Kosten der Energiewende:

Strom, E-Auto, PV und Wärmepumpe: Rechnen wir uns die Energiewende falsch?

von David Lodahl
von Thomas Buchbauer – Recherche, Konzept und Kuration Foto: © www.i-magazin.com / KI-generiert mit OpenAI

Was kostet eine Kilowattstunde Strom wirklich? Weshalb kann ein Elektroauto beim Kauf teurer und am Ende trotzdem billiger sein? Warum bestimmt ein teures Gaskraftwerk zeitweise auch den Preis von günstig produziertem Wasser-, Wind- und Sonnenstrom? Und was passiert, wenn wir bei der Rechnung plötzlich nicht mehr nur auf das einzelne Gerät, sondern auf das gesamte Energiesystem schauen? Je tiefer man in diese Fragen einsteigt, desto unbequemer wird die Erkenntnis: Vielleicht diskutieren wir seit Jahren über Preise – und rechnen dabei trotzdem nicht alles ein.

Der Preis, den eigentlich niemand kennt

Es sollte eine einfache Rechnung werden. Eine Mathematikerin, ein Fachjournalist und ein Experte für Energiegemeinschaften wollten wissen, was für ein potenzielles Mitglied günstiger ist: Strom aus einer Energiegemeinschaft oder jener eines klassischen großen Energieversorgers. Nicht als Werberechnung für die Energiegemeinschaft, sondern so, dass die Zahlen auch einer kritischen Gegenrechnung standhalten.

Einfach war daran bald gar nichts mehr. Energiearbeitspreis, Grundpreis, Netznutzung, Netzverluste, Messentgelt, Elektrizitätsabgabe, Erneuerbaren-Förderbeiträge, Umsatzsteuer und – beispielsweise in Wien – zusätzlich die Gebrauchsabgabe mussten auseinanderdividiert werden. Dann kamen die reduzierten Netzentgelte für lokale beziehungsweise regionale Energiegemeinschaften, der verbleibende Reststrombezug und die entscheidende Frage hinzu, wie viel Strom einem Mitglied überhaupt zeitgleich aus der Gemeinschaft zugeteilt werden kann. Und selbstverständlich gelten nicht überall in Österreich dieselben Netzkosten. Genau diese Erfahrung bildete den Ausgangspunkt unserer Recherche.

Und dabei stellt sich eine Frage, die weit über Energiegemeinschaften hinausgeht: Wenn bereits eine Mathematikerin, ein Fachjournalist und jemand, der sich professionell mit Energiegemeinschaften beschäftigt, einen belastbaren Strompreisvergleich als Herausforderung empfinden – wie realistisch ist dann die Erwartung, dass der durchschnittliche Haushalt all diese Zusammenhänge selbst durchschaut?

Denn genau das verlangen wir zunehmend von ihm. Er soll Stromtarife vergleichen, Netzentgelte verstehen, Smart-Meter-Daten interpretieren, dynamische Preise beurteilen und dann noch entscheiden, ob PV, Speicher, Energiegemeinschaft, Wärmepumpe oder intelligentes Laden seine Rechnung verbessert.

Vielleicht ist also nicht nur der Strompreis kompliziert geworden. Vielleicht überfordern wir einen beträchtlichen Teil der Konsumenten bereits mit der Aufgabe, überhaupt herauszufinden, was Strom tatsächlich kostet.

Für den aktuellen Preisvergleich verwenden wir deshalb nicht ältere Beispielwerte, sondern den E-Control-Preismonitor mit Bezugszeitpunkt 1. August 2026. Bei 3.500 kWh Jahresverbrauch weist er für das jeweils am häufigsten genutzte Produkt des lokalen Anbieters beziehungsweise das entsprechende Hauptprodukt Jahresgesamtpreise inklusive Netz, Steuern und Abgaben von 890,91 Euro bei Tiwag, 1.141,14 Euro bei Wien Energie und 1.218,11 Euro bei Energie Klagenfurt aus. Im Netzgebiet Wien kostet das günstigste im Preismonitor erfasste Angebot 978,39 Euro; gegenüber dem dort am häufigsten genutzten lokalen Produkt errechnet E-Control ein Einsparpotenzial von 162,75 Euro pro Jahr. Schon diese Zahlen zeigen aber auch: Wien, Tirol und Kärnten lassen sich nicht einfach gegeneinander ausspielen, weil die Netzkosten regional unterschiedlich sind. (E-Control)

