Dürre, Brände und Versorgungssicherheit:

Wenn Hitze zur Rechnung wird

von Laura Peichl
Foto: © www.i-magazin.at | KI-generiert

Europa erlebt in diesen Wochen keinen Zusammenbruch seiner Stromversorgung. Aber die Hitze legt offen, wie viele unserer Sicherheiten an Wasser, funktionierenden Leitungen und jederzeit verfügbarer Energie hängen. Für die Wirtschaft wird der Klimawandel damit erstmals auf breiter Front zur konkreten Rechnung – vom Kraftwerksbetreiber bis zum kleinen Handwerksbetrieb.

Am 30. Juli gerieten entlang der Franz-Josefs-Bahn zwischen Schwarzenau und Blumau an der Wild mehrere Böschungen in Brand. Funken einer Zugbremse hatten die Feuer ausgelöst, Hitze und Wind verschärften die Lage. 23 Feuerwehren rückten aus, zwischen Gmünd und Sigmundsherberg wurde die Strecke gesperrt. Während die Einsatzkräfte noch löschten, fiel in Teilen der Bezirke Waidhofen an der Thaya und Zwettl der Strom aus. Rund 28.000 Haushalte waren bis zu einer Stunde betroffen.

Es wäre verlockend, daraus eine einzige Geschichte zu machen: Feuer an der Bahn, Stromausfall in der Region, die Infrastruktur unter dem Druck der Hitze. Nur wäre diese Geschichte falsch. Laut Feuerwehr und EVN barst in der 110-kV-Schaltanlage des Umspannwerks Waidhofen an der Thaya ein Isolator. Heiße Teile fielen zu Boden und verursachten dort einen Flurbrand. Der Böschungsbrand an der Bahn und der Stromausfall ereigneten sich am selben Tag in derselben Region, hatten nach der verfügbaren Quellenlage aber unterschiedliche Ursachen. Gerade diese Trennung ist wichtig. Klimawandel, Hitze und Trockenheit dürfen nicht zur Universalbegründung für jeden technischen Defekt werden. Sie bilden allerdings die Bedingungen, unter denen aus einem Funken schneller ein Großeinsatz und aus einer Störung rascher ein wirtschaftliches Problem wird.

Für einen Haushalt bedeutet eine Stunde ohne Strom meist Unannehmlichkeit. In einer Werkstatt läuft die Uhr anders: Maschinen stehen, Steuerungen müssen neu gestartet werden, Kassensystem, Telefonie und Disposition fallen aus. Der Strom ist nach einer Stunde wieder da. Die verlorene Arbeitszeit bleibt.

Der Fluss wird zum Engpass

Was im Waldviertel lokal sichtbar wurde, zeigt sich entlang Europas Flüsse in größerem Maßstab. In Ungarn war das Kernkraftwerk Paks am 4. August auf etwas mehr als zehn Prozent seiner üblichen Leistung reduziert. Von knapp 2.000 MW waren noch rund 240 MW verfügbar. Die zuvor angekündigte vollständige Abschaltung – die erste in 44 Betriebsjahren – war zu diesem Zeitpunkt nicht eingetreten. Sie blieb möglich, falls die Donau weiter fallen sollte. Wer bereits vom kompletten Ausfall von 2.000 MW schrieb, machte aus einer ernsten Prognose eine vermeintlich eingetretene Tatsache.

In Rumänien wurde Block 1 des Kernkraftwerks Cernavodă am 28. Juli kontrolliert vom Netz getrennt. Betreiber Nuclearelectrica begründete den vorbeugenden Schritt mit dem außergewöhnlich niedrigen Wasserstand der Donau. Block 2 blieb in Betrieb. Um weiterhin genügend Wasser zum Kraftwerk zu führen, sprengten Marinekräfte am 3. August einen Felsvorsprung und arbeiteten an einer provisorischen Umleitung. Der Eingriff zeigt, wie knapp der Spielraum geworden ist.

