Neue Daten, alte Grenzen:

Mehr Wind als gedacht – aber dürfen wir ihn auch nutzen?

von Julia Petz
von Thomas Buchbauer – Recherche, Konzept und Kuration Foto: © www.i-magazin.com / KI-generiert mit ChatGPT / OpenAI, Symbolbild

Österreich weiß heute genauer als noch vor 15 Jahren, woher der Wind weht. Was zunächst nach einer methodischen Aktualisierung des Windatlas klingt, könnte energiewirtschaftlich weitreichende Folgen haben. Denn bessere Daten verändern die Grundlage, auf der mögliche Erzeugungsräume bewertet werden.

Genau darin liegt die Brisanz des neuen Windatlas Österreich 2026.

Erstellt wurde er im Auftrag des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) vom oberösterreichischen Planungsbüro Energiewerkstatt, in Kooperation mit der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Das Projekt lief im Rahmen der Green Transition Information Factories, kurz GTIF – einer Zusammenarbeit von BMIMI und ESA, die Erdbeobachtungsdaten für die Energiewende nutzbar machen soll. Infrastrukturminister Peter Hanke ordnet das Ergebnis so ein: „Mit dem Windatlas 2026 schaffen wir die bisherige beste Grundlage, um das Windkraftpotenzial wissenschaftlich fundiert zu bewerten.“

Technisch ist der Sprung erheblich. Die Energiewerkstatt hat die bisher maßgebliche Datengrundlage aus dem Jahr 2011 methodisch weiterentwickelt. Die langjährigen mittleren Windgeschwindigkeiten werden auf einem Raster von 100 mal 100 Metern für 80, 100, 130 und 150 Meter über Grund dargestellt. Numerische Wettermodelle werden dabei mit hochaufgelösten geografischen Informationen, Geländedaten, ESA-Satellitendaten sowie Kalibrierungs- und Validierungsdaten aus österreichischen Windmessungen verknüpft. Andreas Krenn von der Energiewerkstatt fasst zusammen, die Kombination aus modernen Klimamodellen und Satellitendaten ermögliche eine präzisere Bewertung der Windverhältnisse. Die Kartenanwendung ist kostenlos zugänglich.

Die Windkarte verändert sich

Spannend wird der Atlas dort, wo sich gegenüber der bisherigen Datengrundlage andere Bewertungsmuster zeigen. Die zur Veröffentlichung kommunizierten Ergebnisse verweisen für Oberösterreich auf das südliche Traunviertel sowie das nördliche und nordöstliche Mühlviertel. Im Grenzraum zwischen Niederösterreich und der Steiermark rücken das Alpenvorland, die Mürzsteger Alpen und die Region Semmering stärker in den Fokus, in Salzburg der Bereich von den Loferer und Leoganger Steinbergen bis zu den Berchtesgadener Alpen, in Tirol die Ötztaler und Zillertaler Alpen. Auch für Kärnten weist der Atlas zusätzliche Potenzialräume aus.

Gleichzeitig zeigen die neuen Berechnungen Regionen mit schwächeren Werten als bisher angenommen – konkret Gebiete westlich von Graz und die Region rund um den Vorarlberger Rätikon. Das macht deutlich, welchen Zweck der Atlas erfüllt: Er schärft das Bild der österreichischen Windverhältnisse und hilft dabei, jene Räume einzugrenzen, die eine vertiefende Untersuchung verdienen.

Die öffentlich zugängliche Kartenanwendung liefert dafür eine erste Orientierung. Für konkrete Projekte folgen darauf detaillierte Standortmessungen sowie Prüfungen zu Raumordnung, Natur- und Artenschutz, Erschließung, Netzanschluss, Wirtschaftlichkeit und Genehmigungsfähigkeit.

Ein guter Windwert markiert damit vor allem eines: einen Ort, an dem sich genaueres Hinsehen lohnt.

Oberösterreich wird zum Testfall

Besonders interessant ist Oberösterreich. Gerade im südlichen Traunviertel und in Teilen des nördlichen und nordöstlichen Mühlviertels zeigen die neuen Daten günstigere Windverhältnisse. Gleichzeitig liegen diese Räume nach übereinstimmender Berichterstattung überwiegend in Gebieten, die das Land als künftige Ausschlusszonen vorgesehen hat.