Noch interessanter wird es beim reinen Energiepreis. Stand Ende des zweiten Quartals 2026 lag das durchschnittliche Hauptprodukt der etablierten Versorger laut E-Control bei rund 14 Cent/kWh, die günstigsten Produkte wieder unter zehn Cent. Die durchschnittlichen kurz- und langfristigen Beschaffungskosten der Lieferanten lagen im selben Zeitraum zwischen sieben und acht Cent/kWh. E-Control weist darauf hin, dass ein Wechsel vom Hauptprodukt zum billigsten Angebot je nach Netzgebiet derzeit rund vier Cent/kWh sparen kann. (E-Control)

Genau damit beschäftigt sich auch die Folge „Abzocke beim Strom? Octopus-Chef packt aus!“ des Podcasts „Alles wird Strom – Energiewende jetzt“. Zu Gast ist Bastian Gierull, CEO von Octopus Energy Deutschland. Er kritisiert unter anderem die sogenannte Loyalitätsfalle: Kunden wählen einmal einen Anbieter und beschäftigen sich anschließend jahrelang kaum noch mit ihrem Tarif – während neue Kunden wesentlich günstigere Konditionen angeboten bekommen. Der Podcast bringt das Problem noch weiter auf den Punkt: Ausgerechnet diesen Kunden sollen anschließend dynamische Tarife, Wärmepumpen, Speicher und gesteuertes E-Auto-Laden schmackhaft gemacht werden.

Wichtig ist dabei die Rollenverteilung: Gierull spricht als Chef eines Energieanbieters, der mit flexiblen und dynamischen Tarifen selbst im Markt aktiv ist. Seine Aussagen sind deshalb interessante Innensicht und Rechercheanlass – aber kein unabhängiger Beleg dafür, dass seine Diagnose des gesamten Strommarkts richtig ist. Dieses Prinzip gilt auch für die übrigen Podcastgäste in dieser Geschichte.

Energiegemeinschaft gegen Großanbieter: Äpfel gegen Birnen?

Bei Energiegemeinschaften kommt eine weitere Ebene hinzu. Nur jene Kilowattstunden, die einem Mitglied tatsächlich aus der Gemeinschaft zugeteilt werden, profitieren von deren besonderen Rahmenbedingungen. Der restliche Strom kommt weiterhin vom klassischen Lieferanten.

Ein niedrigerer Arbeitspreis des klassischen Energieanbieters bedeutet noch lange nicht, dass dessen Strom unter dem Strich günstiger ist. Selbst wenn ein Lieferant beim reinen Energiepreis unter den 13 Cent/kWh einer Energiegemeinschaft liegt, kann die Gesamtrechnung höher ausfallen. Denn für den tatsächlich aus der EEG bezogenen Strom kommen reduzierte Netzentgelte sowie weitere gesetzliche Begünstigungen hinzu. Entscheidend ist daher nicht, welcher Anbieter den niedrigsten Arbeitspreis ausweist, sondern was die jeweilige Kilowattstunde inklusive Netz, Abgaben, Steuern und aller Vergünstigungen tatsächlich kostet. Genau an dieser Stelle wird der vermeintlich einfache Preisvergleich kompliziert – und für Konsumenten schnell irreführend.

Seit 1. April 2026 wird die Sache nochmals interessanter. Mit dem Sommer-Nieder-Arbeitspreis SNAP ist der verbrauchsabhängige Arbeitspreis des Netzentgelts von April bis September zwischen 10 und 16 Uhr reduziert – vorausgesetzt, die entsprechenden Mengen werden elektronisch gemessen und vom Netzbetreiber ausgelesen.

Dass EEG-Strom nicht gleichzeitig vom SNAP profitieren kann, ist inzwischen eindeutig nachbelegt: § 5 Abs. 1b der Systemnutzungsentgelte-Verordnung 2018 legt ausdrücklich fest, dass der SNAP nur für Entnahmemengen auf Netzebene 7 gilt, „die keiner erneuerbaren Energiegemeinschaft“ zugeordnet sind. Es handelt sich damit nicht um eine Interpretation der Abrechnungspraxis, sondern um eine ausdrückliche Vorgabe der Verordnung. (RIS)

Ist das ein Angriff auf die von der damaligen Klimaschutzministerin Leonore Gewessler maßgeblich vorangetriebenen Energiegemeinschaften? Dafür gibt es keinen Beleg. Die Energiegemeinschaften wurden mit dem EAG unter Gewesslers Ministerium eingeführt, politisch allerdings deutlich breiter getragen.