In der Schweiz halbierte Axpo am 29. Juli die Leistung beider Beznau-Blöcke, nachdem die Aare nach der Durchmischung mit dem Kühlwasser rund 25 °C erreicht hatte. Am 31. Juli wurden beide Reaktoren heruntergefahren. Es war bereits die dritte Beznau-Episode dieses Sommers: Auf die Eingriffe vom 23. bis 26. Juni und vom 10./11. Juli folgte Ende Juli erneut die Abfolge aus Leistungsreduktion und Abschaltung. Block 2 ging am 4. August in den ohnehin vorgesehenen Brennelementwechsel; Block 1 blieb bis zu einer ausreichenden Abkühlung abgestellt. Die Grenzwerte schützen das Flussökosystem vor zusätzlicher Erwärmung.

Frankreich musste ebenfalls Leistung zurücknehmen. RTE beziffert die wegen thermischer Einleitgrenzen zeitweise eingeschränkte Kernkraftverfügbarkeit auf rund 8 GW Ende Juni und 9 GW Mitte Juli. Betroffen waren unter anderem Golfech, Bugey, Saint-Alban und Nogent-sur-Seine; bei anhaltender Dürre sah RTE auch Risiken für Chooz und Cattenom. Dennoch blieben die Produktionsverluste im Verhältnis zur gesamten Kernkraftproduktion begrenzt, und Frankreich hielt positive Reserven. Ein europäischer Stromkollaps sieht anders aus.

Der Kollaps, der keiner war

Die Zuspitzung verkauft sich trotzdem gut. „Extreme Dürre lässt Europas Stromversorgung kippen“ klingt nach einer klaren Lage. Gekippt ist sie nirgends. Drosselungen, Importe, technische Notmaßnahmen und freiwillige Lastreduktionen zeigen ein System unter Belastung – nicht seinen Zusammenbruch.

Das zweite Lehrstück lieferte Cernavodă. Am 29. Juli kündigte Nuclearelectrica an, auch Block 2 in der Nacht beziehungsweise am frühen 30. Juli kontrolliert vom Netz zu nehmen. Medien meldeten daraufhin bereits beide Reaktoren als abgeschaltet. Nur: Die zweite Abschaltung fand nicht statt. Nach einer Analyse der Betriebsparameter und der Ausrüstung in der Nacht vom 29. auf den 30. Juli erklärte der Betreiber, Block 2 könne vorerst sicher weiterlaufen. Die Abschaltung blieb jederzeit möglich – aber Möglichkeit, Ankündigung und Vollzug sind drei verschiedene Dinge.

Ungarn bat Großverbraucher, ihre Last besonders abends zu senken. Mehr als 300 Unternehmen folgten; Reuters berichtete für Sonntag von rund 700 MW Entlastung. Mercedes reduzierte den Verbrauch, verwies aber auch auf eine vorab geplante dreiwöchige Sommerpause. Suzuki unterbrach die Fertigung in der Spitze für zwei Stunden, sparte damit nach eigenen Angaben 10 MWh täglich und hatte ebenfalls einen regulären Sommerstillstand vorgesehen.

In Rumänien pausierten Dacia in Mioveni und Ford in Craiova bis 19. August; die Entlastung wurde mit rund 200 MW angegeben. Daraus wurde die Behauptung, die Regierung habe die Autoproduktion angehalten. Bolojan sprach jedoch von freiwilligen Maßnahmen, Reuters stellte zusätzlich klar, dass die Pause bei Ford bereits vorgesehen war.

Die Unterscheidung ist wesentlich. Eine behördlich verfügte Stilllegung wäre ein Eingriff in Produktion und Lieferverträge; eine vorgezogene Wartungs- oder Urlaubspause ist betriebliches Lastmanagement. Gerade dieses Instrument wird gebraucht: Unternehmen können Linien verschieben oder Prozesse unterbrechen. Daraus muss jedoch ein vertraglich geregeltes Flexibilitätsprodukt mit klarer Vorlaufzeit und Vergütung werden – kein Krisentelefonat, das auf gutem Willen beruht.