Der Oö. Windkraft-Leitfaden in der Fassung Juni 2026 teilt das Land für die künftige Windkraftplanung grundsätzlich in drei Kategorien ein. In Beschleunigungsgebieten soll der Ausbau erneuerbarer Energien besonders erleichtert und Verfahren sollen vereinfacht beziehungsweise beschleunigt werden. Neutrale Gebiete stehen grundsätzlich für Windkraftprojekte offen, allerdings muss dort weiterhin für jeden Standort im Einzelfall geprüft werden, ob ein Projekt tatsächlich zulässig ist. In Ausschlussgebieten sollen neue Windkraftanlagen grundsätzlich nicht errichtet werden können. Die zugehörigen Verordnungen sind allerdings noch nicht erlassen – der Leitfaden kündigt sie für das Jahr 2026 an.

Auf den ersten Blick klingt die Flächenbilanz großzügig: Nach den Angaben des Landes zum Verordnungsentwurf sollen 65,47 Prozent der oberösterreichischen Landesfläche grundsätzlich für Windkraft verfügbar bleiben. Doch nur 0,74 Prozent der Landesfläche sind als eigentliche Beschleunigungsgebiete für Windkraft vorgesehen, das entspricht rund 8.900 Hektar. Rund 64,73 Prozent entfallen auf neutrale Zonen, in denen weiterhin sämtliche relevanten Standortfragen geprüft werden müssen. Dem stehen 34,53 Prozent der Landesfläche gegenüber, die als Ausschlusszone für Windkraft ausgewiesen werden sollen. Die Zahl von 65,47 Prozent sagt daher noch wenig darüber aus, wie viel Fläche am Ende tatsächlich für neue Windparks genutzt werden kann.

Oder anders formuliert, steckt die eigentliche Diskussion bereits in den Zahlen: Eine große grundsätzlich verfügbare Fläche sagt wenig darüber aus, wie viele Projekte dort tatsächlich realisierbar sind.

Schutzgebiete, Natur- und Artenschutz, Wald, Wasser, Landschaft, Tourismus, Siedlungsstrukturen und Luftfahrt bleiben Teil der Standortbewertung. Die neue Windkarte verändert diese Interessen nicht. Sie verändert allerdings die Information, auf deren Grundlage sie gegeneinander abgewogen werden.

Und genau hier beginnt die politische Frage: Sollte eine Raumplanung neu betrachtet werden, wenn eine wesentlich bessere meteorologische Datengrundlage zusätzliche interessante Räume sichtbar macht?

Die Windbranche erhöht den Druck

Für die IG Windkraft ist die Antwort klar. Der Branchenverband schätzt das Windstrompotenzial Oberösterreichs auf rund 8 TWh pro Jahr – nach eigener Rechnung genug für etwa die Hälfte des oberösterreichischen Stromverbrauchs – und verortet rund 1,8 TWh davon in Flächen, die von Ausschlusszonen betroffen wären. Das entspricht nach Darstellung des Verbands exakt jener Energiemenge, die Oberösterreich für sein Ausbauziel bis 2040 benötigt. Die IG Windkraft fordert deshalb größere beziehungsweise zusätzliche Flächen für den Ausbau und kritisiert die aus ihrer Sicht zu restriktive Zonierung.

Das Land verfolgt eine andere Abwägung und stellt Natur-, Landschafts-, Tourismus- und weitere öffentliche Interessen in den Vordergrund. Aus dem Büro von Wirtschafts- und Energie-Landesrat Markus Achleitner heißt es, alle Windkraftprojekte an Standorten mit genügend Wind und Genehmigungsfähigkeit sollten umgesetzt werden. Der Bestand ist überschaubar: In Oberösterreich sind derzeit 31 Großanlagen in Betrieb, 64 weitere befinden sich in Genehmigungsverfahren.

Gerade diese unterschiedlichen Bewertungen machen den Windatlas politisch relevant. Denn erstmals seit Jahren steht für diese Diskussion eine deutlich verfeinerte Datengrundlage zur Verfügung.

Was aus alten Standorten werden kann

Neben neuen Flächen rückt eine zweite Option in den Blick: bestehende Standorte. Der Oö. Windkraft-Leitfaden führt „grundsätzliche Regelungen für Repowering an Bestandswindkraftstandorten“ ausdrücklich unter jenen Punkten an, die sich gegenüber dem Windkraft-Masterplan 2012 geändert haben. Wie viel dort zu holen ist, zeigt ein Blick auf die Technik der ersten Generation.

