Das Burgenland hat seinen Anteil erneuerbarer Energien am Bruttoinlandsverbrauch binnen drei Jahren von rund 50 auf über 70 Prozent gesteigert. Das geht aus dem aktuellen Energiewende-Check der Bundesländer des Österreichischen Biomasse-Verbandes hervor. Damit liegt das Burgenland laut Verband beim Erneuerbaren-Anteil an der Spitze der Bundesländer.
Getragen wird diese Entwicklung vor allem vom Ausbau der Windkraft, der Photovoltaik und zunehmend auch von Batteriespeichern. Anders als in vielen anderen Bundesländern spielt Wasserkraft im Burgenland aufgrund fehlender geeigneter Gewässer nur eine geringe Rolle. Bioenergie deckt laut Auswertung 29 Prozent des Energieverbrauchs und ist damit nach Erdöl und Windkraft der drittwichtigste Energieträger im Bundesland.
Stromproduktion seit Jahren vollständig erneuerbar
In der Stromerzeugung ist das Burgenland bereits seit 2013 rechnerisch vollständig erneuerbar. Ende 2024 waren laut Biomasse-Verband 428 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 1.370 MW in Betrieb. Sie erzeugten rund 11 PJ Strom und standen damit für etwa ein Drittel der österreichischen Windstromproduktion. Der Anteil der Windkraft an der burgenländischen Stromproduktion lag bei 78 Prozent.
Die Photovoltaik wurde später forciert, wuchs zuletzt aber stark. Zwischen 2019 und 2024 wurde die Solarstromerzeugung laut Verband nahezu verzehnfacht und erreichte 2,1 PJ. Damit trug Photovoltaik 15 Prozent zur Stromproduktion bei. Die installierte PV-Leistung lag Ende 2024 bei 1.027 MWp; 61 Prozent davon wurden laut Auswertung allein im Jahr 2024 errichtet. Weitere fünf Prozent der Stromerzeugung entfielen auf Holzkraftwerke und Biogasanlagen.
Stromexporte und Speicher als zentrale Systemfrage
Die hohe erneuerbare Stromproduktion führt gleichzeitig zu einem strukturellen Thema: 54 Prozent der burgenländischen Stromproduktion wurden laut Energiewende-Check exportiert. Der eigene Endenergiebedarf wird nur zu 18 Prozent durch Strom gedeckt. Rechnerisch hätten die Stromüberschüsse im Jahr 2024 rund 42 Prozent des fossilen Energieeinsatzes im Burgenland ersetzen können.
Um erneuerbare Überschüsse besser nutzbar zu machen, wurden in den vergangenen Jahren mehrere Großspeicher realisiert, unter anderem in Siegendorf, Oberpullendorf, Rechnitz, Apetlon und Nickelsdorf. In Nickelsdorf wurde im Juni 2026 ein Super-Hybridpark eröffnet, der Windkraft, Photovoltaik und Batteriespeicher über gemeinsame Infrastruktur kombiniert. Bis 2027 sollen im Burgenland Batteriespeicher mit insgesamt 700 MW Leistung entstehen.
Klimaschutzgesetz setzt Ziel für 2030
Das 2025 beschlossene burgenländische Klimaschutzgesetz sieht bis 2030 bilanzielle Klima- und Energieneutralität vor. Gemeint ist, dass die im Bundesland erzeugte Menge erneuerbarer Energie den gesamten Energieverbrauch übersteigen und damit weiterhin benötigte fossile Energie bilanziell kompensieren soll.
Im Rahmen des Projekts Tomorrow sind bis 2030 rund 40 Wind- und Photovoltaik-Hybridparks mit insgesamt 2.000 MW Leistung vorgesehen. Das Klimaschutzgesetz nennt für 2030 eine Erzeugung von mindestens 9.300 GWh erneuerbarer Energie. Der bisherige Höchstwert lag laut Verband 2024 bei 6.875 GWh.
Bioenergie prägt Wärmeversorgung
Bioenergie stammt im Burgenland überwiegend aus den Wäldern, die rund 34 Prozent der Landesfläche bedecken. Aufgrund des hohen Laubholzanteils liegt der Anteil der energetischen Nutzung am Holzeinschlag mit etwa 40 Prozent über dem österreichischen Durchschnitt von 27 Prozent. Scheitholz und Holzabfälle wie Waldhackgut und Sägenebenprodukte sind mit jeweils 39 Prozent die wichtigsten biogenen Energieträger.
Holzheizungen sind im Burgenland das wichtigste Heizsystem. Rund 35.000 Haushalte nutzen Holzbrennstoffe im Hauptheizsystem. Ihr Anteil liegt laut Auswertung bei 26 Prozent und damit vor Gasheizungen mit 23 Prozent, Wärmepumpen mit 22 Prozent und Fernwärme mit 13 Prozent. 2024 wurden 1.369 neue Holzheizungen unter 100 kW installiert, 2025 kamen 908 Biomassekessel dazu.
