert, wenn Bagger und Entscheidungen längst unterwegs sind.

Daraus entsteht schnell ein einfaches Bild: Ein amerikanischer Konzern kommt, nimmt unseren Strom, unser Wasser und unseren Boden – und die Allgemeinheit bezahlt die Rechnung.

Teile dieses Bildes könnten sich als richtig erweisen. Andere sind bisher nicht belegt. Wieder andere ließen sich durch klare Verträge, transparente Auflagen und eine nachvollziehbare Kostenverteilung verhindern.

Genau deshalb braucht es Transparenz statt Schlagworte.

Auch wir Medien müssen genauer hinsehen

Wir Medien sollten uns dabei an der eigenen Nase nehmen.

Haben wir vor der großen Schlagzeile ausreichend mit Netztechnikern, Energiemarktfachleuten, Gewässerökologen und Raumplanern gesprochen? Haben wir Anschlussleistung und tatsächlichen Verbrauch erklärt? Haben wir zwischen der derzeitigen Ausbaustufe und einem möglichen Vollausbau unterschieden?

Oder war „ein Drittel des Stromverbrauchs von Oberösterreich“ einfach zu verlockend, um die Zahl noch mit lästiger Einordnung zu belasten?

Die Frage ist nicht, ob Publikumsmedien über mögliche Umweltfolgen berichten sollen. Natürlich sollen sie das. Es ist ihre Aufgabe.

Aber bevor Millionen Menschen der Eindruck vermittelt wird, das oberösterreichische Stromsystem stehe kurz vor dem Zusammenbruch, könnte man mit jenen reden, die es planen, betreiben und beaufsichtigen.

Und umgekehrt sollten Netzbetreiber, Politik und Google nicht erst dann ausführlich erklären, was sie vorhaben, wenn die Empörung längst da ist.

Das geplante Informationszentrum kann dabei helfen. Es wird aber nur dann mehr als ein Kommunikationsinstrument sein, wenn Google dort auch jene Fragen beantwortet, deren Antworten möglicherweise weniger gut auf eine Schautafel passen.

Journalismus hat nicht die Aufgabe, Aufregung zu verhindern. Er sollte aber dafür sorgen, dass wir uns zumindest über dieselben Tatsachen aufregen.

Wenn aus fehlender Erklärung Misstrauen wird

Kein Mensch wechselt wegen eines Rechenzentrums automatisch das politische Lager. So simpel funktioniert Demokratie nicht.

Aber wenn Menschen wiederholt das Gefühl bekommen, Politik, Konzerne und Medien würden ihnen nur die halbe Geschichte erzählen, wächst der Gedanke: Das lassen wir uns nicht mehr gefallen.

Dann werden jene politischen Kräfte attraktiv, die versprechen, den gesamten Tisch umzuwerfen. Nicht unbedingt, weil ihre Wählerinnen und Wähler jede ihrer Positionen teilen. Sondern weil sie diese Kräfte als einzige noch erkennbare Alternative betrachten.

Wer Polarisierung verhindern will, darf deshalb nicht weniger über Probleme sprechen. Er muss früher, vollständiger und verständlicher darüber sprechen.

Das gilt für Google. Für das Land Oberösterreich. Für Netzbetreiber und E-Control. Für Umweltorganisationen. Und ganz besonders für uns Medien.

Das Rechenzentrum in Kronstorf ist weder automatisch eine ökologische Katastrophe noch ein Geschenk des Silicon Valley an Österreich. Es ist ein gewaltiges Infrastrukturprojekt. Es braucht Strom, Wasser, Fläche, Netze und Vertrauen. Es kann aber auch Arbeitsplätze, Ausbildung, digitale Infrastruktur, nutzbare Wärme, ökologische Projekte und neue technische Kompetenzen bringen.

Welche Seite am Ende überwiegt, entscheidet sich nicht in einer Schlagzeile. Es entscheidet sich an transparenten Zahlen, nachvollziehbaren Auflagen, fair verteilten Kosten und daran, ob die Region tatsächlich etwas von diesem Projekt hat.

Lasst uns mehr und klarer miteinander reden.

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