E-Control-Entwurf zu Netzentgelten ab 2027:

Neue Netztarife: Verband warnt vor höheren Ladekosten

von David Lodahl
Foto: © www.i-magazin.com / mit KI erstellt

Der Bundesverband Elektromobilität Österreich warnt vor möglichen Mehrkosten für das Laden von Elektroautos durch die geplante neue Netztarifstruktur. Grundlage ist ein Begutachtungsentwurf der E-Control, nach dem künftig nicht nur der Stromverbrauch, sondern auch Leistungsspitzen stärker in die Berechnung der Netzkosten einfließen sollen.

Betroffen sein könnten nach Einschätzung des Verbands öffentliche Ladepunkte sowie gemeinschaftliche Ladeanlagen in Mehrparteienhäusern. Die konkrete Tarifverordnung steht allerdings noch aus. Die neue Netzentgeltstruktur soll laut E-Control ab 1. Jänner 2027 gelten.

Öffentliche Ladepunkte unter Kostendruck

Nach Angaben des Bundesverbands Elektromobilität Österreich könnten bis zu 50 Prozent der öffentlichen Ladepunkte von den geplanten Änderungen betroffen sein. Besonders Standorte in Wohngebieten, im ländlichen Raum und an weniger frequentierten Orten könnten dadurch wirtschaftlich unter Druck geraten.

„Öffentliche AC-Ladepunkte (mit 11 und 22 kW Leistung) sind für viele Menschen ohne eigene Wallbox unverzichtbar. Werden geringe Auslastung und jederzeit verfügbare Ladeleistung durch hohe Leistungspreise bestraft, drohen weniger Standorte und höhere Ladekosten“, sagt Andreas Reinhardt, Vorsitzender des Bundesverbands Elektromobilität Österreich.

Auslöser der Kritik ist, dass künftig die gleichzeitig aus dem Netz bezogene Leistung einer Ladestation stärker berücksichtigt werden soll. Auf Netzebene 7, also im Niederspannungsnetz für Haushalte, kleinere Betriebe und viele Ladestationen, ist für den Leistungsanteil über 10 kW ein höherer Preis vorgesehen.

Bei einer Station mit zwei Ladepunkten zu je 11 kW und einem Jahresabsatz von 5.000 kWh könnten laut Berechnungen des Verbands die Netzkosten auf 27,5 Cent pro kWh steigen, bei 10.000 kWh auf 16 Cent pro kWh. Die endgültigen Tarife stehen noch nicht fest.

Risiken für Gemeinschaftsanlagen

Auch bei Ladeanlagen in Mehrparteienhäusern sieht der Verband mögliche Nachteile. Gemeinschaftsanlagen mit Lastmanagement verteilen die verfügbare Leistung auf mehrere Fahrzeuge und können Stromspitzen reduzieren. Nach Einschätzung des Verbands könnten sie dennoch teurer werden als einzelne, nicht gemeinsam gesteuerte Wallboxen.

„Es wäre widersinnig, wenn eine intelligent gesteuerte Gemeinschaftsanlage teurer wird als zahlreiche ungeregelte Einzelanschlüsse. Netzdienliches Verhalten muss belohnt werden“, sagt Roman Itzinger, Experte des Bundesverbands Elektromobilität Österreich.

Der Verband spricht sich dafür aus, Leistungsspitzen von Wohnungen und Ladeanlagen nicht einfach zu addieren, wenn diese zu unterschiedlichen Zeiten auftreten. Vorgeschlagen wird, die tatsächlich gemessene Spitzenleistung am gemeinsamen Hausanschluss zu verrechnen.

Forderung nach Anreizen für flexibles Laden

Darüber hinaus fordert der Verband, flexible Ladevorgänge stärker zu berücksichtigen. Wer sein Fahrzeug zu netzfreundlichen Zeiten lädt oder die Ladeleistung an die aktuelle Netzauslastung anpasst, solle auch bei den Netzkosten profitieren.

„Als Bundesverband Elektromobilität Österreich begrüßen wir die Modernisierung hin zu fairen und verursachungsgerechten Netzentgelten. Entscheidend ist jedoch, dass die neuen Regeln den weiteren Ausbau der Elektromobilität wirksam unterstützen“, so Andreas Reinhardt und Roman Itzinger.

Hintergrund zur Verordnung

Die geplante Systemnutzungsentgelte-Grundsatzverordnung legt die Grundsätze für die künftige Berechnung der Netzentgelte fest. Die konkrete Tarifverordnung soll in einem nächsten Schritt folgen.

Der Bundesverband Elektromobilität Österreich vertritt nach eigenen Angaben die Interessen von 13 Energieunternehmen in Österreich und setzt sich für den flächendeckenden Ausbau der Elektromobilität unter Verwendung erneuerbarer Energie aus Österreich ein.

Quelle: OTS

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