Der Windpark Spörbichl in Windhaag bei Freistadt ist dafür das anschaulichste Beispiel im Land. Dort drehen sich seit Oktober 1999 zwei Anlagen mit je 660 kW, Nabenhöhe 65 Meter, Rotordurchmesser 47 Meter – zusammen 1,32 MW für rund 550 Haushalte. Zum Vergleich: Der neue Windatlas rechnet Windgeschwindigkeiten für Höhen von 80 bis 150 Meter über Grund, weil moderne Anlagen dort arbeiten. Eine heutige Turbine erreicht ein Vielfaches der Leistung einer Maschine aus 1999, auf derselben Fläche und mit bereits vorhandener Zuwegung und Netzanbindung.

In Spörbichl geht man allerdings einen anderen Weg als das reine Ersetzen der Türme. Die Regios Energiegenossenschaft hat den Windpark mit Jahresende 2025 von der bisherigen Betreiberin Neue Energie GmbH übernommen und entwickelt ihn zum ersten Hybrid-Kraftwerk Oberösterreichs: Wind, Agri-Photovoltaik und ein Batteriespeicher an einem Netzanschlusspunkt. Studierende der Boku Wien untersuchen in einem geförderten Projekt, wie PV-Anlage und Speicher optimal zu dimensionieren sind; der Speicher soll dabei nicht größer werden als vier Telefonzellen. Die erste Ausbaustufe war ab Mitte 2026 vorgesehen, das Bürgerbeteiligungsmodell aus dem Gründungsjahr 1999 bleibt erhalten.

Damit ist der Standort ein Muster für das, was neue Winddaten praktisch auslösen können: nicht nur die Frage, wo ein zusätzlicher Rotor stehen darf, sondern auch, wie viel mehr aus einem längst erschlossenen Punkt im Netz herauszuholen ist.

Aus einer Karte wird eine Systemfrage

Die eigentliche Bedeutung des Windatlas reicht ohnehin weit über einzelne Windparks hinaus.

Österreich elektrifiziert zunehmend Mobilität, Wärme und Industrie. Rechenzentren und Digitalisierung erhöhen zusätzlich den Strombedarf. Parallel dazu soll fossile Energie aus dem System gedrängt und ein größerer Teil des Bedarfs aus heimischer Erzeugung gedeckt werden.

Dafür braucht es ein Zusammenspiel aus Erzeugung, Netzen, Speichern, Flexibilität und Verbrauch.

Windkraft hat in diesem System einen besonderen Wert. GTIF Austria verweist darauf, dass Windenergie Photovoltaik und Wasserkraft gerade dann ergänzt, wenn diese weniger verfügbar sind – während der Nacht und in den Wintermonaten. Genau diese zeitliche Ergänzung gewinnt an Bedeutung, wenn der Anteil wetterabhängiger Erzeugung weiter steigt.

Photovoltaik liefert ihre größten Energiemengen vor allem in den sonnenreichen Monaten und während des Tages. Wind kann saisonal und tageszeitlich andere Erzeugungsprofile beisteuern. Gemeinsam mit Wasserkraft, Speichern, flexiblen Verbrauchern und Netzen entsteht daraus ein robusteres Gesamtsystem.

Damit bekommt der Windatlas eine Bedeutung, die weit über die Frage hinausgeht, wo ein Rotor stehen könnte.

Die nächste Karte müsste das Stromnetz zeigen

Und damit landet die Geschichte mitten in der Elektrobranche.

Zwei Tage vor der Veröffentlichung des Windatlas, am 11. August 2026, legte die IG Windkraft ihre Stellungnahme zu den Verteilnetzentwicklungsplänen der Verteilernetzbetreiber vor. Ihr zentraler Vorwurf: Die vorliegenden Pläne orientierten sich „vielfach noch zu wenig an den langfristigen Ausbauzielen der erneuerbaren Energien“ und reagierten „häufig erst auf bestehende Netzanschlussanfragen“. Gefordert wird stattdessen eine Netzplanung, die sich „konsequent an den Windenergiepotenzialen, den Raumordnungszielen der Bundesländer und den energiepolitischen Zielsetzungen bis 2040 orientiert“.

Dazu kommen zwei Forderungen, die für Planer und Netzbetreiber unmittelbar praktisch sind. Erstens Transparenz: Projektentwickler bräuchten nachvollziehbare Informationen über verfügbare Netzanschlusskapazitäten, konkret eine technologiespezifische Ausweisung der für Windenergie verfügbaren Anschlusskapazitäten sowie eine transparentere Darstellung der Investitionskosten. Zweitens ein strukturierter Dialog zwischen Netzbetreibern, Raumplanung und Windbranche – damit, wie es in der Stellungnahme heißt, „der Ausbau der Windenergie nicht am fehlenden Netz scheitert“.