Trotzdem darf man fragen: Wenn ein neuer allgemeiner Netztarif den Verbrauch zu bestimmten Zeiten belohnt, während der EEG-Strom davon ausgenommen ist, verändert das dann den relativen wirtschaftlichen Vorteil einer Energiegemeinschaft? Verhindert man lediglich eine doppelte Begünstigung – oder schwächt man damit unbeabsichtigt einen Teil jenes Anreizes, mit dem lokale Energienutzung aufgebaut wurde?

Auch diese Frage gehört in eine ehrliche Kostenrechnung.

Die Kilowattstunde bekommt eine Uhrzeit

SNAP ist finanziell zunächst weniger spektakulär, als die Zahl von 20 Prozent vermuten lässt. Schließlich wird nicht die gesamte Stromrechnung um ein Fünftel billiger, sondern nur der Arbeitspreis einer Netzkomponente.

Seine eigentliche Bedeutung liegt deshalb woanders: Die Kilowattstunde bekommt einen zeitlichen Wert.

Was daraus werden kann, demonstriert Octopus Energy bereits in Großbritannien. In der erwähnten Podcast-Folge beschreibt Gierull, wie Kunden eine Nachricht bekommen können, wenn besonders viel erneuerbare Energie vorhanden ist: Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, das Auto zu laden oder andere Verbraucher einzuschalten. Umgekehrt können Kunden dafür belohnt werden, ihren Verbrauch in angespannten Situationen zu reduzieren.

Das Entscheidende daran: Der Konsument muss nicht selbst den Day-Ahead-Markt studieren. Das komplexe Energiesystem wird in eine einfache Information übersetzt: Jetzt laden – oder besser noch warten.

Österreich besitzt dafür eigentlich hervorragende Voraussetzungen. Ende 2024 waren bereits 96,9 Prozent der vorgesehenen Zählpunkte mit Smart Metern ausgestattet. Aber nur etwa 760.000 beziehungsweise 12,6 Prozent nutzten damals die Übertragung von Viertelstundenwerten.

Und für viele dürfte das Smart-Meter-Portal ihres Netzbetreibers noch immer eine große Unbekannte sein. Wer loggt sich regelmäßig ein, studiert seine Viertelstundenwerte und leitet daraus selbst den optimalen Zeitpunkt für Warmwasser, Wärmepumpe oder E-Auto ab?

Ein Zähler wird eben nicht allein dadurch smart, dass er digital im Verteiler hängt. Sein Nutzen entsteht erst, wenn aus seinen Daten verständliche Informationen – oder besser noch automatisierte Entscheidungen – werden.

Gas bestimmt den Strompreis. Warum eigentlich?

Und damit kommen wir zu einer jener Erklärungen, die man in der Energiewirtschaft so oft hört, dass sie beinahe zum Naturgesetz geworden ist.

Vereinfacht funktioniert die Merit Order so: Erzeuger werden nach ihren kurzfristigen Grenzkosten gereiht. Das letzte Kraftwerk, das zur Deckung der Nachfrage benötigt wird, setzt den Marktpreis. Ist das ein teures Gaskraftwerk, erhalten auch günstigere Erzeuger in dieser Zeitspanne diesen Clearingpreis.

Dafür gibt es ökonomische Gründe. Der Mechanismus sorgt dafür, dass zunächst Anlagen mit niedrigen Grenzkosten eingesetzt werden, und die daraus entstehenden inframarginalen Erlöse sind auch Investitionssignale.

Trotzdem bleibt unser Unverständnis über eine Antwort, die man häufig hört: Man habe eben noch kein besseres System gefunden.

Ist das wirklich der Weisheit letzter Schluss?

Auch Gierull stellt in „Abzocke beim Strom? Octopus-Chef packt aus!“ die Frage, wie sinnvoll die starke Verbindung zwischen fossilen Grenzkosten und Strompreis noch ist, wenn erneuerbare Erzeuger mit wesentlich niedrigeren variablen Kosten einen immer größeren Teil des Systems stellen.

Auch das WIFO zeigt 2026, dass sehr wohl Alternativen untersucht werden. Die Ökonomen Simon Finster, Bernhard Kasberger und Simon Rütten schlagen einen Mechanismus vor, bei dem in Hochpreisstunden ein CO₂-bezogener Abschlag von den Erlösen nichtfossiler Erzeuger vorgenommen und auf die Verbraucherseite rückverteilt würde. Die Merit Order selbst würde dabei nicht verändert.