Die Klimakosten erreichen das Werkstor

Lange erschienen die Kosten des Klimawandels als abstrakte Zahl. Die Europäische Umweltagentur schätzt die Schäden durch wetter- und klimabedingte Extremereignisse in der EU von 1980 bis 2024 auf 822 Milliarden Euro zu Preisen von 2024. Mehr als 208 Milliarden Euro entfielen allein auf 2021 bis 2024. Die Größenordnung ist klar. Wie sich der Schaden in einem Betrieb anfühlt, zeigt sie nicht.

Für den kleinen Unternehmer beginnt er mit einer unterbrochenen Schicht. Danach kommen Wiederanlauf, Ausschuss, Überstunden und der Anruf beim Kunden. Der Auftrag bleibt derselbe, die verfügbare Zeit wird kürzer. Was beim Fahrzeugwerk als 200 MW Entlastung in die nationale Leistungsbilanz eingeht, erscheint im Handwerksbetrieb als nicht verrechenbarer Nachmittag.

Die Feuer dieser Wochen zeigen eine zweite Ebene. In Gironde und Landes waren Ende Juli laut Enedis mehr als 1.300 Haushalte ohne Strom; Teile des Netzes wurden für sichere Löscharbeiten vorsorglich abgeschaltet. Zugleich war das Netzumfeld dort möglicherweise nicht nur Opfer. Nach den ersten Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Bordeaux führte die Spur zur Brandentstehung bei Saumos zu Freischneidearbeiten eines Enedis-Auftragnehmers nahe einer Hochspannungsleitung. Eine Verantwortung war damit noch nicht festgestellt; die Ermittlungen liefen. In Griechenland wird wiederum untersucht, ob fehlerhafte private Leitungen den großen Brand nordwestlich von Athen ausgelöst haben könnten. Netzinfrastruktur und ihre Instandhaltung können vom Feuer getroffen werden – und selbst zum Zündrisiko werden.

Keines dieser Ereignisse lässt sich pauschal dem Klimawandel zurechnen. Die EU-Kommission hält jedoch fest, dass menschlich verursachte Emissionen Wetter- und Klimaextreme häufiger und intensiver machen; trockene Vegetation und längere Dürre lassen Brände schneller und länger brennen. Die europäische Klimarisikobewertung nennt 36 Risiken für Energie, Ernährung, Infrastruktur, Wasser, Gesundheit und Finanzstabilität. Viele verstärken einander.

Die Rechnung umfasst Produktionsausfälle, verdorbene Ware, beschädigte Elektronik, höhere Energie- und Transportkosten, Versicherungen, Feuerwehr, Wiederaufbau und Investitionen in Resilienz. Ein Teil wird versichert, einer vom Staat getragen, einer weiterverrechnet. Die Kosten wechseln nur den Adressaten.

Was nach acht Stunden fehlt

Die Frage nach der Versorgung der Menschen verlangt dieselbe Nüchternheit. Die aktuelle Lage bedeutet nicht, dass Europa unmittelbar vor leeren Apotheken oder Supermarktregalen steht. Doch Lebensmittel, Medikamente, Wasser und Gesundheitsversorgung hängen an mehr elektrischer Infrastruktur, als im normalen Betrieb sichtbar ist.

Nach zwei Stunden sind Kassen, Zahlungen, Mobilfunk, Aufzüge, Ampeln oder Pumpen womöglich bereits betroffen. Kühlräume halten ihre Temperatur noch, doch die Reserve läuft ab. Nach acht Stunden zählt, welche Kühlung Ersatzstrom besitzt, ob Apotheken Temperaturdaten nachweisen können und Tankstellen Treibstoff abgeben. Nach 24 oder 72 Stunden geht es um Generator, Treibstoff, Zufahrt, Wartung, Personal und Kommunikation. Wasser- und Abwasseranlagen brauchen Pumpen; Krankenhäuser bleiben trotz Notstrom von Betriebsmitteln abhängig. Häusliche Medizintechnik kann außerhalb institutioneller Konzepte liegen.