Die dahinterstehende Frage ist zentral: Wenn wir heute wissen, wo morgen größere Erzeugungsräume entstehen könnten – wann muss dort der Netzausbau beginnen?

Windkraft braucht Leitungen, Umspannwerke, Transformatoren, Schutz- und Regeltechnik, Messung, Kommunikation und leistungsfähige Netzanschlüsse. Dazu kommen zunehmend Speicher und flexible Anschlusskonzepte.

Für Elektriker, Planer, Netzbetreiber und Industrie liegt genau hier der praktische Wert der neuen Daten. Ein Erzeugungsraum wird für das Energiesystem erst dann wirklich interessant, wenn die elektrische Infrastruktur mitwachsen kann.

Speicher werden Teil der Standortfrage

Auch Batteriespeicher und Hybridanlagen verändern die Betrachtung. Die IG Windkraft fordert in derselben Stellungnahme, „Flexibilitäten und Energiespeicher künftig stärker in die Netzplanung einzubeziehen“ – Batteriespeicher dürften nicht „ausschließlich als zusätzliche Netzlast betrachtet werden“. Speicher können Erzeugung zeitlich verschieben, Netzspitzen reduzieren und Anschlusskapazitäten effizienter nutzen.

Wien Energie zeigt, wie stark diese Entwicklung bereits in die Praxis hineinreicht. Das Unternehmen überschritt im Juli 2026 nach eigenen Angaben die Marke von 1.000 MW installierter Leistung aus Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft. Rund 520 MW davon entfallen auf Windkraft, über 380 MW auf Photovoltaik. Wesentlicher Treiber war die Übernahme sämtlicher Anteile am Erneuerbaren-Pionier ImWind, der damit zur Wien-Energie-Tochter wurde; dazu kamen die Windparks Loidesthal II mit 62 MW und Ebreichsdorf mit 35 MW.

Parallel dazu wächst die Speicherinfrastruktur: Am Standort Schafflerhofstraße in Wien-Donaustadt arbeitet ein Batteriespeicher mit 5 MW Leistung und 12 MWh Kapazität. Weitere Projekte mit insgesamt 25 MW und 60 MWh befinden sich laut Wien Energie in Realisierung – zusammen also 30 MW und 72 MWh. Bis 2030 will Wien Energie gemeinsam mit ImWind 1.800 MW Erneuerbaren-Leistung erreichen, bis 2040 sollen es 2.800 MW sein.

Die Dimensionen zeigen, worum es geht: Neue Erzeugungsräume sind längst keine akademische Frage. Sie werden zu Infrastrukturentscheidungen.

125 Prozent – eine Zahl mit großem Sternchen

IG-Windkraft-Geschäftsführer Florian Maringer argumentiert im Zusammenhang mit dem neuen Atlas: „Bereits bisher war klar, dass wir mit ähnlichen Zielen wie Deutschland 125 % des österreichischen Stromverbrauchs durch die Windenergie abdecken können.“ Gemeint ist damit ein Flächenziel in der Größenordnung des deutschen Zwei-Prozent-Ziels nach dem Windenergieflächenbedarfsgesetz.

Maringer selbst stellt mit dem „bereits bisher“ klar: Diese Zahl ist kein Ergebnis des Windatlas 2026, sondern eine ältere Potenzial- und Ausbauargumentation des Branchenverbands.

Der tatsächliche Bestand ist wesentlich kleiner. Laut IG Windkraft standen Ende 2025 in Österreich 1.447 Windkraftanlagen mit 4.221 MW Leistung. Die jährliche Windstromproduktion beziffert der Verband mit rund 9,7 TWh – das entspricht rund 16 Prozent des österreichischen Stromverbrauchs beziehungsweise dem Bedarf von etwa 2,7 Millionen Haushalten. Weitere Projekte mit rund 3.500 MW befinden sich nach Angaben der IG Windkraft in unterschiedlichen Genehmigungsphasen. Würden sie alle gebaut, käme das einer Verdoppelung der heute installierten Leistung nahe.

Damit zeigt sich auch die gewaltige Distanz zwischen theoretischer Ressource, geplantem Projekt und tatsächlich laufender Anlage.

Jetzt trifft der Atlas auf das EABG

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung könnte kaum passender sein.

Am 1. Juli 2026 wurde das Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetz, kurz EABG, kundgemacht (BGBl. I Nr. 47/2026). Mehrere Bestimmungen gelten seit 2. Juli 2026, weitere Teile des Genehmigungs- und Verfahrensregimes werden mit 1. Jänner 2027 wirksam. Kern des Gesetzes ist ein konzentriertes Genehmigungsverfahren, mit dem Österreich die Vorgaben der EU-Richtlinie RED III umsetzt.

