Elektrotechnik wächst – aber die Statistik stellt eine unbequeme Frage:

WKÖ-Branchendaten Elektrotechnik 2026

von Nakisa Kaltenbach
Foto: © www.i-magazin.com / mit KI erstellt

Die Elektrotechnik in Österreich legt seit Jahren zu. Mehr Mitglieder, mehr Beschäftigte, fast zwölf Milliarden Euro Umsatz – und ein durchschnittlicher Personalaufwand, der über dem Gewerbe-Schnitt liegt. Doch die aktuelle Elektrotechniker Statistik der Wirtschaftskammer Österreich zeigt auch: Wachstum allein reicht nicht, wenn Nachwuchs, Gründungen und Investitionen nicht im selben Tempo mitziehen.

Eine Branche, die größer geworden ist

Laut WKÖ-Branchendaten Mai 2026 ist die Branche der Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker in Österreich seit 2010 deutlich gewachsen. Die Zahl der Fachgruppenmitgliedschaften stieg von 10.656 im Jahr 2010 auf 16.575 im Jahr 2025. Das entspricht einem Plus von 55,5 Prozent. Noch stärker wuchsen die aktiven Fachgruppenmitgliedschaften: von 8.534 auf 14.330 – ein Zuwachs von 67,9 Prozent.
Das ist mehr als eine statistische Randnotiz. Es ist der harte Hinweis darauf, dass Elektrotechnik Österreich längst nicht mehr nur klassische Installation bedeutet. Die Branche steht heute für Gebäude, Sicherheit, Kommunikation, Energie, Infrastruktur und technische Versorgung. Genau dort, wo die Gesellschaft elektrischer wird, wächst auch die Elektrobranche Österreich.

Aber ein Begriff muss sauber getrennt werden: Fachgruppenmitgliedschaften sind nicht automatisch Unternehmen. Die WKÖ weist ausdrücklich darauf hin, dass es durch regionale und fachliche Mehrfachmitgliedschaften zu Mehrfachzählungen kommen kann. Unternehmen und Beschäftigung werden hingegen nach rechtlichen Einheiten beziehungsweise Schwerpunktzuordnung ausgewiesen. Wer die Statistik liest, muss also unterscheiden: Mitgliedschaften zeigen die Breite der Branchenzugehörigkeit, Unternehmen zeigen die wirtschaftliche Einheit.

Mehr Beschäftigung, mehr Gewicht

Bei der Beschäftigung wird die Entwicklung besonders sichtbar. 2025 zählt die Branche 52.618 Arbeitnehmer ohne geringfügig Beschäftigte und 55.524 Arbeitnehmer inklusive geringfügig Beschäftigter. Im Jahr 2010 waren es inklusive geringfügiger Beschäftigung noch 38.726. Die Beschäftigung ist damit in 15 Jahren massiv gestiegen.
Die Elektrotechnik ist damit nicht nur ein technisches Rückgrat, sondern auch ein relevanter Arbeitgeber. 2025 entfallen 27.368 Beschäftigte auf Arbeiter, 23.139 auf Angestellte und 5.018 auf Lehrlinge. Der Frauenanteil liegt allerdings nur bei 18,4 Prozent. Das zeigt: Die Branche wird größer, aber sie wird noch nicht automatisch breiter.

Personalaufwand: Die Branche zahlt über dem Gewerbe-Schnitt

Interessant wird die Statistik dort, wo sie zeigt, was Arbeit in der Branche kostet. Der Personalaufwand der Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker lag 2023 bei 3,511 Milliarden Euro. Der durchschnittliche Personalaufwand je Arbeitnehmer betrug 63.799 Euro. Damit liegt die Branche deutlich über der Sparte Gewerbe und Handwerk mit 52.091 Euro und auch über der gewerblichen Wirtschaft insgesamt mit 58.813 Euro.

Wichtig ist dabei: Die Statistik spricht nicht vom durchschnittlichen Nettogehalt oder Bruttogehalt der Beschäftigten, sondern vom durchschnittlichen Personalaufwand je Arbeitnehmer. Darin enthalten sind Bruttolöhne und Bruttogehälter sowie Arbeitgeberbeiträge. Trotzdem ist die Kennzahl aussagekräftig: Elektrotechnik ist qualifikationsintensiv – und diese Qualifikation schlägt sich in den Kosten der Arbeit nieder.

Auch nach Unternehmensgröße zeigt sich ein klares Bild. In Großunternehmen mit 250 und mehr Beschäftigten liegt der durchschnittliche Personalaufwand je Arbeitnehmer bei 76.268 Euro. In Unternehmen mit 50 bis 249 Beschäftigten beträgt er 64.640 Euro, in Kleinstunternehmen mit 0 bis 9 Beschäftigten 67.428 Euro und in Betrieben mit 10 bis 49 Beschäftigten 54.522 Euro.

Fast zwölf Milliarden Euro Umsatz

Auch wirtschaftlich ist die Branche schwer zu übersehen. Für 2023 weist die Statistik 11,913 Milliarden Euro Umsatzerlöse aus. Die Bruttowertschöpfung liegt bei 4,507 Milliarden Euro, der Personalaufwand bei 3,511 Milliarden Euro. Die Investitionen betragen 286 Millionen Euro.