Entscheidend ist die korrekte Bezugsgröße: Die statische Simulation mit stündlichen Daten aus 2025 ergibt für Österreich keine um 8,5 Prozent niedrigere Stromrechnung des Haushalts, sondern um rund 8,5 Prozent niedrigere durchschnittliche Großhandelskosten – von 104,4 auf 95,5 Euro/MWh. Das entspricht im Modell bei 59,2 TWh Gesamtlast einer jährlichen Umverteilung von rund 528 Millionen Euro. Der Effekt betrifft damit die Day-Ahead-/Großhandelsebene; Netzentgelte, Steuern, Abgaben und die konkrete Beschaffungsstrategie eines Lieferanten sind damit noch nicht abgebildet.

Das Modell hat offene Fragen: Investitionsanreize, Terminmärkte, Speicher, Gebotsstrategien und europäische Marktintegration müssen berücksichtigt werden. Das WIFO sagt selbst nicht, damit sei das Strommarktdesign abschließend gelöst.

Aber die Studie widerlegt zumindest eine Behauptung: Die Merit Order ist kein Naturgesetz und Alternativen werden sehr wohl entwickelt.

Damit stellt sich eine weitere Frage: Wer profitiert vom bestehenden System? Betreiber von Erzeugungsanlagen mit niedrigen Grenzkosten können in Hochpreisstunden erhebliche inframarginale Erlöse erzielen. Für Österreich ist dabei die Wasserkraft besonders relevant.

Das bedeutet nicht automatisch, dass Energieunternehmen aus Eigennutz jede Reform verhindern. Unternehmen sichern Preise langfristig ab, betreiben gleichzeitig Erzeugung und Vertrieb und tragen Investitionsrisiken.

Aber fragen dürfen wir:

Wie viel des Beharrungsvermögens im heutigen System ist ökonomisch notwendig – und wie viel erklärt sich daraus, dass jede Veränderung bestehende Erlösmodelle verändert?

Vom PV-Dach zum steuerbaren Energiesystem

Die nächste große Rechenfrage lautet: Muss jede neue Wärmepumpe, jede Wallbox und jede zusätzliche PV-Anlage zwangsläufig noch mehr Netz und noch mehr gesicherte Kraftwerksleistung bedeuten?

Flexibilität ersetzt keinen notwendigen Netzausbau. Aber sie kann beeinflussen, wie stark Lastspitzen ausfallen und wann Energie benötigt wird.

Bastian Gierull argumentiert im Octopus-Podcast genau in diese Richtung: Batteriespeicher und Elektroautos könnten nicht nur zusätzliche Verbraucher sein, sondern zur Stabilisierung des Systems beitragen. Octopus steuere in Großbritannien bereits große E-Auto-Lasten; der nächste Schritt sei bidirektionales Laden.

Österreich beginnt, dafür Geld in die Hand zu nehmen. Für das Programm „Energiemanagement – Flexibilisierung im Verteilnetz“ stehen 2026 bis zu 4,9 Millionen Euro zur Verfügung. Gefördert werden Anschaffung, Installation und Konfiguration automatisierter, kommunikationsfähiger Energiemanagementsysteme – ausdrücklich mit dem Ziel, Verbrauch, Speicher, Netze und erneuerbares Angebot besser aufeinander abzustimmen.

Doch welche Systeme können das heute tatsächlich? Und sind sie beim Elektriker angekommen?

Genau das untersucht Sonepar Österreich derzeit. Albert Zarfl vom Kompetenzzentrum Erneuerbare Energien beschreibt gegenüber dem i-Magazin, dass Wechselrichter, Speicher, Wärmepumpen und Wallboxen verschiedener Hersteller in der Praxis häufig technische Inseln bleiben. Offene Schnittstellen, Modbus-Register, Netzwerkverbindungen, Parametrierung und Programmierung entscheiden darüber, ob aus „Plug-and-play“ am Ende tatsächlich ein funktionierendes System wird.

