Die Energiewende in Wien bis 2040 bedeutet, fossile Energien in Gebäuden, Verkehr und Energieversorgung weitgehend zu ersetzen und den Energieverbrauch zu senken. Das Ziel der Klimaneutralität ist seit März 2025 im Wiener Klimagesetz verankert. Wie groß der Umstellungsbedarf ist, zeigt ein am 23. September 2026 veröffentlichter Energiewende-Check des Österreichischen Biomasse-Verbands: Mehr als 400.000 dezentrale Gasheizungen müssen ersetzt werden, während die Fernwärme derzeit überwiegend aus Erdgas stammt. Zugleich rechnet Wien bis 2040 mit einem deutlich höheren Stromverbrauch und stark steigenden Stromimporten.
Für Elektro- und Gebäudetechnik, Energieversorger und Planung ergeben sich daraus mehrere miteinander verbundene Aufgaben. Neue Wärmeversorgung in Bestandsgebäuden braucht geeignete Verteil- und Übergabesysteme. Großwärmepumpen und Geothermie sollen die Fernwärme verändern, Photovoltaik die lokale Stromerzeugung ausbauen. Die Zahlen des Verbands beschreiben dabei sowohl den bisherigen Stand als auch Ziele und Erwartungen der Stadt; eine Prognose, dass diese erreicht werden, sind sie nicht.
Wiener Klimagesetz setzt das Ziel, der Klimafahrplan beschreibt den Weg
Der Wiener Landtag beschloss das Wiener Klimagesetz im März 2025 und verpflichtete die Bundeshauptstadt damit zur Klimaneutralität bis 2040. Das Gesetz soll Wien auch an die Folgen des Klimawandels anpassen. Konkretere Ziele für die Umsetzung enthalten der Wiener Klimafahrplan und die Smart City Strategie Wien. Sie betreffen unter anderem Treibhausgasemissionen, Energieverbrauch, Wärmeversorgung und Verkehr.
Der Anpassungsbedarf ist nicht nur eine Frage künftiger Szenarien. Nach den vom Österreichischen Biomasse-Verband angeführten Daten war 2024 mit einer Abweichung von 3,2 °C vom langjährigen Mittel das heißeste Jahr in Wien seit Beginn der Aufzeichnungen. Bis Ende August 2026 wurden bereits 48 Hitzetage gemessen; an vier Tagen erreichte die Temperatur die 40-Grad-Marke. Studien zufolge könnte die sommerliche Maximaltemperatur in Wien bis 2050 um 7,6 °C steigen. Diese Angaben betreffen die Folgen der Erwärmung, während die Energiewende vor allem deren Ursachen adressiert.
Begrenzte Erzeugung im Stadtgebiet, hoher Importbedarf
Wien ist seit den 1990er-Jahren um fast 500.000 Einwohnerinnen und Einwohner gewachsen. Gleichzeitig sind die Möglichkeiten begrenzt, erneuerbare Energie auf eigenem Landesgebiet zu erzeugen. Im Wiener Bruttoinlandsverbrauch an Energie entfallen nach der Auswertung des Verbands 70 % auf importiertes Erdgas und Erdöl. Erdgas wird zu 56 % in Kraft- und Heizkraftwerken zur Strom- und Fernwärmeerzeugung eingesetzt; weitere 28 % dienen in privaten Haushalten der Raumwärme und Warmwasserbereitung. Erdöl wird zu 93 % als Kraftstoff im Straßenverkehr genutzt.
Damit betreffen Veränderungen bei Kraftwerken, Heizungen und Antrieben den Kern der Wiener Energiebilanz. Durch die Nutzung fossiler Energien entstehen mehr als 80 % der Treibhausgasemissionen der Stadt. Die hohe Importabhängigkeit lässt sich jedoch nicht allein durch zusätzliche Anlagen innerhalb Wiens auflösen. Gerade bei Strom kalkuliert die Stadt für 2040 mit wesentlich größeren Bezugsmengen von außerhalb ihrer Grenzen.
Pro-Kopf-Werte und absolute Mengen entwickeln sich unterschiedlich
Bis 2030 will Wien die Treibhausgasemissionen pro Kopf gegenüber 2005 um 55 % senken. Bis 2024 waren sie bereits um fast 47 % zurückgegangen. Beim Endenergieverbrauch pro Kopf sieht der Klimafahrplan eine Verringerung um 30 % bis 2030 und um 45 % bis 2040 vor. Der Rückgang gegenüber 2005 betrug 2024 schon 35 %; das Pro-Kopf-Ziel für 2030 war damit rechnerisch übertroffen.