Für temperaturempfindliche Arzneimittel verlangt die Weltgesundheitsorganisation ausdrücklich Notfallpläne für längere Stromausfälle, regelmäßig geprüfte unterbrechungsfreie Stromversorgungen und Generatoren sowie Verfahren für Produkte, die einer unzulässigen Temperatur ausgesetzt waren. Das deutsche Bundesamt für Bevölkerungsschutz beschreibt die Wirkungskette ähnlich: Ohne Strom verderben kühlpflichtige Lebensmittel, elektronische Kassen fallen aus, und auch Wasser- und Abwasserinfrastruktur kann betroffen sein.

„Notstrom vorhanden“ ist deshalb keine ausreichende Antwort. Belastbar wird ein Konzept erst, wenn feststeht, welche Lasten nach zwei, acht, 24 und 72 Stunden laufen, wie sie getrennt sind und wer das System bedient. Ein Medikament kann im Lager verfügbar sein und dennoch nicht beim Patienten ankommen, wenn Kühlung, Transport oder Ausgabe ausfallen. Ein Supermarkt kann Ware besitzen und wegen Kassen- und Zahlungsausfall trotzdem geschlossen bleiben.

Die Wärmesenke kennt keinen Brennstoff

Die Kraftwerksmeldungen werden häufig als spezifische Schwäche der Kernenergie erzählt. Das greift zu kurz. Kernkraft-, Kohle-, Biomasse- und Gas-und-Dampf-Kraftwerke erzeugen Dampf, der nach der Turbine wieder kondensiert werden muss. Nutzen sie Fluss- oder Meerwasser als Wärmesenke, können geringer Durchfluss, hohe Eingangstemperaturen oder Umweltgrenzwerte ihre Leistung begrenzen.

In Frankreich war neben Kernkraftwerken auch das Gaskraftwerk Martigues gefährdet, weil das Mittelmeerwasser zu warm wurde. Gleichzeitig minderten niedrige Flusspegel die Verfügbarkeit weiterer Kernkraftleistung; RTE führte Chooz und möglicherweise Cattenom als Standorte an, die bei anhaltender Dürre zusätzlich betroffen sein könnten. Das ist präziser als eine punktgenaue Standortzahl, die aus einer Nachrichtenlage mit laufenden Prognosen eine fertige Messung macht. Entscheidend sind Kreisprozess, Kühltechnik, Standort und Umweltauflagen – nicht allein der Brennstoff.

Wasserkraft trifft Niedrigwasser unmittelbar. Wind und PV benötigen kein Kühlwasser, besitzen jedoch andere Wetterabhängigkeiten. RTE rechnete für Frankreich trotz temperaturbedingter PV-Verluste mit annähernd 20 GW Solarspitze zu Mittag. Das passt gut zum Kühlbedarf; nach Sonnenuntergang fällt diese Leistung weg.

Umlaufkühlung entnimmt wesentlich weniger Flusswasser und ist laut IEA widerstandsfähiger gegen steigende Temperaturen. Nasskühltürme verbrauchen dafür Wasser durch Verdunstung; Trocken- und Hybridkühlung verliert bei großer Hitze an Effizienz. Gereinigtes Abwasser, Kreislaufführung, angepasste Einläufe und bessere Prognosen können helfen – stets standortspezifisch und mit Kosten, Platzbedarf sowie Umbauzeiten.

Zeitweilige Ausnahmen von Flusstemperatur-Grenzwerten können in einer konkreten Netzsituation nötig sein. Dauerhaft verlagern sie das Risiko nur auf das Ökosystem. Die Anlage muss sich an veränderte Bedingungen anpassen, nicht der Schutzmaßstab an die alte Anlage.