Am 20. August 2026 hat das Wirtschafts- und Energieministerium nun zusätzlich angekündigt, die PV-Förderung stärker auf Speicher und Energiemanagement auszurichten. Genau hier ist die Wortwahl entscheidend: Das ist eine politische Ankündigung und Zielrichtung für die künftige Förderarchitektur – noch kein vollständig ausformuliertes und rechtsverbindlich feststehendes Förderregime für 2027. Die Ministeriumsmitteilung belegt den geplanten Paradigmenwechsel, nicht aber bereits jedes Detail seiner späteren rechtlichen Umsetzung. (OTS.at)

Für die aktuell geltende Förderpraxis 2026 sieht es noch anders aus: Nach der aktuell veröffentlichten EAG-Förderpraxis kann ein Stromspeicher nur gemeinsam mit einer neu errichteten oder erweiterten PV-Anlage und im selben Förderprojekt beantragt werden; eine alleinige Nachrüstung oder Erweiterung eines Speichers ist nicht förderfähig. (OeMAG)

Für 2027 kündigt das Ministerium dagegen einen stärkeren Fokus auf Speicher und intelligente Energiemanagementsysteme sowie eine Neuausrichtung der PV-Förderung an. Wie weit klassische kleine PV-Anlagen tatsächlich aus der breiten Förderung herausgenommen werden, unter welchen konkreten Voraussetzungen Speicher bei Bestandsanlagen künftig förderfähig werden und wie das Antragsverfahren im Detail aussehen wird, muss die noch ausstehende konkrete Ausgestaltung zeigen.

Dass der politische Fokus nachvollziehbar ist, illustriert das Ministerium selbst mit einem Sommertag. Nach Angaben des Ministeriums traf an diesem Beispiel eine PV-Spitze von 4,3 GW zur Mittagszeit auf eine Abendlast von 6,1 GW; zugleich habe der durchschnittliche Großhandelspreis zwischen 10 und 16 Uhr bei rund 14 Euro/MWh und am Abend bei rund 180 Euro/MWh gelegen. Diese Werte sind damit als vom Ministerium angeführtes Beispiel zu lesen – nicht als von uns unabhängig verifizierte umfassende Systemanalyse.

Strom ist also vorhanden. Nur nicht immer dann, wenn er benötigt wird.

Trotzdem darf man auch diese angekündigte Reform kritisch betrachten. Ist eine klassische kleine PV-Anlage tatsächlich schon so wirtschaftlich, dass ihre breite Förderung zurückgefahren werden kann? Und was passiert mit Haushalten, die sich PV leisten könnten, einen zusätzlichen Speicher samt Energiemanagement aber nicht?

Für das Elektrohandwerk zeichnet sich jedenfalls ein neuer Markt ab: Nicht nur zusätzliche Dächer, sondern Millionen bereits bestehender PV-Anlagen könnten perspektivisch Speicher, Steuerung und Energiemanagement bekommen – sofern die angekündigte Förderlogik tatsächlich in dieser Form umgesetzt wird.

Ist das Elektroauto wirklich so teuer?

Dasselbe Prinzip begegnet uns beim Auto.

In der Podcast-Folge „Der Verbrenner-Mythos: Warum wir seit Jahren falsch rechnen“ von „Alles wird Strom – Energiewende jetzt“ diskutieren Robin Schmid und Felix Goldbach mit Hendrik Giere vom Kanal „nachhaltig verstehen“ die tatsächlichen Gesamtkosten von Verbrenner und Elektroauto. Die Ausgangsthese: Der Käufer sieht zuerst den höheren Anschaffungspreis des Stromers – nicht aber zwangsläufig die Folgekosten beider Fahrzeuge.

Auch hier gilt: Die persönlichen Berechnungen und Erfahrungen des Podcastgasts sind kein unabhängiger TCO-Beleg. Sie liefern Fragen, die anschließend mit anderen Datenquellen überprüft werden müssen.

Eine aktuelle TCO-Untersuchung des ÖAMTC ist dazu eine interessante Analyse, aber nicht die endgültige Antwort. Sie berücksichtigt Kauf beziehungsweise Wertverlust, Versicherung, Steuer, Energie sowie Reparatur und Wartung über fünf Jahre.

Gerade eine Position macht uns neugierig. Beim konkret untersuchten Vergleichspaar Hyundai Kona über fünf Jahre werden Reparatur- und Servicekosten von rund 2.098 Euro beim Benziner und rund 1.481 Euro beim Elektroauto angesetzt. Das sind gerade einmal gut 600 Euro Unterschied. Diese Werte gelten für genau dieses Fahrzeugpaar und diese Modellrechnung – sie dürfen nicht als allgemeiner Wartungskostenabstand zwischen Verbrenner und Elektroauto verstanden werden.