Die absoluten Werte zeigen eine andere Größenordnung. Zwischen 2005 und 2024 nahm Wiens Bevölkerung um 23 % zu, während der gesamte Endenergieverbrauch um 20 % sank. Die Treibhausgasemissionen lagen 2024 bei 6,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent und damit um 21 % unter dem Wert von 1990. Ein sinkender Verbrauch je Einwohnerin oder Einwohner ist daher nicht mit einem gleich großen Rückgang des gesamten Energiebedarfs gleichzusetzen. Für die Dimensionierung von Erzeugung, Netzen und Wärmeversorgung bleiben die absoluten Mengen entscheidend.
Dichte Bebauung senkt den Haushaltsbedarf
Die Wiener Siedlungsstruktur trägt zu einem vergleichsweise niedrigen Energiebedarf für Raumwärme und Mobilität bei. Ein privater Haushalt setzt für Raumwärme, Warmwasser und Kochen durchschnittlich rund 10.000 kWh ein; österreichweit sind es 17.200 kWh. Die mittlere Wohnnutzfläche je Hauptwohnsitz beträgt in Wien 75 m² und ist laut Verband die kleinste unter den Bundesländern. Kleinere Wohnungen und kurze Wege beeinflussen damit die Pro-Kopf-Bilanz, ohne den Umstellungsbedarf bei fossilen Energieträgern zu beseitigen.
Rund 22 % der österreichischen Bevölkerung leben in Wien, auf die Stadt entfallen aber etwa 10 % der Treibhausgasemissionen der Republik. Die Emissionen je Einwohnerin oder Einwohner liegen bei 3,5 Tonnen CO2-Äquivalent; der österreichische Durchschnitt beträgt 7,5 Tonnen. Diese Werte beschreiben unterschiedliche Ausgangsbedingungen im Vergleich zu weniger dicht besiedelten Regionen. Sie sagen für sich genommen noch nicht aus, wie rasch sich bestehende Gasheizungen oder die fossile Strom- und Fernwärmeerzeugung ersetzen lassen.
Bioenergie dominiert die erneuerbaren Energieträger
Erneuerbare Energien erreichten 2024 einen Anteil von 13,6 % am Wiener Bruttoinlandsverbrauch an Energie. Der Österreichische Biomasse-Verband führt den Höchstwert auch auf Energieeinsparungen zurück. Innerhalb der erneuerbaren Energieträger entfielen 63 % auf Bioenergie; insgesamt wurden rund 3 TWh davon eingesetzt. Diese Zahl umfasst verschiedene Nutzungen und Rohstoffe, nicht nur Holzheizungen oder das Biomassekraftwerk Simmering.
Die Zusammensetzung hat sich verändert. Im Jahr 2010 beruhte noch ein Drittel der Bioenergie auf Holzabfällen, die im Waldbiomassekraftwerk eingesetzt wurden. Im Jahr 2024 stellten Biotreibstoffe mit 30 % die größte Biomassefraktion, gefolgt von biogenem Hausmüll mit 28 %, Holzabfällen mit 17 % und Scheitholz mit 14 %. Für die Einordnung der Wärmewende ist diese Unterscheidung wichtig: Ein hoher Anteil von Bioenergie an den erneuerbaren Energieträgern bedeutet nicht, dass Biomasse im Wiener Gebäudebestand die dominierende Wärmequelle wäre.
416.000 Gasheizungen bleiben im Bestand
Etwa die Hälfte des Wiener Endenergieverbrauchs entfällt auf Wärme. Raumklima und Warmwasser machen 43 % aus, Prozesswärme 7 %. In den Haushalten wird Raumwärme zu 84 % durch Erdgas und Fernwärme bereitgestellt. In der Heizsaison 2023/24 lag Fernwärme mit 43 % erstmals vor Erdgas mit 41 %. Die Zahl der Fernwärmeanschlüsse war seit 2003/04 um 190.000 auf 454.000 gestiegen.
Der Rückgang bei den Gasheizungen ist weniger ausgeprägt, als der gestiegene Fernwärmeanteil vermuten lässt. Als primäres Heizsystem sank ihr Anteil an Wiener Hauptwohnsitzen innerhalb von 20 Jahren von 52 % auf 43 %. Absolut waren mit 416.000 Gasheizungen zuletzt sogar etwas mehr Anlagen vorhanden als 20 Jahre zuvor, als 411.000 gezählt wurden. Die eingesetzte Gasmenge halbierte sich im selben Zeitraum. Dazu trug laut Verband auch bei, dass die Heizgradtage zwischen 1990 und 2023 um 21 % zurückgingen. Ein geringerer Gasverbrauch ist deshalb nicht gleichbedeutend mit einer entsprechend kleineren Zahl umzustellender Anlagen.