Das Gesetz verbindet den Ausbau erneuerbarer Energie stärker mit Flächenplanung, Genehmigungsverfahren, Netzinfrastruktur und Erzeugungsbeitragswerten der Bundesländer. Der am 11. Juni 2026 im Nationalrat beschlossene Rahmen sieht 30 TWh zusätzliche erneuerbare Stromerzeugung bis 2030 und mindestens 40 TWh bis 2035 vor, jeweils gegenüber dem Referenzjahr 2020. Die Regierungsvorlage hatte ursprünglich 27 TWh vorgesehen, die Erhöhung kam per Abänderungsantrag zustande. Die 30 TWh sind auf die Bundesländer aufgeteilt, den größten Beitrag trägt mit 6,14 TWh Niederösterreich. Für Batteriespeicher verankert das Gesetz zusätzlich ein Ziel von 5 GW kumulierter Kapazität bis 2030. Ab 2027 müssen die Länder über den Fortschritt berichten; wer die Ziele verfehlt, verliert Mittel aus dem Technologiefonds.

Damit trifft der Windatlas auf einen Zeitpunkt, an dem Österreich seine Ausbauplanung konkretisieren muss.

Wer Ausbauziele festlegt, braucht Antworten auf drei Fragen: Wo liegen die Ressourcen? Wo können Projekte realisiert werden? Und wo steht rechtzeitig das Netz?

Die erste lässt sich seit 2026 präziser beantworten. Bei den anderen beiden beginnt jetzt die eigentliche Arbeit.

Die Karte ist fertig. Jetzt beginnt die Entscheidung.

Der Windatlas legt fest, wo Österreich genauer hinschauen kann. Was daraus entsteht, entscheidet sich an anderer Stelle: in der Raumplanung, in Genehmigungsverfahren, beim Netzausbau, bei Speichern und letztlich in der Energiepolitik.

Welche Räume sollen genutzt werden? Welche bleiben geschützt? Wo muss elektrische Infrastruktur vorbereitet werden? Und wie rasch lassen sich Projekte tatsächlich umsetzen?

Der neue Atlas löst diese Fragen nicht. Er verändert jedoch die Grundlage, auf der Österreich sie beantworten muss.

Wir wissen jetzt genauer, woher der Wind weht. Spannend wird, was wir daraus machen.

Windatlas 2026 auf einen Blick
  • Auftraggeber: Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI); Umsetzung durch die Energiewerkstatt in Kooperation mit der ESA im Rahmen von GTIF Austria
  • Veröffentlicht: 13. August 2026, kostenlos unter windatlas.energiewerkstatt.org
  • Auflösung: 100 × 100 Meter
  • Höhen: 80, 100, 130 und 150 Meter über Grund
  • Grundlage: numerische Wetter- und Klimamodelle, hochaufgelöste geografische Daten, ESA-Satellitendaten, Geländedaten sowie Kalibrierungs- und Validierungsdaten aus österreichischen Windmessungen
  • Höhere Bewertungen: südliches Traunviertel sowie nördliches und nordöstliches Mühlviertel (OÖ), Alpenvorland, Mürzsteger Alpen und Region Semmering (Grenzraum NÖ/Steiermark), Loferer und Leoganger Steinberge bis Berchtesgadener Alpen (Salzburg), Ötztaler und Zillertaler Alpen (Tirol), zusätzliche Räume in Kärnten
  • Niedrigere Bewertungen: Gebiete westlich von Graz, Region um den Vorarlberger Rätikon
  • Praktischer Nutzen: Vorauswahl und vertiefte Bewertung möglicher Standorträume – keine Genehmigungsgrundlage
Windkraft in Österreich, Stand Ende 2025
  • 1.447 Windkraftanlagen mit 4.221 MW Leistung
  • Rund 9,7 TWh Jahresproduktion – etwa 16 Prozent des österreichischen Stromverbrauchs
  • Versorgung von rund 2,7 Millionen Haushalten
  • Rund 3.500 MW in unterschiedlichen Genehmigungsphasen
  • Oberösterreich: 31 Großanlagen in Betrieb, 64 in Genehmigungsverfahren
  • Quelle: IG Windkraft

Quelle: Interaktiver Windatlas Österreich 2026 – windatlas.energiewerkstatt.org

Hintergrund und Methodik: energiewerkstatt.org/windatlas-oesterreich-2026/

Projektkontext: gtif-austria.info/narratives/wind_atlas

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