Die Zahl der Ölheizungen ist in den vergangenen 20 Jahren von 27.000 auf 15.000 gesunken. Der Austausch hat sich zuletzt jedoch verlangsamt. Gleichzeitig stieg die Zahl der Gasheizungen seit 2003/04 um rund 2.500 auf 30.500 Kessel. Ein vollständiger Ausstieg aus fossilen Heizsystemen ist damit laut den vorliegenden Daten noch nicht absehbar.
Fernwärme vollständig aus Biomasse
Eine Besonderheit weist die Fernwärme auf: Im Burgenland wird sie laut Biomasse-Verband als einzigem Bundesland vollständig aus Biomasse erzeugt. Grundlage dafür sind mehr als 90 Biomasseheizwerke sowie einige Holzkraftwerke. Rund 48 Prozent der Fernwärme gehen an private Haushalte, 43 Prozent an Dienstleistungsgebäude wie Hotels, Büros oder Krankenhäuser.
Aufgrund der dünnen Besiedelung bleibt der Anteil der Fernwärme am Raumwärmebedarf der Haushalte allerdings begrenzt. Im Burgenland liegt er bei fünf Prozent, österreichweit bei 17 Prozent.
Haushalte verbrauchen überdurchschnittlich viel Energie
Der Endenergieeinsatz der burgenländischen Haushalte ist seit 1990 um 13 Prozent gestiegen. 2024 entfielen 37 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs des Bundeslandes auf Haushalte; nur der Verkehr lag mit 38 Prozent darüber. Private Haushalte im Burgenland weisen laut Auswertung mit mehr als 22.000 kWh im Durchschnitt den höchsten Energieeinsatz für Raumwärme, Warmwasser und Kochen unter allen Bundesländern auf.
Ein wesentlicher Grund ist die Siedlungs- und Gebäudestruktur. Seit 1990 stieg die Zahl der Hauptwohnsitze um 44 Prozent, die Wohnungsfläche um 63 Prozent, während die Bevölkerung um 11 Prozent wuchs. Die durchschnittliche Wohnnutzfläche erhöhte sich von 111 auf 126 Quadratmeter. Gleichzeitig sank der Endenergieverbrauch pro Quadratmeter Wohnnutzfläche seit 1990 um 44 Prozent.
Verkehr verursacht die Hälfte der Emissionen
Der größte klimapolitische Schwachpunkt bleibt der Verkehr. Laut Energiewende-Check verursacht der Verkehrssektor die Hälfte der Treibhausgasemissionen des Burgenlandes. Seit 1990 sind die Verkehrsemissionen durch zunehmenden Straßenverkehr und Tanktourismus um 59 Prozent gestiegen.
Das Burgenland ist stark vom Pendelverkehr geprägt: Rund 40 Prozent der Erwerbstätigen pendeln in andere Bundesländer oder ins Ausland. Lange Wege werden häufig mit Diesel-Pkw zurückgelegt. Auf 100 Einwohner entfallen laut Verband 33 Diesel-Pkw, der höchste Wert unter den Bundesländern. Pro privatem Diesel-Pkw werden jährlich durchschnittlich 16.346 Kilometer gefahren und 1.011 Liter Kraftstoff getankt.
E-Mobilität mit Abstand zu den Zielen
Die E-Mobilitätsstrategie des Burgenlandes sieht bis 2030 einen deutlich höheren Anteil von Elektroautos vor. Ziel ist unter anderem ein Anteil emissionsfreier Autos an den Neuzulassungen von mehr als 95 Prozent sowie ein Bestand von über 50.000 E-Fahrzeugen.
Mitte 2026 lag der Bestand an Elektro-Pkw bei 9.789 Fahrzeugen. Das entspricht 4,6 Prozent des Pkw-Bestands. 2025 wurden 1.969 Elektro-Pkw neu zugelassen, was einem Anteil von 23 Prozent an den Neuzulassungen entspricht. Förderungen für die Neuanschaffung von E-Fahrzeugen sind laut Pressemeldung mit bis zu 2.000 Euro vorgesehen. Ergänzend wurden mit einer Verdichtung des Zugangebots und dem Klimaticket Anreize für Pendlerinnen und Pendler geschaffen.
Klimarisiken im Osten Österreichs nehmen zu
Der Energiewende-Check verweist auch auf die wachsende Betroffenheit des Burgenlandes durch Hitze und Dürre. Das Bundesland verfügt zwar über gute Voraussetzungen für Wind- und Sonnenstrom, leidet aber zugleich unter zunehmenden Extremereignissen. Für 2026 nennt der Verband unter anderem die schlechteste Getreideernte seit 56 Jahren sowie eine Tropennacht in Hornstein mit einem Tiefstwert von 28,5 Grad Celsius.
Bereits 2024 war im Burgenland laut Messgeschichte das bisher wärmste Jahr. Eisenstadt verzeichnete 48 Hitzetage und 27 Tropennächte. Im Vergleichszeitraum 1961 bis 1990 lagen die Durchschnittswerte bei elf Hitzetagen und zwei Tropennächten.
Weitere Informationen auf: www.biomasseverband.at
Quelle: Österreichischer Biomasseverband