Raus aus Gas erfordert Eingriffe in bestehende Gebäude
Nach dem Wiener Klimafahrplan soll der Gebäudebereich bis 2040 durch mehr Fernwärme und Wärmepumpen sowie in seltenen Fällen durch Biomasse CO2-neutral werden. Dafür müssten mehr als 400.000 dezentrale Gas- beziehungsweise Gasetagenheizungen ersetzt werden. Eine solche Umstellung ist häufig mit einer Zentralisierung der Wärmeverteilung im Gebäude verbunden. Sie umfasst damit mehr als den Austausch eines Wärmeerzeugers und berührt auch die technische Organisation innerhalb von Mehrfamilienhäusern.
Derzeit werden pro Jahr rund 10.000 Wohnungen von Gasetagenheizungen auf Fernwärme oder Wärmepumpen umgestellt. Bei gleichbleibendem Tempo reicht diese Größenordnung rechnerisch nicht aus, um den Gasausstieg bis 2040 zu erreichen. Die Strategie „Raus aus Gas – Wiener Wärme und Kälte 2040“ sieht Fernwärme vor allem in dicht bebauten Gebieten vor. In weniger dicht bebauten Bereichen sollen Wärmepumpen und punktuell Biomasse zum Einsatz kommen. Außerhalb der Fernwärmegebiete könnte Biomasse insbesondere im Geschoßwohnbau eine zentrale Wärmeversorgung ermöglichen.
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Wohnrecht und Gaswirtschaftsrecht als offene Baustellen
Für den Ausstieg aus Gasheizungen fehlen laut Österreichischem Biomasse-Verband noch konkrete gesetzliche Regelungen. Im Wiener Mehrfamilien- und Geschoßwohnbau betreffen Umstellungen insbesondere das Wohnungseigentumsgesetz, das Mietrechtsgesetz und das Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz. Auch das Gaswirtschaftsgesetz nennt der Verband als Hemmnis. Benötigt würden Novellen, die Änderungen des Energiesystems erleichtern und zugleich die Verteilung der Kosten gerecht und sozialverträglich regeln.
Der rechtliche Rahmen ist für die technische Umsetzung unmittelbar relevant. Wo Wohnungen einzeln beheizt werden, betrifft eine zentrale Lösung regelmäßig mehr als eine Nutzungseinheit. Entscheidungen über Leitungsführung, Wärmeverteilung und Anschluss können daher nicht losgelöst von Zuständigkeiten und Kostentragung getroffen werden. Der Klimafahrplan benennt die Richtung des Umbaus, ersetzt aber nach Darstellung des Verbands noch keine konkreten Regeln für dessen Durchführung im Gebäudebestand.
Fernwärmeausbau allein ersetzt noch kein Erdgas
Das Wiener Fernwärmenetz ist mehr als 1.350 km lang. Seine heutige Erzeugungsstruktur ist jedoch weiterhin stark fossil geprägt: 61 % der Fernwärme stammen aus Erdgas, das unter anderem in den Gaskraftwerken Simmering und Donaustadt eingesetzt wird. Weitere 21 % entfallen auf nicht erneuerbare Abfälle und 15 % auf biogene Rohstoffe. Österreichweit wird Fernwärme dagegen zu mehr als 55 % aus Biomasse erzeugt.
Der Österreichische Biomasse-Verband hält dazu fest: „Der Ersatz von Gasheizungen durch Fernwärme führt nur bedingt zu Einsparungen von Erdgas, denn Fernwärme wird in Wien immer noch zu 61 % aus Erdgas erzeugt.“ Entscheidend für den Gasausstieg ist somit nicht allein, wie viele Gebäude an das Netz angeschlossen werden. Ebenso wichtig ist, womit die zusätzliche Wärme erzeugt wird. Zwei Drittel des biogenen Anteils an Wiens Fernwärme kommen aus biogenem Hausmüll in den Müllverbrennungsanlagen; zum übrigen Anteil trägt hauptsächlich das Biomassekraftwerk Simmering bei.
