E-Autos im Fuhrpark:

Der Restwert-Schreck bekommt Risse

von Laura Peichl
von David Lodahl – Recherche, Konzept und Kuration Foto: © www.i-magazin.at | KI-generiert

Fuhrparkmanager berichten von enttäuschenden Erlösen bei Elektroautos. Gleichzeitig steigen auf AutoScout24 und willhaben Nachfrage und Angebotspreise. Das Restwertrisiko ist damit nicht verschwunden. Es lässt sich aber auch nicht länger pauschal dem Elektroantrieb anheften.

Beim Restwert hört für Fuhrparkmanager der Spaß dort auf, wo die Kalkulation beginnt. Wer vor einigen Jahren mit höheren Verkaufserlösen gerechnet hat, erlebt heute mitunter eine unangenehme Differenz zwischen Plan und Wirklichkeit. Ein wesentlicher Grund liegt in den zwischenzeitlich gesunkenen Neuwagenpreisen. Wurden Elektroautos zu deutlich höheren Preisen angeschafft und kamen neue Fahrzeuge später günstiger auf den Markt, gerieten zwangsläufig auch die Gebrauchten unter Druck.

Ein drei oder vier Jahre altes Fahrzeug lässt sich nur schwer zum ursprünglich kalkulierten Restwert verwerten, wenn ein Neuwagen für vergleichsweise wenig mehr Geld erhältlich ist. Der Bezugspunkt früherer Restwertannahmen hat sich verschoben. Das bedeutet jedoch nicht, dass gebrauchte Elektroautos unverkäuflich wären. Die aktuellen Marktdaten senden andere Signale.

Wichtig, aber nicht allein entscheidend

Die Blitzbefragung des Fuhrparkverband Austria zeichnet kein Bild von einer Flucht aus der Elektromobilität. 61,36 Prozent sehen die Restwertunsicherheit als einen von mehreren wichtigen Faktoren, nur 6,82 Prozent als größten Unsicherheitsfaktor. Stark oder sehr stark beeinflusst sie die Beschaffung bei 38,64 Prozent. (Fuhrparkverband Austria)

38,64 Prozent verändern ihre Strategie nicht. Wer reagiert, verlängert am häufigsten die Haltedauer. Andere wählen Leasing mit Restwertgarantie, greifen stärker zu Verbrennern oder Hybriden oder verschieben die Beschaffung. 31,82 Prozent berichten von schlechteren Restwerten als kalkuliert, 27,27 Prozent liegen im erwarteten Bereich, 15,91 Prozent darüber. Rund einem Drittel fehlen noch eigene Erfahrungswerte.

Die Befragung ist damit ein Stimmungsbild, keine repräsentative Restwertstatistik. Rechnerisch lassen die Prozentwerte auf 44 Teilnehmer schließen; offiziell genannt wird diese Zahl nicht.

Der Gesamtmarkt wird billiger – Elektroautos stemmen sich dagegen

Laut AutoScout24 sank der durchschnittliche Angebotspreis eines Gebrauchtwagens in Österreich von Jänner bis Juni 2026 um 991 Euro beziehungsweise 3,41 Prozent auf 28.085 Euro. Gegenüber Juni 2025 beträgt das Minus 5,4 Prozent. Mittelklasse, Oberklasse und Sportwagen verloren besonders deutlich; auch SUV, Vans und Kompaktfahrzeuge wurden günstiger. Der Preisdruck erfasst somit weite Teile des Marktes.

Gebrauchte Elektroautos entwickelten sich gegen diesen Trend. Ihr durchschnittlicher Angebotspreis lag bei AutoScout24 im Juni bei 41.349 Euro und damit um 1.940 Euro beziehungsweise 4,9 Prozent über dem Jännerwert. Diesel verloren im selben Zeitraum 3,8 Prozent, Benziner und Hybride jeweils 2,7 Prozent. Von Mai auf Juni ging der E-Auto-Angebotspreis lediglich um 0,2 Prozent zurück. Die Auswertung basiert auf rund 111.000 österreichischen Inseraten.

Willhaben ergänzt den zeitlichen Zusammenhang: Auch gebrauchte Elektroautos waren zuvor über Monate billiger geworden. Von März auf April 2026 drehten ihre Median-Angebotspreise jedoch deutlich nach oben; diese Entwicklung setzte sich im Mai und Juni fort. Beide Plattformen liefern damit Hinweise auf eine Stabilisierung nach vorausgegangenen Preisrückgängen – noch keinen Beweis für dauerhaft steigende Restwerte.

Die Käufer sind plötzlich da

Für die Verwertung ist nicht nur entscheidend, was Verkäufer verlangen. Es muss auch jemand bereit sein, das Fahrzeug zu kaufen. AutoScout24 meldet für das erste Halbjahr 2026 eine um 71 Prozent höhere Nachfrage nach gebrauchten Elektroautos als im Vergleichszeitraum 2025. Im Juni lag das Interesse 68 Prozent über dem Vorjahresmonat und 40 Prozent über dem Jänner. Diesel und Benziner entwickelten sich deutlich schwächer beziehungsweise rückläufig.

