gridX hat einen neuen englischsprachigen Connectivity Report veröffentlicht. Darin untersucht das Unternehmen, wie sich dezentrale Energieanlagen im Eigenheim besser vernetzen lassen und welche wirtschaftlichen Effekte durch Home-Energy-Management-Systeme, flexible Verbraucher und neue Installationsmodelle entstehen können.
Im Mittelpunkt steht nicht der einzelne Anwendungsfall, sondern die wachsende Zahl steuerbarer Anlagen in privaten Haushalten. Laut gridX sind in Deutschland rund 11,8 Mio. entsprechende Anlagen und Komponenten installiert – darunter rein elektrische Pkw, Wallboxen, Heimspeicher, Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen. Werden diese intelligent eingebunden, sieht das Unternehmen Einspar- und Erlöspotenziale von bis zu rund 1.500 Euro pro Haushalt und Jahr.
Flexibilität wird im Eigenheim wirtschaftlich relevanter
Als Indikator für den steigenden Bedarf an Flexibilität nennt gridX die Entwicklung der Negativpreisstunden am Strommarkt. Diese seien von 69 Stunden im Jahr 2022 auf 573 Stunden im Jahr 2025 gestiegen. Das Unternehmen wertet diese Entwicklung als Hinweis auf ein zunehmendes Ungleichgewicht zwischen Stromangebot und Nachfrage und auf die wachsende Bedeutung steuerbarer Verbrauchseinrichtungen.
Für Installationsbetriebe, Energieversorger und Anbieter von Energiemanagementlösungen ist daran vor allem die praktische Frage relevant: Wie lassen sich Wallbox, Wärmepumpe, Speicher, PV-Anlage und Elektrofahrzeug so verbinden, dass Eigenverbrauchsoptimierung, dynamische Tarife und netzdienliche Steuerung zusammenwirken?
Cloud-Anbindung und lokales Gateway erfüllen unterschiedliche Aufgaben
gridX unterscheidet im Report zwischen zwei grundsätzlichen Vernetzungswegen. Ein einzelnes Elektrofahrzeug kann demnach rasch über eine Cloud-Anbindung in ein Home-Energy-Management-System integriert werden. Haushalte mit mehreren Anlagen benötigen laut Unternehmen hingegen ein physisches Gateway, um das Gesamtsystem lokal zu steuern.
Ein solches Gateway soll unter anderem bis zu zehn Tage offlinefähig sein und in Deutschland die regulatorische Nachweisführung für § 14a EnWG und § 9 EEG unterstützen. Außerdem bildet es laut gridX die Grundlage für sogenanntes Value Stacking – also die Kombination von netzdienlicher Steuerung, Eigenverbrauchsoptimierung und Optimierung nach dynamischen Stromtarifen.
Für diese Anwendungen nennt gridX Erlöspotenziale von bis zu rund 1.050 Euro jährlich. Werden steuerbare Verbrauchseinrichtungen ab 2027 zusätzlich für Flexibilitätsdienste bereitgestellt, sieht das Unternehmen weitere 400 bis 800 Euro als möglich an. In der Spitze beziffert gridX das Gesamtpotenzial mit bis zu rund 1.500 Euro pro Jahr. Die konkreten Werte hängen von Anlagenkonfiguration, Tarifmodell, Marktbedingungen und Nutzung ab.
Jonas Quilitz, geschäftsführender Chief Product Officer von gridX, ordnet die technische Entwicklung so ein: „Unsere Branche ist bei der Installation neuer Anlagen mittlerweile deutlich schneller als bei deren Vernetzung. Wer Flexibilität im Eigenheim erschließen will, setzt jetzt auf beide Wege: die Cloud-Anbindung, um schnell eine hohe Anzahl von Fahrzeugen zu verknüpfen, und das lokale Gateway, um das volle Steuerungs- und Optimierungspotenzial des Gesamtsetups auszuschöpfen. Weder Energieversorger noch Endkund:innen sollten sich zwischen Tempo und Wertschöpfung entscheiden müssen.“
Interoperabilität als Voraussetzung für skalierbare HEMS-Projekte
Ein zentraler Punkt im Report ist die Interoperabilität zwischen Energiemanagementplattform, Gateway und angeschlossenen Geräten. Die Xenon-Plattform beziehungsweise die gridBox von gridX unterstützt nach Unternehmensangaben mehr als 500 Geräte von über 50 internationalen Herstellern.
Eigene Erhebungen unter Installateuren zeigen laut gridX, dass der vollständige Scan aller Netzwerkkomponenten im Durchschnitt weniger als 90 Sekunden dauert. 63 % der gridBox-Installationen seien in weniger als zehn Minuten abgeschlossen. Die Installationsfreundlichkeit bewerteten die befragten Installateure im Schnitt mit 4,1 von 5 Sternen.
Bei Geräten von Ready-for-gridX-Partnern wie go-e oder Huawei sollen vorvalidierte Integrationen die Zahl der Supporttickets um drei Viertel reduzieren. Für den Elektrogroßhandel, Installationsbetriebe und Systemanbieter ist dieser Punkt relevant, weil Komplexität und Supportaufwand bei gemischten Anlagenlandschaften oft zu den größten Hürden im Rollout zählen.
Remote-Inbetriebnahme mit Koehrer Solar
Gemeinsam mit dem Installationspartner Koehrer Solar hat gridX eine Remote-Installation der gridBox ausgerollt. Dabei wird die Kommissionierung im Backoffice vorbereitet; vor Ort bleibt im Wesentlichen die Hardwareeinrichtung beim Kunden beziehungsweise bei der Kundin.
Raphael Köhrer, Geschäftsführer von Koehrer Solar, beschreibt den Effekt so: „Die Möglichkeit, die Kommissionierung aus der Ferne im Backoffice vorzubereiten und anschließend nur noch die Hardwareeinrichtung bei Kund:innen vor Ort durchzuführen, spart unseren Installateuren Zeit und macht Schulungen hinfällig. Das reduziert nicht nur die Kosten für unser Unternehmen, sondern erhöht auch die Zufriedenheit der Endnutzer:innen.“
Neben der Remote-Installation nennt gridX drei weitere Modelle: die vollständige Eigeninstallation, die unter anderem bei Endkund:innen von E.ON Deutschland eingesetzt werde; die unterstützte Eigeninstallation, etwa mit telefonischer Begleitung; sowie die professionelle Installation und Inbetriebnahme vor Ort durch Installateur:innen mithilfe des Installer Hub.
Cybersicherheit bleibt Teil der Systemfrage
Mit der stärkeren Vernetzung steigt auch die Bedeutung der IT-Sicherheit im Energiesektor. gridX verweist im Report auf Schätzungen, wonach ein Cyberangriff die Branche im Jahr 2026 global im Schnitt rund 5,2 Mio. US-Dollar beziehungsweise etwa 4,5 Mio. Euro kosten kann. Seit 2022 seien 23 Cyberangriffe auf den europäischen Energiesektor verübt worden.
Für die eigene Plattform nennt gridX eine Cybervadis-Bewertung von 895 von 1.000 Punkten sowie eine durchschnittliche Plattformverfügbarkeit von 99,99 % im ersten Halbjahr 2026. Für Betreiber und Partner von HEMS-Lösungen zeigt der Report damit auch: Vernetzung, Flexibilitätsvermarktung und Cybersicherheit lassen sich in künftigen Energiemanagementprojekten kaum getrennt betrachten.
Der Link zur Downloadseite des Reports lautet: Connectivity Report 2026: Europas vernetzte Energiezukunft | gridX
Quelle: gridX GmbH