Großwärmepumpen und Geothermie sollen die Fernwärme tragen
Die Stadt Wien geht für 2040 von einer Fernwärmeaufbringung von 8,4 TWh aus, nach 5,2 TWh im Jahr 2024. Wesentliche Beiträge zur höheren und anders zusammengesetzten Erzeugung sollen Großwärmepumpen mit 2,5 TWh und Geothermie mit 2,2 TWh leisten. Großwärmepumpen lieferten 2024 rund 0,1 TWh beziehungsweise 2 % der Fernwärme. Seit der Installation einer Anlage in Simmering im Jahr 2019 gehören sie zur Wiener Fernwärmeerzeugung; ein weiterer Ausbau ist im Gang.
Für die Tiefengeothermie erfolgte Ende 2024 eine erste Bohrung in der Seestadt Aspern. Das Ziel ist eine Anlage mit 20 MW Leistung, die ab 2028 Fernwärme für 20.000 Wiener Haushalte ins Netz einspeist. Sowohl bei Wärmepumpen als auch bei Geothermie handelt es sich in der 2040-Bilanz somit um deutlich größere geplante Beiträge als bislang. Die genannten Mengen sind Ziel- beziehungsweise Erwartungswerte und dürfen nicht mit der bereits verfügbaren Erzeugung gleichgesetzt werden.
Grünes Gas ist für Kraftwerke und Bedarfsspitzen vorgesehen
Die Wiener Gas- und Heizkraftwerke sollen 2040 ausschließlich mit grünem Gas betrieben werden und vor allem Bedarfsspitzen im Hochwinter abdecken. Wie viel davon für diesen Zweck verfügbar sein wird, beziffert der Energiewende-Check nicht. Eine bestehende Quelle ist die Biogasanlage in Simmering: Sie erzeugt aus Küchenabfällen jährlich mehr als 1 Million m³ Biomethan und speist es in das Erdgasnetz ein. Ihre Kapazität soll bis 2030 verdoppelt werden.
In Simmering ging 2024 außerdem eine Wasserstoff-Elektrolyseanlage mit 3 MW Leistung in Betrieb. Der dort erzeugte Wasserstoff treibt seit Ende 2025 Busse auf den Linien 39A, 2A und 3A an. Die beiden Anlagen zeigen unterschiedliche Anwendungen gasförmiger Energieträger: Biomethan wird in das bestehende Gasnetz eingespeist, der genannte Wasserstoff im öffentlichen Verkehr eingesetzt. Aus den Angaben lässt sich kein bereits gesicherter Beitrag dieser Anlagen zur für 2040 vorgesehenen Kraftwerksversorgung ableiten.
Photovoltaik wächst, Erdgas und Importe prägen den Strommix
Am Wiener Stromaufkommen haben Erdgas mit 39 % und Importe mit 38 % derzeit die größten Anteile. Rund 21 % stammen aus eigenen erneuerbaren Quellen. Wichtigste lokale Quelle ist die Wasserkraft: Das Donaukraftwerk Freudenau und sechs Kleinwasserkraftwerke auf Wiener Landesgebiet tragen zusammen 14 % zum Stromaufkommen bei. Auf Biomasse entfallen 3,3 %, vor allem aus dem Biomassekraftwerk Simmering sowie aus biogenem Hausmüll und Klärgasen.
Die Photovoltaik erreicht einen Anteil von 3,2 % und hat ihren Beitrag innerhalb von vier Jahren verfünffacht. In Wien sind nach den Angaben des Verbands rund 19.000 PV-Anlagen mit einer Leistung von fast 350 MWp installiert. Bis 2030 will die Stadt 800 MWp erreichen. Die Wiener Bauordnungsnovelle 2023 weitete die Pflicht zur Errichtung von Photovoltaikanlagen unter anderem auf neue Wohngebäude der kleinsten Gebäudekategorie, Kleingartenwohnhäuser und Dachgeschoßausbauten aus. Fünf Windkraftanlagen auf der Donauinsel und in Unterlaa liefern jährlich etwa 10 GWh, entsprechend 0,1 % des Stromaufkommens.
Der erwartete Strombedarf erhöht die Abhängigkeit von Importen
Wien erwartet durch die Elektrifizierung von Straßenverkehr, Wärme, Klimatisierung und Produktion einen Anstieg des Stromverbrauchs von 8,7 TWh im Jahr 2024 auf rund 15,5 TWh im Jahr 2040. Weil sich die bisherige Stromerzeugung aus Erdgas wegen begrenzter Flächen nicht vollständig durch erneuerbare Erzeugung im Stadtgebiet ersetzen lässt, kalkuliert die Stadt mit 11,3 TWh Stromimporten im Jahr 2040. Das entspräche einer Importquote von 73 %. Im Jahr 2024 lagen die Importe bei 3,3 TWh.