Acht Stunden sind viel

Sind PV, Wind, Großspeicher und bidirektionales Laden eine Alternative oder ein schönes Zukunftsbild? Sie sind real und systemisch wertvoll, ersetzen allein aber nicht jede Form gesicherter Leistung.

PV liefert ausschließlich tagsüber und passt in Hitzewellen häufig zum Kühlbedarf. Wind erweitert Erzeugung zeitlich und geografisch, kann aber ebenfalls schwach ausfallen. Batterien mit vier bis acht Stunden Entladedauer verschieben Solarstrom in den Abend und reagieren schnell auf Netzabweichungen. Im kalifornischen Kern County ging 2026 mit Tumbleweed ein Acht-Stunden-Batterieprojekt in Betrieb. Es nimmt Solarenergie tagsüber auf und gibt sie während der Abendspitze bis in die Nacht ab.

Die Dimensionierung bleibt gewaltig. Zwei GW Paks-Leistung über acht Stunden erfordern 16 GWh nutzbare Energie und 2 GW Entladeleistung. Beim Fehlbetrag von rund 1,76 GW am 4. August wären es 14,1 GWh. Fünf Stunden Abendspitze bei 2 GW benötigen 10 GWh – vor Verlusten und Reserven.

Der Vergleich macht die Größenordnung hart: Tumbleweed wurde mit 69 MW beziehungsweise 552 MWh kontrahiert. 29 Anlagen dieser Größe ergäben 16,008 GWh und 2,001 GW – ziemlich genau das gedachte Paks-Ersatzpaket für acht Stunden. Acht Stunden sind technisch machbar. Der Maßstab muss dennoch gebaut, finanziert und jeden Tag wieder geladen werden.

Am nächsten Tag muss der Speicher wieder geladen werden. Fehlt Überschuss aus PV, Wind, Wasserkraft oder Importen, ist er am zweiten Abend leer. Mehrtägige Ereignisse erfordern daher Pumpspeicher und andere Langzeitspeicher, flexible gesicherte Erzeugung, Verbindungsleitungen und Lastflexibilität. Das US-Energieministerium definiert Langzeitspeicherung ab zehn Stunden und untersucht auch 24- und 100-Stunden-Anwendungen.

Beim Elektroauto liegt der erste Nutzen im intelligenten Laden außerhalb der Abendspitze. V2G folgt als zweite Stufe. 100.000 gleichzeitig angeschlossene Fahrzeuge mit je 5 kW könnten rechnerisch 500 MW bereitstellen. Geben sie je 10 kWh frei, sind das allerdings nur 1 GWh – zwei Stunden bei 500 MW. Für 10 GWh bräuchte es unter denselben Annahmen eine Million tatsächlich verfügbare Fahrzeuge.

Fahrzeuge müssen mobil bleiben; nötig sind Mindestladestand, kompatible Technik, Tarife, Messung und faire Vergütung. Die EU unterscheidet zu Recht zwischen bidirektionaler Kommunikation und Energieübertragung: Ein Ladepunkt, der Daten austauscht, speist noch keinen Strom zurück.

Faktenkasten: Was acht Stunden bedeuten
  • Leistung: 2 GW beschreiben, wie viel Strom der Speicher gleichzeitig abgeben kann.
  • Energie: 16 GWh beschreiben, wie lange diese Leistung verfügbar ist – hier acht Stunden.
  • Paks-Szenario: 2 GW × 8 Stunden = 16 GWh nutzbare Speicherenergie.
  • Tumbleweed-Vergleich: 29 Anlagen der kontrahierten Größe von 69 MW/552 MWh ergeben rechnerisch 2,001 GW/16,008 GWh.
  • Stand 4. August: 1,76 GW Fehlleistung × 8 Stunden = rund 14,1 GWh.
  • V2G-Szenario: 100.000 Fahrzeuge × 10 kWh = 1 GWh; die verfügbare Leistung hängt zusätzlich von Ladepunkt und Fahrzeug ab.
  • Entscheidende Grenze: Ohne ausreichende Erzeugung zum Wiederaufladen überbrückt der Speicher einen Abend, aber keine mehrwöchige Knappheit.
Resilienz beginnt vor der Krise