Damit ist klar: Die Branchenentwicklung Elektrotechnik ist keine Nische. Sie ist ein wirtschaftlicher Faktor. Gleichzeitig liegt die Investitionsquote mit 2,4 Prozent der Umsatzerlöse unter den Vergleichswerten der Sparte Gewerbe und Handwerk sowie der gewerblichen Wirtschaft insgesamt. Das ist einer jener Punkte, an denen die Statistik leise, aber deutlich wird. Die Branche verdient, beschäftigt und wächst – aber sie investiert im Verhältnis zum Umsatz nicht überdurchschnittlich stark.

Kleinbetriebe prägen das Bild – Beschäftigung sitzt aber anders

Die Struktur bleibt typisch österreichisch: klein, mittelständisch, breit verteilt. Im Jahr 2025 haben 90,2 Prozent der Unternehmen null bis neun Beschäftigte. Nur 0,3 Prozent der Unternehmen zählen zur Größenklasse ab 250 Beschäftigten.
Doch bei den Arbeitsplätzen verschiebt sich das Bild. Unternehmen mit null bis neun Beschäftigten stellen nur 19,1 Prozent der unselbständig Beschäftigten. Die meisten Beschäftigten arbeiten in Betrieben mit 10 bis 49 Beschäftigten oder in größeren Unternehmen. Die Branche ist also zahlenmäßig kleinbetrieblich, beschäftigungsmäßig aber deutlich stärker über mittlere und größere Strukturen verteilt.

Auffällig ist auch der EPU-Anteil. Er liegt 2025 bei 44,8 Prozent und damit deutlich unter dem Wert der Sparte Gewerbe und Handwerk mit 69,2 Prozent sowie unter der gewerblichen Wirtschaft insgesamt mit 62,1 Prozent. Elektrotechnik bleibt damit zwar unternehmerisch breit, aber nicht in jenem Ausmaß EPU-geprägt wie andere Gewerbebereiche.

Der Nachwuchs läuft nicht im Wachstumstempo

Eine spannende Reibung der Statistik liegt bei den Lehrlingen. 2010 zählte die Branche 6.539 Lehrlinge. 2025 waren es 6.294. Das ist ein Rückgang von 3,7 Prozent.
Das klingt auf den ersten Blick moderat. Im Verhältnis zum übrigen Wachstum ist es aber bemerkenswert. Mitgliedschaften und Beschäftigung steigen deutlich, die Lehrlingszahlen aber nicht. Nach einem Zwischenhoch von 6.793 Lehrlingen im Jahr 2023 ging die Zahl 2024 auf 6.554 und 2025 auf 6.294 zurück. Für eine Branche, die für Energiewende, Gebäudetechnik, Sicherheitstechnik und Digitalisierung gebraucht wird, ist das eine zentrale Kennzahl.

Gründungen: Der Peak ist vorbei

Auch bei den Unternehmensneugründungen zeigt die Elektrotechniker Statistik eine klare Bewegung. Nach Schwerpunktzuordnung stiegen die Neugründungen von 382 im Jahr 2020 auf 479 im Jahr 2021, 680 im Jahr 2022 und 883 im Jahr 2023. Danach fiel die Zahl auf 612 im Jahr 2024 und 585 im Jahr 2025.
Das bedeutet nicht, dass die Branche schrumpft. Das tut sie nicht. Aber der Gründungsboom hat nachgelassen. Die Gründungsquote liegt 2025 bei 4,9 Prozent. Damit ist die Dynamik niedriger als in den Spitzenjahren davor.

Der eigentliche Befund

Die WKÖ-Branchendaten Elektrotechnik zeigen eine starke Branche. Die Elektrotechnik in Österreich wächst bei Mitgliedschaften, Beschäftigung und wirtschaftlicher Leistung. Sie erwirtschaftet Milliardenumsätze, trägt Wertschöpfung und beschäftigt zehntausende Menschen. Und sie weist einen durchschnittlichen Personalaufwand je Arbeitnehmer aus, der über dem Gewerbe-Schnitt liegt.

Aber die Statistik erzählt keine reine Erfolgsgeschichte. Sie zeigt eine Branche mit Spannung im System: Die Beschäftigung wächst, aber die Lehrlingszahlen halten nicht Schritt. Die Unternehmensbasis ist breit, aber die Gründungsdynamik kühlt ab. Die wirtschaftliche Leistung ist hoch, aber die Investitionsquote bleibt vergleichsweise niedrig. Und der Frauenanteil zeigt, wie viel Potenzial noch nicht genutzt wird.

Die Elektrotechnik ist damit eine Wachstumsbranche. Ob dieses Wachstum langfristig tragfähig bleibt, entscheidet sich aber nicht an der Umsatzzeile allein. Es entscheidet sich daran, ob genug Fachkräfte nachkommen, ob Betriebe weiter investieren und ob aus technischer Notwendigkeit auch unternehmerische Dynamik wird.

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