Die benötigten Ökostrommengen möchte Wien überwiegend aus der Region oder aus Österreich beziehen. Stromprojekte eines städtischen Energieversorgers außerhalb der Landesgrenzen dienen zwar der Versorgung, werden aber nicht auf die Wiener Energiebilanz angerechnet. Für die Einordnung der Importstrategie ist zudem die österreichische Gesamtbilanz relevant: 2024 war Österreich netto Stromexporteur, 2025 hingegen Nettoimporteur. Die Herkunft und erneuerbare Qualität künftig verfügbarer Strommengen lässt sich aus einem Importziel allein daher nicht ablesen.
Erneuerbare Erzeugung und dekarbonisierte Quellen in den Zielen
Wiens erneuerbare Energieerzeugung soll sich gegenüber 2005 bis 2030 verdreifachen und bis 2040 versechsfachen. Bis 2024 war nach dem Energiewende-Check fast eine Verdopplung erreicht. Nach der Berechnung gemäß EU-Erneuerbaren-Richtlinie lag der Anteil erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch 2024 bei 12,9 %. Dieser Wert verwendet eine andere Bezugsgröße als die 13,6 % erneuerbarer Energien am Bruttoinlandsverbrauch und ist deshalb nicht unmittelbar damit gleichzusetzen.
Für die Deckung des Endenergieverbrauchs nennt Wien 50 % erneuerbare beziehungsweise dekarbonisierte Quellen bis 2030 und eine vollständige Deckung aus solchen Quellen bis 2040. Die Stadt behält sich dabei vor, fossile Strom- oder Fernwärmeerzeugung anzurechnen, wenn deren CO2-Emissionen durch Carbon Capture abgeschieden werden. Erneuerbare Erzeugung und dekarbonisierte fossile Erzeugung sind damit in der Zielformulierung nicht dasselbe. Ein Gesetzesentwurf zur Abschaffung des Verbots der geologischen CO2-Speicherung in Österreich befindet sich laut Verband derzeit in Abstimmung.
Verkehr bleibt größter Emissionsbereich
Der Verkehrssektor verursacht 38 % der Wiener Treibhausgasemissionen. Seine Emissionen stiegen zwischen 1990 und 2023 um 20 %, während die Stadt in anderen Bereichen Rückgänge verzeichnete. Wien hat mit 46 Kraftfahrzeugen je 100 Einwohnerinnen und Einwohnern die niedrigste Kfz-Dichte der Bundesländer; österreichweit sind es 82. Rund 51.000 Elektroautos entsprechen 6,8 % des Wiener Pkw-Bestands.
Bis 2030 sollen laut Wiener Zielsetzung sämtliche neu zugelassenen Fahrzeuge einen nicht fossilen Antrieb haben. Elektro-Pkw erreichten 2025 einen Anteil von 22 % an den Neuzulassungen. Diese beiden Angaben haben unterschiedliche Bezugsgrößen: Der Zielwert betrifft nicht fossile Antriebe insgesamt, der Ist-Wert ausschließlich Elektro-Pkw. Beim motorisierten Individualverkehr sieht der Klimafahrplan für 2030 einen Anteil von 15 % an den zurückgelegten Wegen vor. 2025 stieg dieser Anteil von 25 % auf 26 %. Zugleich sank der Anteil der Alltagswege mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf 34 % und jener mit dem Fahrrad leicht auf 10,5 %.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Gasheizungen müssen in Wien bis 2040 ersetzt werden?
Nach dem Wiener Klimafahrplan müssten mehr als 400.000 dezentrale Gas- beziehungsweise Gasetagenheizungen ersetzt werden. Zuletzt waren 416.000 Gasheizungen im Bestand.
Warum bedeutet ein Fernwärmeanschluss nicht automatisch den Ausstieg aus Erdgas?
Wiens Fernwärme stammt derzeit zu 61 % aus Erdgas. Für den Gasausstieg ist deshalb neben neuen Anschlüssen entscheidend, womit die Fernwärme erzeugt wird.
Wie stark sollen Wiens Stromimporte bis 2040 steigen?
Die Stadt kalkuliert für 2040 mit 11,3 TWh Stromimporten und einer Importquote von 73 %. Im Jahr 2024 lagen die Importe bei 3,3 TWh
Weitere Informationen auf: www.biomasseverband.at
Quelle: Österreichischer Biomasse Verband