Strom wird zur zentralen Energieform für Mobilität, Wärme, Industrie und Kommunikation. Damit wächst seine Bedeutung – und der Wert jeder vermiedenen Unterbrechung. Weniger Elektrifizierung wäre die falsche Antwort; robustere Elektrifizierung ist die Aufgabe.

Für einen Betrieb beginnt Resilienz mit der Frage: Was muss weiterlaufen? Oft sind es Server, Telefonie, Sicherheitsbeleuchtung, Kühlung, Tore und eine für den Wiederanlauf entscheidende Anlage. Daraus folgen getrennte Notstromkreise, USV, ersatzstromfähiger Speicher, Lastabwurf oder Aggregat. Eine gewöhnliche netzgekoppelte PV-Anlage liefert bei Netzausfall keinen Strom; Ersatz- und Inselbetrieb müssen geplant, geschützt und geprüft werden.

In Gewerbegebieten kann eine gemeinsame Absicherung von Trafostation, Speicher, Lade- oder Kälteversorgung wirtschaftlicher sein. Energiegemeinschaften schaffen keinen automatischen Inselbetrieb, können Erzeuger, Verbraucher und Speicher aber organisatorisch verbinden. Energiemanagement, Schutztechnik, Mittelspannung, Kommunikation und Verantwortung gehören gemeinsam geplant.

Auf Systemebene zählen kurzfristig dynamische Tarife, intelligentes Laden und vergütete Lastreduktion. Danach müssen Netze, regional verteilte PV und Windkraft, Vier- und Acht-Stunden-Speicher sowie V2G-Flotten wachsen. Längere Engpässe verlangen Speicher oberhalb von zehn Stunden, gesicherte wasserarme Erzeugung und grenzüberschreitende Kapazität. Kraftwerke benötigen Kühlstrategien; Netze Vegetationsmanagement, hitzefeste Auslegung, schnelle Fehlerortung und alternative Kommunikation.

Jahresbilanzen helfen wenig, wenn an einem heißen Abend mehrere Länder zugleich importieren möchten. Nötig sind stündliche Stresstests über viele Wetterjahre: warmer Fluss, wenig Wasserkraft, schwacher Wind, hohe Kühllast, Leitungsbrand und eingeschränkte Importe – gleichzeitig. Gemessen werden müssen gesicherte Leistung, nicht gedeckte Energie, Speicherreichweite, Wiederaufladbarkeit, Netzengpässe, Wasserbedarf und Ausfallkosten.

Die Elektrobranche spielt dabei eine größere Rolle, als Kraftwerksmeldungen vermuten lassen. Resilienz entsteht im Umspannwerk, Mittelspannungsnetz, Schutzkonzept, Energiemanagement und Verteiler. Sie entscheidet sich daran, ob eine Batterie nur den Eigenverbrauch erhöht oder im Ernstfall einen definierten Stromkreis übernimmt – und ob Verbrauch lediglich abgerechnet oder tatsächlich steuerbar wird.

Die Rechnung kommt. Entscheidend ist, ob sie aus verdorbener Ware, Reparaturen und Produktionsstillständen besteht – oder aus Investitionen, die den nächsten heißen Donnerstag zu einem beherrschbaren Betriebstag machen.

Von Thomas Buchbauer – Idee, Einordnung und journalistische Handschrift. Recherche und Textentwurf durch eine auf seinen Schreibstil abgestimmte KI; redaktionell geprüft, bearbeitet und verantwortet von Thomas Buchbauer.

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