Unsere eigene Erfahrung aus mittlerweile sieben Jahren elektrischem Fahren ist eine deutlich andere: Bei Wartungs- und laufenden Reparaturkosten schlägt das Pendel erheblich stärker zugunsten des Elektroautos aus.

Das ist keine wissenschaftliche Untersuchung. Aber es ist Grund genug nachzufragen. Ein Elektroantrieb braucht keinen Ölwechsel, keine Zündkerzen und keinen klassischen Abgasstrang; Rekuperation reduziert zudem in vielen Fällen den Einsatz der mechanischen Bremse. Dem stehen mögliche spezifische Kosten des E-Autos gegenüber.

Also: Welche Wartungsannahmen liefern über fünf, acht oder zehn Jahre tatsächlich die realistischste Rechnung?

Auch eine weitere Position darf nicht verschwinden. 2026 können Besitzer eines vollelektrischen Autos für privat geladenen Strom eine ePrämie beantragen. Auch daraus darf kein auf Jahre garantierter Vorteil gemacht werden. Für das jeweilige Betrachtungsjahr ist es dennoch ein möglicher Erlös.

Was ist eine Autobatterie wert, wenn sie auch Strom liefern kann?

Noch grundsätzlicher wird es bei der Batterie.

Die meisten heutigen TCO-Modelle behandeln das E-Auto ausschließlich als Verbraucher. Strom hinein, Kilometer heraus.

Doch eine Batterie mit 50, 60, 80 kWh oder darüber hinaus könnte künftig mehr leisten. Vehicle-to-Home kann PV-Strom zwischenspeichern und ins Gebäude zurückgeben. Vehicle-to-Grid könnte perspektivisch Flexibilität für das Stromsystem bereitstellen.

Heute lässt sich daraus in Österreich noch kein verlässlicher Jahresertrag in eine TCO-Tabelle schreiben. Aber den zukünftigen wirtschaftlichen Wert dieser Funktion automatisch mit null anzusetzen, ist ebenfalls eine Annahme.

Dass bidirektionales Laden nicht mehr nur Theorie ist, zeigte die Austrian DC Pilot Factory bei Fill in Gurten. Dort wurden im Juli 2026 unter realen industriellen Bedingungen PV, Produktionsanlagen und bidirektional ladende Fahrzeuge in einem gemeinsamen Gleichstromsystem verbunden.

Die spannende Frage lautet daher:

Was ist ein Elektroauto über seine Lebensdauer wert, wenn sein Akku nicht nur der Mobilität, sondern zeitweise auch dem Gebäude oder Stromsystem dient?

Zwei Taschenrechner fürs Auto

Und dann kommt die Umwelt.

Bei der privaten TCO-Rechnung zählen jene Kosten, die tatsächlich beim Fahrzeughalter anfallen. Klimafolgen gehören dort nicht einfach als Fantasiezahl hineingerechnet.

Für einen gesellschaftlichen Kostenvergleich müssen sie aber sehr wohl betrachtet werden.

Das Umweltbundesamt hat Produktion, Energiebereitstellung, Nutzung und Entsorgung verschiedener Antriebe untersucht. Batterieelektrische Autos schneiden in allen betrachteten Fahrzeugklassen bei den Treibhausgasemissionen besser ab; mit erneuerbarem Strom werden über den gesamten Lebenszyklus bis zu 79 Prozent weniger Treibhausgasemissionen als bei konventionellen Pkw ausgewiesen. Die Batterieproduktion ist dabei ausdrücklich mitgerechnet.

Das macht das Elektroauto nicht emissionsfrei.

Es bedeutet vielmehr: Wer eine Vollkostenrechnung verlangt, muss bei beiden Technologien dieselbe Systemgrenze verwenden.

Und wer bezahlt die fossile Rechnung?

Genau hier trifft der Auto-Podcast auf eine weitere Folge derselben Reihe: „Männer, die die Welt verbrennen – Christian Stöcker über die Macht der Öl-Milliardäre“ von „Alles wird Strom – Energiewende jetzt“. Zu Gast ist der Psychologe und Autor Christian Stöcker. Thema sind fossile Subventionen, Lobbyismus, strategische Kommunikation und gesellschaftliche Folgekosten.