Willhaben verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 rund 80 Prozent mehr Anfragen auf gebrauchte Elektroautos als im ersten Halbjahr 2025 und beinahe dreimal so viele wie im ersten Halbjahr 2022. Gemeint sind damit Kontakt- beziehungsweise Kaufanfragen von Interessenten auf entsprechende E-Auto-Inserate. Das absolute Angebot an gebrauchten Elektrofahrzeugen liegt auf der Plattform ebenfalls nahe einem Allzeithoch. Ihr Anteil am gesamten Gebrauchtwagenangebot wächst derzeit allerdings weniger stark, weil gleichzeitig besonders viele Benzin- und Dieselfahrzeuge inseriert werden.

Steigende Nachfrage trifft somit auf ein Angebot, das nicht im selben Tempo zulegt. Das kann Standzeiten verkürzen und Angebotspreise stützen, garantiert aber keinen bestimmten Verkaufserlös. Was beim Erstbesitzer als Verlust verbucht wurde, kann beim Zweitkäufer zum Kaufargument werden.

Angebotspreis ist noch kein Restwert

AutoScout24 und willhaben messen Inserate, Suchanfragen sowie durchschnittliche oder mediane Angebotspreise. Sie zeigen die Marktrichtung, aber nicht automatisch den Erlös eines konkreten Fuhrparks.

Der Restwert ergibt sich erst aus dem Verhältnis zwischen ursprünglichem Einkaufspreis und späterem Verkaufserlös. Wurde ein Fahrzeug in einer Phase hoher Neuwagenpreise angeschafft und sank der Neuwagenpreis danach, gerät die damalige Restwertannahme unter Druck. Der heutige Angebotspreis kann sich stabilisieren und trotzdem unter jenem Wert liegen, mit dem bei der Anschaffung gerechnet wurde.

Auch die Zusammensetzung des Angebots beeinflusst den Durchschnitt: Kommen mehr junge oder höherpreisige Modelle auf den Markt, kann der Mittelwert steigen, ohne dass jedes Fahrzeug wertstabiler geworden ist. Für eine belastbare Betrachtung wären Einkaufspreis, Alter, Laufleistung, Haltedauer, Batteriezustand und realisierter Verkaufspreis gemeinsam zu berücksichtigen.

Der Markt urteilt Modell für Modell

Das willhaben-Ranking zeigt, wie wenig die pauschale Kategorie „Elektroauto“ inzwischen aussagt. Besonders viele Anfragen pro Anzeige erhalten unter anderem Tesla Model 3 und Model Y, Renault Zoe, BMW i3, VW ID.4 und Škoda Enyaq.

Die Preisbereiche reichen vom Renault Zoe um 9.000 bis 10.000 Euro bis zum Tesla Model Y um rund 35.000 Euro. Model Y und Model 3 wechseln laut willhaben im Median besonders schnell den Eigentümer.

Die Verwertbarkeit hängt damit weniger von der Antriebsart allein ab als von der Nachfrage nach dem konkreten Modell.

Neu rechnen, ohne vorschnell zurückzurudern

Die Daten widerlegen die negativen Erfahrungen einzelner Fuhrparks nicht. Sie stellen aber infrage, ob frühere Restwertverluste unverändert auf heutige Beschaffungen übertragen werden können.

Kauf, Operating Leasing und Verträge mit Restwertgarantie verteilen das Risiko unterschiedlich. Eine längere Haltedauer kann den Wertverlust auf zusätzliche Nutzungsjahre verteilen, bindet das Unternehmen aber länger an das Fahrzeug. Welche Variante wirtschaftlich passt, hängt von Nutzung, Laufleistung, Finanzierung und Risikoverteilung ab.

Nachvollziehbare Angaben zu Kilometerstand, Fahrzeugzustand und Batterie können Transparenz schaffen. Ob daraus ein höherer Erlös entsteht, lässt sich aus den Plattformdaten nicht ableiten. Entscheidend bleibt die Gesamtkostenrechnung: Ein niedrigerer Verkaufserlös macht ein Fahrzeug über die Nutzungsdauer nicht automatisch unwirtschaftlich; ein hoher Restwert gleicht höhere Kosten an anderer Stelle nicht zwangsläufig aus.

Die enttäuschenden Restwerterfahrungen eines Teils der Fuhrparks sind real. Ebenso real ist die Bewegung am Gebrauchtwagenmarkt: Die Nachfrage nach Elektroautos wächst kräftig, und ihre Angebotspreise zeigen seit dem Frühjahr Anzeichen einer Stabilisierung.

Für Fuhrparkverantwortliche ist das kein Grund zur Sorglosigkeit. Es ist aber ein Grund, Elektroautos nicht pauschal als Restwertrisiko abzuschreiben. Der Restwert-Schreck ist nicht verschwunden. Er verliert nur seine wichtigste Waffe: die Pauschalisierung.

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