Energieagentur beziffert Mehrkosten durch fossile Abhängigkeit:

Iran-Krieg verteuert Österreichs Öl- und Gasimporte

von David Lodahl
Foto: © www.i-magazin.com/KI generiert

Die seit Beginn des Iran-Kriegs gestiegenen Öl- und Gaspreise haben Österreich laut Österreichischer Energieagentur in den vergangenen sechs Monaten deutlich belastet. Die Agentur beziffert die zusätzlichen Kosten bei Diesel und Gasimporten auf hohe dreistellige Millionen- beziehungsweise Milliardenbeträge. Für ein Importland wie Österreich zeigen die Preissprünge, wie stark geopolitische Konflikte auf Energiekosten, Mobilität, Wärmeversorgung und Standortkosten durchschlagen können.

Basis der Abschätzung ist ein Vergleich der tatsächlichen Preisentwicklung der vergangenen sechs Monate mit dem Durchschnittspreis der beiden Monate vor Kriegsbeginn. Der europäische Gaspreis TTF liegt laut Mitteilung aktuell bei rund 66 Euro je Megawattstunde und damit etwa doppelt so hoch wie vor Kriegsbeginn. Brent-Rohöl schwankte im selben Zeitraum stark, erreichte zeitweise mehr als 120 Dollar je Barrel und notiert aktuell bei fast 90 Dollar. Das liegt knapp ein Drittel über dem Vorkriegs-Durchschnitt von 67 Dollar.

Diesel verursacht besonders hohe Mehrkosten

Besonders sichtbar werden die Preissteigerungen beim Diesel. In Österreich werden laut Österreichischer Energieagentur täglich durchschnittlich 18 Millionen Liter Diesel verkauft. Für Endverbraucherinnen und Endverbraucher ergeben sich daraus in den sechs Monaten seit Kriegsbeginn rechnerische Mehrkosten von rund 1,1 Milliarden Euro netto, also ohne Umsatzsteuer. Die gesamten Nettoausgaben für Diesel lagen in diesem Zeitraum bei mehr als 6 Milliarden Euro.

Die Mehrausgaben beim Diesel führt die Agentur primär auf höhere Rohölpreise zurück. Für das importierte Rohöl ergeben sich demnach rechnerische Mehrkosten von rund 680 Millionen Euro. Nicht eingerechnet sind dabei zusätzliche Preissteigerungen etwa bei Transport oder Versicherung.

Gasimporte um rund 500 Millionen Euro teurer

Auch bei Gas schlägt die Entwicklung an den Börsen auf Österreich durch. Nach Angaben der Österreichischen Energieagentur sind die Börsepreise seit Anfang März deutlich gestiegen. Für den Import von Gas ergeben sich daraus in den vergangenen sechs Monaten Mehrkosten von rund 500 Millionen Euro.

Diese zusätzlichen Belastungen kommen zu den laufenden Ausgaben für fossile Energieimporte hinzu. Österreich wendet laut Agentur bei Normalpreisen jährlich rund 9 bis 10 Milliarden Euro für den Import von Kohle, Öl und Gas auf. Diese Mittel fließen ins Ausland und stehen damit nicht für Investitionen im Inland zur Verfügung.

Importabhängigkeit als wirtschaftliches Risiko

Franz Angerer, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur, verweist auf die strukturelle Abhängigkeit von internationalen Energiemärkten: „Diese Kosten entstehen, weil wir bei Öl und Gas auf Importe angewiesen sind, deren Preis wir nicht beeinflussen können. Bei Gas sind wir zu mehr als 90 Prozent, bei Öl zu rund 95 Prozent auf Importe angewiesen. Eine Eskalation am Golf oder auf anderen wichtigen Lieferrouten schlägt damit direkt auf Tankrechnungen, Heizkosten und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe durch. Wir zahlen den Preis für Konflikte, auf die wir keinen Einfluss haben.“

Für Industrie, Gewerbe, Energieversorger und Gebäudetechnik ist diese Preisabhängigkeit nicht nur eine Frage kurzfristiger Energiekosten. Sie betrifft auch Planbarkeit, Investitionsentscheidungen und die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Prozesse. Volatile Öl- und Gaspreise erschweren Kalkulationen in Mobilität, Prozesswärme, Raumwärme und Logistik.

Erneuerbare Energie und Effizienz als Gegenstrategie

Als Ausweg nennt die Österreichische Energieagentur den schrittweisen Ersatz importierter fossiler Energieträger durch heimisch erzeugte Energie. Dazu zählen vor allem Strom aus erneuerbaren Quellen, Erdwärme und Bioenergie. In der Anwendung verweist die Agentur unter anderem auf Wärmepumpen und Elektromobilität.

Angerer betont dabei neben der Energieerzeugung auch die Bedeutung europäischer Wertschöpfung und technologischer Souveränität: „Wer auf eine Wärmepumpe oder ein Elektrofahrzeug umsteigt, macht sich unabhängiger von Preisen, die anderswo gemacht werden. Diese Technologien leisten mit deutlich weniger Energieeinsatz das Gleiche oder mehr. Das spart nicht nur Energiekosten, sondern erhöht auch die Produktivität und schafft heimische Wertschöpfung.“

Der Zusammenhang geht damit über Klimapolitik hinaus. Der Umstieg auf erneuerbare Energien und effizientere Technologien kann aus Sicht der Energieagentur auch die Abhängigkeit von internationalen Preissprüngen reduzieren, die Energieproduktivität erhöhen und mehr Wertschöpfung im Inland halten.

Weitere Informationen finden Sie unter www.energyagency.at.

Quelle: Österreichische Energieagentur – Austrian Energy Agency

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