Im Podcast werden enorme internationale Summen genannt. Bei solchen Zahlen ist Vorsicht angebracht. Direkte Subventionen, Steuervergünstigungen, nicht eingepreiste Umweltkosten und Klimaschäden sind unterschiedliche Kategorien. Sie dürfen nicht ohne methodische Abgrenzung zu einer einzigen eindrucksvollen Gesamtsumme addiert werden. Das Gespräch aus dem Podcast selbst liefert dazu zahlreiche Rechercheansätze.

Für Österreich reicht bereits der Blick auf das WIFO. Eine Untersuchung beziffert klimakontraproduktive Förderungen und fiskalische Maßnahmen mit durchschnittlich 4,1 bis 5,7 Milliarden Euro pro Jahr. Die Frage lautet deshalb nicht, ob fossile Energie „gut“ oder „böse“ ist.

Sie lautet:

Warum rechnen wir bei Elektroautos, Wärmepumpen und Batteriespeichern Anschaffung, Wertverlust, Wartung und manchmal sogar Auswirkungen auf das Netz minutiös zusammen – während fossile Steuerbegünstigungen, Importabhängigkeit oder externe Kosten häufig erst in einer völlig anderen Diskussion auftauchen?

255 Milliarden Gründe, genauer hinzusehen

Eine besonders große Zahl aus dem Octopus-Podcast lässt sich auf ihre Quelle zurückführen. Ein Unternehmensbündnis rund um Anbieter dezentraler Energielösungen ließ Roland Berger untersuchen, welchen wirtschaftlichen Wert solche Lösungen in Deutschland bis 2045 erreichen könnten.

Laut der am 30. September 2025 veröffentlichten Unternehmenskommunikation von Enpal kommt die von Enpal bei Roland Berger beauftragte Studie in ihren Szenarien auf einen möglichen wirtschaftlichen Mehrwert dezentraler Energielösungen von 185 bis 255 Milliarden Euro bis 2045. Ebenfalls aus dieser Kommunikation stammt die Aussage, der nötige Verteilnetzausbau könne in bestimmten betrachteten Bereichen um bis zu 40 Prozent reduziert werden. Beides sind damit Studienergebnisse eines beauftragten Szenarios – keine unabhängig feststehenden volkswirtschaftlichen Tatsachen. (Enpal Corporate)

Zum Unternehmensbündnis gehören unter anderem Enpal, Octopus Energy, 1Komma5°, LichtBlick, thermondo und Volkswagen Group Charging sowie weitere Anbieter, die wirtschaftlich selbst vom Ausbau dezentraler Energielösungen profitieren können. Diese Interessenlage entwertet die Studie nicht, sie gehört aber zwingend zur Einordnung ihres Ergebnisses.

Macht das die Studie wertlos? Nein.

Macht es sie zur unabhängigen Wahrheit? Ebenso wenig.

Aber sie stellt die richtige Frage: Welchen Wert haben PV, Speicher, Wärmepumpe und E-Auto, wenn man sie nicht einzeln, sondern als flexibles Gesamtsystem betrachtet?

Muss der Hausbesitzer jetzt auch Heiztechniker werden?

Diese Frage führt direkt zum Gebäude.

In der Podcast-Folge „Die größten Energiespar-Lügen! Was Hausbesitzer wirklich tun sollten“ von „Alles wird Strom – Energiewende jetzt“ geht es mit Carsten Herbert, bekannt als „Energiesparkommissar“, um jene Maßnahmen, die oft wenig spektakulär sind: Heizkurve, hydraulischer Abgleich, Rohrdämmung oder Warmwasserverbrauch. Im Podcast wird geschätzt, dass ein großer Teil der Heizungen nicht optimal an das jeweilige Gebäude angepasst ist.

Auch diese Schätzung stammt zunächst aus dem Podcast und wird nicht als österreichische Bestandsstatistik behandelt. Belastbar ist hingegen die technische Grundlogik: Eine unnötig hohe Systemtemperatur erhöht Verluste und verschlechtert insbesondere bei Wärmepumpen die Effizienz.

Die Logik dahinter ist nachvollziehbar: Bevor eine neue Wärmepumpe dimensioniert wird, sollte man wissen, welche Leistung und welche Vorlauftemperatur das Gebäude tatsächlich benötigt.

Doch auch hier sollten wir uns nicht aus der Verantwortung stehlen.

Kann man einem durchschnittlichen Hausbesitzer wirklich zumuten, dass er sich selbst mit Heizkurve, hydraulischem Abgleich, SG-Ready-Kontakten, Stromtarifen und Smart-Meter-Portalen beschäftigt?

Der engagierte Tüftler macht das. Viele andere möchten schlicht ein warmes Wohnzimmer und eine bezahlbare Rechnung.

Wenn ein beträchtliches Effizienzpotenzial nur deshalb liegen bleibt, weil der Kunde erst zum Hobby-Heizungstechniker werden müsste, dann ist das nicht allein sein Versäumnis.

Es ist ein Dienstleistungsauftrag.

Für Installateure, Elektriker und Planer bedeutet das: nicht bloß ein neues Gerät verkaufen, sondern das bestehende System messen, optimieren, einstellen und anschließend verständlich erklären.

Das eigentliche Produkt steht noch auf keiner Palette

Und genau hier laufen sämtliche Fäden zusammen.

PV erzeugt.
Der Speicher verschiebt.
Die Wärmepumpe macht aus Strom Wärme.
Das E-Auto braucht Energie und kann künftig vielleicht selbst speichern.
Der Smart Meter liefert Daten.
Der dynamische Tarif gibt ein Preissignal.
Die Energiegemeinschaft verändert die Bezugslogik.
Das Energiemanagement muss daraus eine sinnvolle Entscheidung machen.

Die politische Ankündigung des Wirtschafts- und Energieministeriums vom 20. August 2026 weist genau in diese Richtung: Künftige Förderungen sollen Speicher und Energiemanagement stärker gewichten. Ob und in welcher konkreten Form die breite Förderung klassischer kleiner PV-Anlagen ab 2027 tatsächlich zurückgefahren wird, ist dagegen erst mit den noch festzulegenden Förderbedingungen belastbar zu beurteilen.

Doch das macht die Welt für den Kunden nicht einfacher.

Im Gegenteil.

Gerade deshalb ist die Untersuchung von Sonepar so interessant. Denn zwischen der politischen Vorstellung vom intelligent gesteuerten Haushalt und der Realität im Zählerkasten liegen Herstellerprotokolle, Kommunikationsleitungen, Datenpunkte, Parametrierung, Programmierung und die Frage, wer im Problemfall die Verantwortung übernimmt.

Vielleicht ist also die entscheidende Frage der nächsten Phase der Energiewende gar nicht, ob wir noch einen weiteren Speicher, eine weitere Wallbox oder eine weitere Wärmepumpe verkaufen.

Sondern:

Wer bringt all das dazu, miteinander zu sprechen?

Für die Elektrobranche könnte darin eine enorme Chance liegen. Der Elektriker wird vom Installateur einzelner Komponenten zunehmend zum Systemintegrator. Er analysiert Lastprofile, begrenzt Spitzen, verbindet PV und Speicher, stimmt Ladeleistung und Wärmepumpe aufeinander ab und sorgt dafür, dass der Kunde die Komplexität des Energiesystems eben nicht selbst beherrschen muss.

Denn vielleicht liegt einer der größten Denkfehler der Energiewende darin, dass wir die Verantwortung dafür immer noch beim einzelnen Konsumenten abladen.

Er soll den günstigsten Tarif suchen.
Er soll den Smart Meter aktivieren.
Er soll die richtige Ladezeit finden.
Er soll die Wärmepumpe optimieren.
Er soll die EEG-Abrechnung verstehen.
Und künftig soll er auch noch wissen, wann sein Speicher netzdienlich lädt.

Das Energiesystem darf komplexer werden. Seine Nutzung muss einfacher werden.

Und vielleicht liegt der zweite große Denkfehler darin, dass wir weiterhin versuchen, jedes Produkt einzeln zu rechnen, obwohl sein tatsächlicher Wert längst davon abhängt, was es gemeinsam mit den anderen Komponenten tut.

Das gilt für die PV-Anlage.

Für den Speicher.

Für die Wärmepumpe.

Für das Elektroauto.

Für das Netz.

Und sogar für die Kilowattstunde selbst.

Richtig rechnen heißt deshalb künftig auch richtig planen – und richtig steuern.

Redaktioneller Stand: 24. August 2026. Schriftliche Stellungnahmen zu Strommarktdesign, Merit Order, Endkundenpreisen sowie einzelnen Annahmen der TCO-Berechnungen werden nach Einlangen an den jeweils thematisch passenden Stellen ergänzt.

Quelle: Essay_Meinungsvielfalt

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